| Überordnung: | Laurasiatheria |
| Ordnung: | Wale (Cetacea) |
| Unterordnung: | Bartenwale (Mysticeti) |
| Familie: | Furchenwale (Balaenopteridae) |
| Gattung: | Balaenoptera |
| Art: | Blauwal (Balaenoptera musculus) |

Blauwal (NOAA Fisheries (TBjornstad 11:17, 18 April 2007 (UTC)) – Protected Resouces Division, Southwest Fisheries Science Center, La Jolla, California
Blauwale werden je nach Unterart bzw. Population im Schnitt zwischen 20 und 29 Meter lang. Das größte je vermessene Tier stammte aus antarktischen Gewässern und erreichte eine Länge von 33,6 Metern bei einem Gewicht von 190 Tonnen. Tiere der Unterart B. m. musculus (im Nordatlantik und Nordpazifik) kommen auf Durchschnittslängen von 23 bis 26 Meter für Männchen und 24 bis 27 Meter für Weibchen bei einem Durchschnittsgewicht von 70 bis 135 Tonnen. Dagegen werden Blauwale in antarktischen Gewässern größer mit einer durchschnittlichen Länge von 24 bis 27 Meter für Männchen und 24 bis 29 Meter für Weibchen bei einem Durchschnittsgewicht von 75 bis 150 Tonnen. Die kleinsten Blauwale gehören der Unterart B. m. brevicauda an und erreichen Durchschnittslängen von 20 bis 22 Meter für Männchen und 21 bis 23 Meter für Weibchen bei einem Durchschnittsgewicht von 70 bis 95 Tonnen.
Da der größte nach wissenschaftlichen Methoden vermessene Blauwal auf eine Länge von 33,6 Meter (1922) kam, ist der Blauwal eines der größten Tiere, die je gelebt haben. Nur wenige Tiere wurden und werden möglicherweise etwas länger, darunter Dinosaurier wie Seismosaurus und Patagotitan sowie der rezente Schnurwurm Lineus longissimus. Die ausgestorbene Walart Perucetus colossus übertraf den Blauwal möglicherweise an Gewicht, nicht aber an Länge.
Blauwale weisen einen Sexualdimorphismus der Größe auf: Weibchen sind im Schnitt bis zu sechs Prozent größer und können am Ende der Nahrungssaison bis 200 Tonnen wiegen; das ist mehr, als jede andere bekannte Tierart wiegt, die jemals existierte.
Der Blauwal besitzt einen stromlinienförmigen und schlanken Körper, der dunkel-blaugrau gefärbt ist. Er ist zudem am gesamten Körper mit helleren Flecken gesprenkelt. Die etwas hellere Bauchseite kann bei Tieren, die längere Zeit in polaren Gewässern gelebt haben, auch gelblich gefärbt sein. Dies rührt von einem Bewuchs mit der harmlosen Kieselalge Cocconeis ceticola her; Wale mit dieser Färbung werden als Schwefelbäuche bezeichnet. Die Finne (Rückenflosse) ist mit einer Höhe von maximal 45 Zentimetern vergleichsweise klein, sie befindet sich auf dem hintersten Viertel des Rückens. Die auch als Fluke bezeichnete, horizontal erstreckte Schwanzflosse ist sehr breit und hinten in der Mitte eingekerbt. Die unterseits blassblau gefärbten Flipper (Brustflossen) sind dagegen sehr schmal und haben eine Länge, die etwa 14 Prozent der Gesamtlänge des Tieres entspricht.
Der Kopf des Blauwals ist, verglichen mit anderen Furchenwalen, sehr breit mit einer sehr flachen Schnauze (Rostrum). Von der Schnauzenspitze bis zum Blasloch zieht sich ein Steg; das aus zwei Nasenlöchern bestehende Blasloch selbst ist vorn und an den Seiten von einem fleischigen Wall umgeben. An verschiedenen Stellen des Kopfes befinden sich Haare, vor allem am Kinn, beidseitig am Unterkiefer und auf der Oberseite. Im Maul trägt ein Blauwal auf jeder Seite 260 bis 400 Barten, die schwarz gefärbt und bis zu 100 Zentimeter lang sind.Sie besitzen sehr grobe, arttypische Fransen. An der Unterseite ziehen sich 60 bis 88 Ventralfurchen vom Maul bis zum Nabel, die das namensgebende Merkmal der Furchenwale darstellen und die Erweiterung des Mundraumes bei der Nahrungsaufnahme ermöglichen.
1966 wurde der Zwergblauwal (B. m. brevicauda) als Unterart des Blauwals beschrieben. Er soll eine maximale Länge von 24 Metern erreichen, da der Körperabschnitt hinter der Rückenflosse kürzer ist. Die Barten sind zudem kleiner.
Das Herz des Blauwals wiegt im Durchschnitt etwa 600 Kilogramm bis eine Tonne, die Aorta (die Hauptschlagader) hat einen Durchmesser von etwa 20 Zentimeter. Die normale Herzfrequenz liegt beim Abtauchen bei zwei bis acht, nach dem Auftauchen aber bei bis zu 37 Schlägen pro Minute. Das vom Herz ausgestoßene Volumen liegt bei 2.000–5.000 Liter pro Minute. Das Gesamtvolumen des Bluts liegt bei 7.000–7.500 Liter.
Der Blauwal kommt in allen Weltmeeren vor, wobei er in einer Jahresrhythmik zwischen polaren und gemäßigten Breiten wandert. Den Winter verbringt er in den gemäßigten und subtropischen Meeren, wie etwa im Gebiet um die Azoren, in denen auch seine Fortpflanzungsgebiete liegen; den Sommer verbringt er in polaren Gewässern, in denen er reichlich Nahrung findet. Aufgrund des Zeitversatzes von Nordwinter zu Südwinter gilt: Südhalbkugel-Wale sind gerade dann in Gewässern näher am Äquator, wenn Nordhalbkugel-Wale in Nordpolnähe sind; umgekehrt sind, wenn die Nordhalbkugel-Wale in gemäßigten Breiten sind, die Südhalbkugel-Wale in Südpolnähe. Die Wanderrouten und auch die Nahrungsgründe der Wale sind sehr konstant, die konkreten Fortpflanzungsgebiete sind dagegen weitgehend unbekannt.
Als Hochseebewohner kommt der Blauwal nur sehr selten in die Küstenbereiche. Er folgt allerdings in den polaren Gewässern dem zurückweichenden Eis, an dessen Rändern die größten Mengen von Krillkrebsen leben. Aus diesem Grund kommt es regelmäßig vor, dass Blauwale bei plötzlichen Wetterumschwüngen im Eis eingeschlossen werden. Vor allem aus dem Sankt-Lorenz-Strom in Kanada wird dies regelmäßig berichtet.
Der Zwergblauwal ist vor allem auf der Südhalbkugel und im nördlichen Indischen Ozean anzutreffen. Eine große Gruppe lebt offensichtlich dauerhaft in der Subantarktis, weitere Gruppen wurden vor Sri Lanka, Chile und bei den Kerguelen gesichtet.
Blauwale kommen vor allem als Einzeltiere oder als Mutter-Kind-Gruppen vor, größere Gruppenbildungen stellen bei ihnen die Ausnahme dar und lassen sich auf zufällige Ansammlungen in den Ernährungsgründen zurückführen. Eine soziale Bindung innerhalb dieser Ansammlung besteht nicht. Auch bei den Wanderungen gibt es keine größeren Gruppen, erwachsene Tiere führen dabei gelegentlich ihre Jungtiere an. Trächtige Weibchen wandern als erste im Frühjahr in die Ernährungsgebiete ein und verlassen diese als letzte.
Der Blauwal kann auf hoher See vor allem an seinem sehr hohen Blas erkannt werden, also der kondensierenden Luftfontäne, die beim Ausatmen entsteht. Diese kann Höhen von neun Metern erreichen. Im Normalfall taucht das Tier alle zwei Minuten auf, nach langen Tauchgängen erhöht sich die Atemfrequenz allerdings auf bis zu sechs Atemzüge pro Minute. Die längsten Tauchgänge erreichen dabei Zeiten von über 20 Minuten, normalerweise sind sie jedoch mit durchschnittlich drei bis zehn Minuten deutlich kürzer. Die Schwanzflosse wird beim Abtauchen nur selten aus dem Wasser gehoben, die Finne ist aufgrund ihrer geringen Größe kaum zu sehen.
Die Schwimmgeschwindigkeiten betragen bei der Nahrungsaufnahme zwischen 2 und 6,5 km/h, bei den Wanderungen der Tiere kann sie auf 5 bis 33 km/h und Maximalgeschwindigkeiten von 48 km/h ansteigen.
Ein 2016 veröffentlichter Fachartikel beschrieb das Verhalten eines Zwergblauwals vor der Küste Westaustraliens anhand von GPS-Daten genauer. Demnach zeigte das untersuchte Tier verschiedene Verhaltensmuster bei seinen Tauchgängen. Auf der Suche nach Nahrung tauchte es bis in maximal 506 m Tiefe. Bei der Nahrungsaufnahme selber wurde zwischen tiefen Tauchgängen, die im Mittel in 338 m Tiefe führten, und flachen Tauchgängen unterschieden, bei denen sich der Blauwal lediglich 16 m unter der Wasseroberfläche aufhielt. Bei Wanderungsbewegungen wiederum bewegte sich der Wal im Mittel lediglich 13 m unter Wasser, was unterhalb der angenommenen Tauchtiefe von 12 m liegt, innerhalb derer der Seegang einen signifikanten Einfluss auf den Strömungswiderstand nimmt, und tauchte dabei jeweils für ca. 5,2 Minuten. Die mittlere Geschwindigkeit des Wals über den beobachteten Zeitraum betrug lediglich 2,8 km/h, und in 94 % der untersuchten Zeit hielt er sich in einer Tiefe von weniger als 24 m auf, was nach Angabe der Autoren eine Gefahr darstellt, da dies der maximale Tiefgang von Containerfrachtschiffen in Chinamax-Abmessung ist.
Wie alle Bartenwale ernährt sich der Blauwal von Plankton, das er mit Hilfe seiner Barten aus dem Meerwasser filtert.
Im Gegensatz zu anderen Furchenwalen, beschränkt der Blauwal die Nahrungsaufnahme nicht auf die Sommermonate und lebt in den Wintermonaten von den Fettreserven, sondern frisst das ganze Jahr über. Seine Hauptnahrung besteht aus kleinen Krebstieren der Ordnung Euphausiacea (Leuchtgarnelen, dazu gehört auch Krill). Meist haben diese Krebstiere eine Länge von 2 bis 3 Zentimetern. Außerdem zählen andere Krebstiere wie Schwebegarnelen, Ruderfuß- und Flohkrebse zu seiner Nahrung. Manchmal frisst er auch kleine Schwarmfische oder Kopffüßer.
Zur Nahrungsaufnahme wird die typische Schluckweise-Methode der Bartenwale verwendet. Dabei passen bis zu 65 Tonnen Meerwasser in den durch die gedehnten Kehlfurchen vergrößerten Maulraum. Ein Blauwal mit einem Gewicht von 80 Tonnen braucht etwa 1,5 Millionen Kilokalorien pro Tag. Ein erwachsenes Tier kann bis zu 4 Tonnen Krill bestehend aus 40 Millionen Einzeltieren an einem Tag zu sich nehmen.
Typische Tauchgänge zur Nahrungsaufnahme gehen in eine Tiefe von bis zu 250 Meter und dauern im Schnitt 8 bis 15 Minuten.
Der längste Tauchgang eines Blauwals dauerte 36 Minuten.
Blauwale erreichen ihre Geschlechtsreife wahrscheinlich in einem Alter von fünf bis sechs Jahren bei einer Länge von 22 Metern bei den Männchen und 24 Metern bei den Weibchen. Zwergblauwale sind bereits bei einer Länge von 19 Metern geschlechtsreif.
Das Paarungsverhalten der Blauwale ist weitgehend unbekannt; wahrscheinlich handelt es sich dabei um Gelegenheitspaarungen in den Fortpflanzungsgewässern. Das Blauwalkalb wird nach einer Tragzeit von etwa zehn bis zwölf Monaten mit einer Länge von etwa sieben Metern und einem Gewicht von ungefähr 2,5 Tonnen geboren. Vor der Geburt wandert das Weibchen in warm gemäßigte bis subtropische Gewässer. Sechs bis acht Monate lang wird das Kalb gesäugt, und eine Entwöhnung erfolgt während der Wanderung in die Nahrungsgründe. Das Kalb ist dann ungefähr 12,8 Meter lang.
Ein Weibchen ist etwa alle zwei Jahre trächtig. Bei den Zwergblauwalen vermutet man, dass es zwei Paarungszeiten im Jahr gibt: eine Hauptpaarungszeit im Winter und eine sommerliche Nebenpaarungszeit.
Die Kommunikation unter Blauwalen ist nicht sehr ausgeprägt. Strophenartige Walgesänge wie bei den Buckelwalen finden sich bei ihnen nicht. Das Geräuschrepertoire reicht von tieffrequenten Stöhnlauten über Pochen, Raspeln und Brummen und beinhaltet auch gelegentliche ultrafrequente Klicklaute. Ob Schwanzschlagen und Sprünge ebenfalls der Kommunikation dienen, ist unbekannt.
Die einzigen natürlichen Feinde von Blauwalen sind Schwertwale, wobei diese bevorzugt Kälber und junge Tiere angreifen. Nachdem lange Zeit nur erfolglose Angriffe von Schwertwalen auf Blauwale beobachtet wurden, dokumentieren Wissenschaftler zwischen 2019 und 2021 drei erfolgreiche Jagden vor der südwestlichen Küste Australiens. Jedes Mal waren zwischen 50 und 75 Schwertwale beteiligt und die erlegten Blauwale hatten geschätzte Längen von 18 bis 22 Meter (erwachsenes Tier), 10 bis 12 Meter (Kalb), und 12 bis 14 Meter (junges Tier). In derselben Gegend wurde 2025 eine weitere erfolgreiche Jagd beobachtet. Dabei erlegten über 60 Schwertwale aus 5 verschiedenen Familiengruppen einen etwa 18 Meter langen Zwergblauwal (B. m. brevicauda) innerhalb von 40 Minuten.
Innerhalb der Blauwale werden meist vier bis fünf Unterarten anerkannt, wobei manche noch zusätzlich in Populationen oder Bestände unterteilt werden.
Hierbei gelten die folgenden vier Unterarten als gesichert:
B. musculus musculus (Linnaeus, 1758) im Nordatlantik und Nordpazifik (hierbei deuten neuere genetische Untersuchungen darauf hin, dass dies möglicherweise 2 Unterarten sind)
B. m. intermedia (Burmeister, 1871) um die Antarktis
„Zwergblauwal“ B. m. brevicauda (Ichihara, 1966) im Indopazifik, mit 3 Populationen um Madagaskar, Australien/Indonesien und Ost-Australien/Neuseeland.
B. m. indica (Blyth, 1859) im nordwestlichen Indischen Ozean




