Tina Wälde: Mord im Polarexpress (Rezension)

Manche Zeugen sprechen Norwegisch, andere bellen.
Nach zwanzig Jahren als Kommissarin in Stuttgart tauscht Linda Hellstern den Polizeialltag gegen die verschneite Weite Nordnorwegens. Hier möchte die 45-Jährige die Heimat ihrer Mutter kennenlernen und endlich den Kriminalroman schreiben, von dem sie schon lange träumt.
Dass ihr Golden Retriever Lasse gleich im Polarexpress eine Leiche aufspürt, war allerdings nicht Teil des Plans. Während die Behörden von einem natürlichen Tod ausgehen, lässt Linda der Fall keine Ruhe.
Merkwürdig ist nur, dass Lasse plötzlich ganz eigene Vorstellungen davon hat, wo es weitergeht. Immer wieder zieht er Linda in den verschneiten Wald, scheint Hinweisen zu folgen, die außer ihm niemand wahrnimmt – und zeigt ein auffallendes Interesse an einem ungewöhnlich neugierigen Elch …

MORD IM POLAREXPRESS verbindet die vertrauten Zutaten eines klassischen Wohlfühlkrimis mit einem norwegischen Schauplatz und einem ungewöhnlichen Ermittlerduo. Obwohl … es ist ein bisschen Schwierig Linda und Lasse als Ermittlerteam zu sehen. Ihre Darstellung ist zwar sympathisch und entbehrt nicht einer gewissen Komik. Aber ich fand es schwierig zu lesen, da ich nicht sicher war ob Linda Lasse nun versteht oder nicht. Das hat meinen Lesefluss etwas gestört, da es von der Handlung abgelenkt hat. Dabei sind Linda und Lasse eigentlich ganz amüsant und sympathisch. Die Handlung selbst ist … nett. Ein Wohlfühlkrimi, der in manchen Beziehungen anders ist, aber in vielen Dingen genau so ist, wie man es erwartet. Ein gefälliger Norwegenkrimi, den man durchaus lesen kann, wenn man sich von Schnee und Winter so wie man ihn gerne hätte, einlullen lassen will. Der tierische Ermittlungshelfer und die gelegentlich augenzwinkernde Handlung verlangen eine gewisse Bereitschaft, sich auf die spielerischen Elemente des Cosy-Crime-Genres einzulassen. Was man aber nicht erwarten kann (und anhand des Covers sicher nicht erwartet) ist ein knallharter Skandinavienthriller … hier sind nur die Blicke hart. Nett zu lesen, typisch Cosycrime, mit tierischen Elementen (da ist ja auch noch der Elch, ein Mysterium zumindest für die Protagonistin) und ein bisschen Familiengeschichte. Es gibt durchaus spannende Momente, aber so ganz konnte mich MORD IM POLAREXPRESS nicht überzeugen, trotz Schauplatz und überzeugender menschlicher Charaktere. Für manche vielleicht genau das richtige für eine kalten Winterabende. Aber ich hatte den Eindruck, dass man mehr daraus hätte machen können.

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(Rezensionsexemplar)

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