Peter Wohlleben: Das Seelenleben der Tiere (Rezension)

Eichhörnchen, die sich aufopferungsvoll um ihren Nachwuchs kümmern. Kühe und Wale, die Werkzeuge gezielt einsetzen. Kolkraben, die bindungsstark und treu sind. Ziegen, die Adoptivkinder annehmen. Und Elefanten, die einander beim Namen rufen. Tiere, die ihren Spieltrieb ausleben, einen Gerechtigkeitssinn besitzen, lügen und sich schämen: Lange galten solche Gefühle als dem Menschen vorbehalten.
Bestsellerautor Peter Wohlleben nimmt uns anhand gesicherter wissenschaftlicher Erkenntnisse und anrührender Geschichten mit in ein eigenes Universum – die komplexen Verhaltensweisen der Tiere, ihr emotionales und bewusstes Leben. Und er lässt uns unseren Umgang mit ihnen anders wahrnehmen. Der sensationelle Bucherfolg, jetzt mit neuen Beispielen!

In DAS SEELENLEBEN DER TIERE beschäftigt sich Peter Wohlleben mit einer Frage, die Menschen seit Jahrhunderten fasziniert: Wie ähnlich ist uns das Innenleben unserer tierischen Mitgeschöpfe tatsächlich? Dies ist eine aktualisierte Neuauflage des bereits 2016 erschienenen Buchs. Vergleiche kann ich nicht ziehen, ich kenne das Buch von 2016 nicht (erstaunlich, aber wahr). Wohlleben richtet seinen Blick auf die emotionale und soziale Welt der Tiere. Dabei verbindet er persönliche Naturbeobachtungen mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und stellt die traditionelle Vorstellung infrage, Tiere würden überwiegend instinktgesteuert handeln. Aber so motiviert und enthusiastisch der Autor seine Erlebnisse und Schlussfolgerungen dem Leser nahezubringen versucht, so erreicht mich die Kernaussage des Buchs nicht. Ich habe andere Bücher des Autors gelesen (BAKTERIEN, DAS GEHEIME NETZWERK DER NATUR), die mich schneller faszinierten und mir auch Fakten präsentierten, die mir nicht bekannt waren. Mit DAS SEELENLEBEN DER TIERE bekomme ich einen netten Mix aus Tierbeobachtung und wissenschaftlichen Erkenntnissen, die aber, abgesehen vom letzten Kapitel, in meinen Augen wenig mit dem Seelenleben zu tun haben, zumal der Begriff der Seele auch einer Erklärung bedarf, die der Autor schuldig bleibt. Ja, er vergleicht Menschen mit Tieren, bzw. umgekehrt, aber wie es mit der Seele als solche aussieht, ist eine theologische Diskussion, die in diesem Buch nichts zu suchen hat und vielleicht deswegen auch ausgespart wird.
Wohllebens zentrale Botschaft lautet daher eher: Viele emotionale Fähigkeiten, die wir lange ausschließlich dem Menschen zugeschrieben haben, besitzen zumindest in vergleichbarer Form auch andere Tierarten. Allerdings wird dieses Thema in meinen Augen dann wieder etwas zu oberflächlich abgehandelt.
Vielleicht eignet sich das Buch für Leser, die sich einfach an den Erlebnissen anderer Erfreuen und auch ihre eigene Tierliebe bestätigt sehen wollen. Aber Wohlleben bietet mehr ein Natural Writing-Buch als ein Sachbuch, das sich ausschließlich auf wissenschaftliche Fakten beruft. Das liegt vielleicht dem einen oder anderen, aber ich habe gesehen was Wohlleben kann, weshalb ich auch nicht nachvollziehen kann, was an diesem Buch so besonders ist. Ja, es liest sich nett und gefällig und vielleicht enthält es Fakten, die manchem Leser unbekannt sind, aber ich hatte größere Erwartungen.
Wohllebens größte Stärke liegt zweifellos in seiner Erzählkunst. Er versteht es, komplexe biologische Zusammenhänge in eine leicht verständliche, lebendige Sprache zu übersetzen, allerdings gerät er mit seinen Anekdoten manchmal auch ins Schwafeln. Da wird aus beobachtbaren Verhaltensweisen manchmal weitreichende Aussagen über innere Empfindungen abgeleitet, ohne dass ausreichend zwischen wissenschaftlich gesicherten Erkenntnissen und plausiblen Vermutungen unterschieden wird.
Diese anthropomorphisierende Betrachtungsweise ist nicht grundsätzlich falsch. Die vergleichende Verhaltensforschung zeigt durchaus, dass zahlreiche emotionale und kognitive Fähigkeiten evolutionär tief verwurzelt sind. Allerdings bedeutet ein äußerlich ähnliches Verhalten nicht zwangsläufig, dass unterschiedliche Tierarten dieselben subjektiven Erfahrungen machen.
Hinzu kommt, dass Wohlleben Erkenntnisse aus der Verhaltensbiologie, persönliche Erlebnisse und spekulative Interpretationen häufig zu einer geschlossenen Erzählung verbindet.
Peter Wohlleben gelingt es, Empathie für Tiere zu wecken und vermeintlich selbstverständliche Grenzen zwischen Mensch und Tier kritisch zu hinterfragen. Auch ohne erhobenen Zeigefinger regt er zum Nachdenken an, aber … DAS SEELENLEBEN DER TIERE ist als sehr subjektives Buch zu sehen. Vielleicht funktioniert es unter diesem Aspekt, wenn man sich darauf einlässt, aber mir ist es schwer gefallen. Nett zu lesen, aber Wohlleben kann das besser. Nicht sein bestes Buch.
Unter anderem Titel (etwas persönlicher) hätte es vielleicht andere Erwartungen in mir geweckt und mich vielleicht sogar begeistern können. Aber so … DAS SEELENLEBEN DER TIERE würde für mich anders aussehen (müssen).

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(RezensionsExemplar)

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