Peter Adriaens, Mars Muusse, Philippe J. Dubois, Frédéric Jiguet: Die Möwen Europas, Nordafrikas und Vorderasiens (Rezension)

Der Bestimmungsführer zu allen Möwenarten zwischen Nordkap und Nordafrika. Möwen sind zwar leicht zu beobachten, aber schwer zu bestimmen. Aus diesem Grund wurden sie in der ornithologischen Literatur lange Zeit vernachlässigt. Was die Bestimmung von Möwen kompliziert macht, besonders bei Jungvögeln und Großmöwen, ist die große Variabilität im Gefieder. Das liegt daran, dass die Mauser komplex ist und von Individuum zu Individuum in einem etwas anderen Zeitschritt abläuft. Für das ungeschulte Auge sehen sie alle gleich aus – gleichzeitig könnte man im Fall von Großmöwen sagen, dass kein Vogel dem anderen gleicht. Das Gefieder variiert manchmal so stark, dass zwei Individuen derselben Altersklasse und derselben Art komplett unterschiedlich aussehen können. Bei den meisten Möwenarten gibt es zudem auch umfangreiche regionale Variationen. Die Autoren arbeiten mit einem völlig neuen Bestimmungsansatz, der auf Vergleichen zwischen ähnlichen Arten und nicht auf langen schriftlichen Beschreibungen basiert. Alle 45 Arten und Unterarten, die in der Westpaläarktis (Europa, Nordafrika und Vorderasien) regelmäßig oder gelegentlich beobachtet wurden, werden behandelt. Sowohl Einsteiger als auch erfahrene Praktiker finden in diesem Bestimmungsbuch eine schier unerschöpfliche Fülle an Informationen über eine Vogelgruppe, die immer noch wenig bekannt und doch allgegenwärtig ist.
Möwen kennt jeder und für die einen sind es Vögel, die man am Strand beobachten kann, für den anderen sind sie genauso lästig wie Krähen. Aber Möwe ist nicht gleich Möwe und auch wenn man sofort erkennt ob der Vogel eine Möwe oder eine Krähe ist, so wird es bei der Artenbestimmung schon schwieriger. Die Möwen Europas, Nordafrikas und Vorderasien ist eines der wenigen Bestimmungsbüchern, welches sich ausschließlich mit heimischen Möwen auseinandersetzt (Ausnahmen wie der eine oder andere amerikanische Irrgast bestätigen die Regel) und dabei auch auf die verschiedenen Erscheinungsformen innerhalb einer Art eingeht. Denn … Möwen einer Art verändern im Laufe der Zeit ihr Aussehen. Das hilft nicht unbedingt bei der Bestimmung. Aber viele Möwen sind nicht sehr scheu und so hat man Zeit auch auf Einzelheiten zu achten.
Die Artenportraits sind nach den Gefiederzyklen gegliedert. Zu jedem Gefiederzyklus werden die jeweiligen Kennzeichen gut herausgearbeitet und anhand eicht verständlicher Texte und zahlreicher Fotos verdeutlicht.
Die Fotos stellen auch eine der Stärken des Buches dar. Das Buch hat die Bezeichnung Bestimmungsbuch wirklich verdient.
Erläuterungen zu Biologie und Ökologie fehlen, sind aber auch nicht Gegenstand des Buchs.

Aber wer einfach nur mal wissen will wer sein Fischbrötchen geklaut hat oder was sich da unter Enten, Teich- und Blässhühnern am Flussufer tummelt, der wird an diesem Buch nicht vorbei kommen.

(Rezensionsexemplar)

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