Neues aus Wissenschaft und Naturschutz

15.12.2020, Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) e. V.
Die Balz der Bartgeier hat begonnen
Erster in Deutschland wieder ausgewilderter Bartgeier soll aus Nürnberg kommen – Tiergarten unterstützt Projekt von LBV und Nationalpark Berchtesgaden
Zusammen mit dem Nationalpark Berchtesgaden wird der LBV im Mai 2021 zum ersten Mal drei junge Bartgeier auswildern. Über 100 Jahre nach seiner Ausrottung soll dem größten Greifvogel Mitteleuropas so auch die Rückkehr nach Deutschland ermöglicht werden. Der bayerische Naturschutzverband LBV möchte die Erfolgsgeschichte der Wiederansiedelung des majestätischen Vogels in Westeuropa in den kommenden Jahren auch im östlichen Alpenraum fortschreiben. Die Vorbereitungen für die Auswilderung sind bereits angelaufen. Einer der drei Jungvögel soll dabei aus dem Tiergarten Nürnberg kommen. Der Tiergarten ist Teil des europäischen Bartgeier-Zuchtnetzwerks (EEP / Erhaltungszuchtprogramm des Europäischen Zooverbands) und wird als weiterer Partner in den kommenden Jahren das Projekt von LBV und Nationalpark unterstützen. „Da das Bartgeier-Paar in Nürnberg auf mehrere erfolgreiche Bruten zurückblicken kann, ist unsere Hoffnung groß, dass zukünftig auch einmal junge fränkische Bartgeier ihre Kreise um den Watzmann ziehen werden“, so der LBV-Vorsitzende Dr. Norbert Schäffer. Der erste Schritt eines Nürnberger Bartgeiers für den Nationalpark Berchtesgaden scheint gemacht, denn das Zuchtpaar im Tiergarten hat bereits mit der Balz begonnen.
Europaweit zeigen aktuell die Bartgeier Verhaltensweisen, die den Beginn der bevorstehenden Brutsaison signalisieren. Auch das Brutpaar des Nürnberger Tiergartens hat mit der Balz begonnen und die Hoffnung ist groß, dass es auch diesen Winter ein Gelege bebrüten wird. „Eine der wesentlichen Voraussetzungen für den Bruterfolg ist die Qualität des Nestes, in dem die beiden Eier später möglichst sicher liegen sollen“, weiß der LBV-Bartgeierexperte Toni Wegscheider. Daher stellen die Zoomitarbeiter bereits jetzt Nistmaterial wie Zweige und Wolle zur Verfügung, um den Geier genügend Zeit für ihre Vorbereitungen zu geben. „In den kommenden Wochen werden die Vögel nach und nach weiteres Nistmaterial in ihren Horst tragen und damit auch ihre Paarbindung festigen. Die ersten Kopulationen konnten wir auch schon beobachten, was ein sehr gutes Zeichen für die bevorstehende Brutsaison ist“, erklärt Jörg Beckmann, stellvertretender Direktor und Biologischer Leiter des Tiergartens Nürnberg.
Im Januar wird das Nürnberger Weibchen dann wahrscheinlich ein oder zwei mehr als faustgroße Eier legen. Anschließend teilt sich das Paar die Verantwortung für den Nachwuchs und bebrütet das Gelege abwechselnd etwa 54 Tage lang. Sofern in dieser Phase keine Verluste auftreten, kein Embryo abstirbt oder ein Ei unbefruchtet im Nest liegt, schlüpfen dann im Abstand von einigen Tagen zwei kleine Bartgeier. „Wenn sich der oder die Jungvögel gut entwickeln und wir seitens des EEP die Empfehlung erhalten, uns auch 2021 an einem Auswilderungsprojekt zu beteiligen, dann geben wir unsere Nachzucht sehr gerne an das LBV-Projekt im Nationalpark Berchtesgaden ab“, sagt Jörg Beckmann.
Mit ein wenig Glück kann also im nächsten Jahr ein Jungvogel aus Nürnberg bei der ersten deutschen Bartgeier-Auswilderung des LBV im Nationalpark Berchtesgaden in die Natur entlassen werden. „Wir würden uns freuen, wenn einer der drei jungen Bartgeier aus dem Nürnberger Tiergarten und damit ein fränkischer Bartgeier zukünftig in den bayerischen Alpen fliegt“, so Nationalparkdirektor Dr. Roland Baier. Beim Ziel der Wiederherstellung einer europäischen Bartgeierpopulation in ihrem früheren Verbreitungsgebiet wären die Artenschützer*innen von LBV, Nationalpark und Tiergarten damit wieder einen wichtigen Schritt vorangekommen. Die Auswilderung von Bartgeiern ist eines der erfolgreichsten Wiederansiedelungsprojekte überhaupt, was bereits zu einer stabilen Population der Geier in den westlichen Alpen geführt hat. Nun soll durch das bayerische Projekt die Erfolgsgeschichte auch im östlichen Alpenraum fortgeschrieben werden.
In anderen europäischen Zuchtzentren sind indes die Bartgeier-Brutpaare schon weiter. In Österreich und Spanien, woher ebenfalls zukünftige deutsche Bartgeier für das Auswilderungsprojekt von LBV und Nationalpark stammen können, wurden Anfang des Monats bereits die ersten Eier gelegt. „Wir sind schon gespannt, aus welchen Ländern am Ende unsere drei Jungvögel für 2021 stammen werden, die wir dann im Nationalpark Berchtesgaden auswildern können“, sagt der LBV-Experte Toni Wegscheider.
Immer wieder Einflüge im Allgäu
Im Südwesten Bayerns herrscht währenddessen reger Bartgeier-Flugverkehr. Im Allgäu wurden in den letzten Tagen gleich mehrere Sichtungen von mindestens drei verschiedenen Bartgeiern gemeldet. „Das Brutpaar im angrenzenden österreichischen Lechtal scheint Anziehungskraft auf herumziehende Bartgeier zu entwickeln, genau wie wir es uns seit Jahren erhofft hatten“, so Toni Wegscheider.

16.12.2020, NABU
NABU: Top Ten Kandidaten zum Vogel des Jahres 2021 stehen fest
Stadttaube, Rotkehlchen, Goldregenpfeifer und sieben weitere Arten kämpfen ab 18. Januar um den Titel
Die Vorwahlphase der vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) und dem Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) organisierten ersten öffentlichen Wahl zum „Vogel des Jahres“ ist beendet. Fast 130.000 Personen wählten in den vergangenen Wochen bis zum 15. Dezember aus 307 heimischen Brutvogelarten und den wichtigsten Gastvogelarten ihre Favoriten aus. Die Stadttaube hat es auf den ersten Platz in der Vorwahl geschafft, danach folgen Rotkehlchen, Amsel, Feldlerche, Goldregenpfeifer, Blaumeise, Eisvogel, Haussperling, Kiebitz und Rauchschwalbe. Der Rotmilan auf Rang 11 verpasste den Einzug in die Endrunde nur sehr knapp um genau 100 Stimmen. Die Top Ten werden nun ab dem 18. Januar 2021 um den Titel kämpfen. Alle Menschen in Deutschland sind bis zum 19. März 2021 aufgerufen, unter www.vogeldesjahres.de ihren „Vogel des Jahres 2021“ zu wählen.
NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller kommentiert: „Wir freuen uns sehr über das große Interesse an der ersten öffentlichen Wahl zum Vogel des Jahres. Mehr als 2500 Wahlkampfteams haben sich deutschlandweit zusammen geschlossen, um für ihren jeweiligen Kandidaten die Werbetrommel zu rühren. Es war ein packendes Rennen mit einer würdigen Endauswahl von zehn sehr unterschiedlichen Vogelarten. Wir sind sehr gespannt, wer von ihnen kurz vor Frühlingsanfang auf das Siegerpodest fliegt.“
Mit Stadttaube, Rotkehlchen, Amsel, Blaumeise und Haussperling haben sich fünf allbekannte und häufige Vogelarten für die Stichwahl qualifiziert. Unter den nominierten Top Ten befinden sich insgesamt fünf ungefährdete Vogelarten, vier gefährdete Arten und eine Art, die in der Vorwarnkategorie der Roten Liste gefährdeter Arten steht. Besorgniserregend ist vor allem die Situation von Kiebitz und Feldlerche, die wie viele andere Vogelarten der Agrarlandschaft unter der Intensivierung der Landwirtschaft mit Monokulturen, hohem Pestizideinsatz und kaum Restflächen für die Natur leiden. In Deutschland ist bei den Feldvögeln seit 1980 eine Bestandsabnahme von 34 Prozent zu verzeichnen. Die Rauchschwalbe auf Platz zehn repräsentiert die Gruppe der Zugvögel, welche südlich der Sahara in Afrika überwintern. Viele Arten mit dieser Überwinterungsstrategie gehen derzeit besonders stark zurück.
Die bisherigen Titelträger aus 50 Jahren „Vogel des Jahres“ finden sich in allen Teilen der Ergebnistabelle. Sieben der nun gewählten Finalisten trugen den Titel schon einmal. Nur Stadttaube, Amsel und Blaumeise sind Neulinge. Abgeschlagen auf Rang 292 landete dagegen mit nur acht Nominierungen der Teichrohrsänger, Vogel des Jahres 1989.
Der „Vogel des Jahres“ wurde in Deutschland erstmals im Jahr 1971 und bislang immer von Vertretern der Verbände NABU und LBV gekürt. Zum 50. Jubiläum der Aktion dürfen nun alle Menschen in Deutschland die Wahl selbst in die Hand nehmen.
Zur Top Ten-Liste des „Vogel des Jahres 2021“

16.12.2020, Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)
Forscher warnen: Ausbaupläne an der Oder gefährden seltene Lebensräume und Arten sowie die Landwirtschaft
Die Oder ist einer der letzten großen, naturnahen Flüsse Europas. Doch die Regierung der Republik Polen plant den Ausbau der Oder – und auch Deutschland hat sich eigentlich dazu verpflichtet. Schon jetzt ist klar, dass die Maßnahmen wertvolle Lebensräume vieler seltener und vom Aussterben bedrohter Tier- und Pflanzenarten auf beiden Flussseiten unwiederbringlich zerstören werden. Die Planungen verstoßen gegen geltendes EU-Recht und gefährden neben der Umwelt auch die Landwirtschaft beidseitig der Oder. Zu diesem Urteil kommen Forscher des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), Deutschlands größtem Forschungszentrum für Binnengewässer, im neuen IGB Policy Brief.
Auf rund 500 Kilometern (von nahe Wrocław bis Świnoujście) fließt die Oder ohne Barrieren bis ins Meer, umgeben von einer vielerorts intakten und artenreichen Überflutungsaue. Von der Neißemündung bei Ratzdorf bis zum Abzweig der Westoder nördlich von Schwedt liegt die Staatsgrenze in der Strommitte. Die Oder ist damit der letzte große Fluss in Deutschland, den Fische und andere Tiere noch barrierefrei durchwandern können. Diese Naturnähe besteht, weil die Oder seit mehr als 100 Jahren nur noch geringe Bedeutung für die Schifffahrt hat und daher vergleichsweise wenig in Ausbau und Unterhaltung investiert wurde. Bis heute sind der Fluss und seine angrenzenden Auen wichtige Lebensräume und Rückzugsgebiete für viele seltene und vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten, zahlreiche Areale sind als Schutzgebiete ausgewiesen (z.B. Natura 2000, Nationalpark, regionale Schutzgebiete). Doch die Regierung der Republik Polen plant einen Ausbau der Oder, vornehmlich finanziert aus Weltbank- und EU-Fördermitteln sowie der Entwicklungsbank des Europarates – und auch Deutschland hat sich in einem beidseitigen Abkommen eigentlich zum Ausbau verpflichtet. Während bereits Details zu den polnischen Plänen vorliegen, sind konkrete Umsetzungsplanungen und Zeitschienen auf deutscher Seite nicht öffentlich bekannt.
Verstoß gegen EU-Recht: Geplante Maßnahmen zerstören Lebensräume zahlreicher geschützter Arten:
„Schon jetzt ist klar, dass die Ausbauziele nicht erreichbar sind, die Maßnahmen aber wertvolle Lebensräume auf beiden Seiten des Flusses unwiederbringlich zerstören werden. Die polnischen Pläne ignorieren den über Jahrzehnte aufgebauten gewässerökologischen und hydrologischen Wissensstand zum Oder-Einzugsgebiet“, kritisiert IGB-Forscher Dr. Christian Wolter, Co-Autor des
IGB Policy Briefs. Nach Einschätzung der IGB-Experten verstoßen die Pläne in mehrfacher Hinsicht gegen die europäische Umweltgesetzgebung, insbesondere gegen die EG-Wasserrahmenrichtlinie, die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und die EG-Vogelschutzrichtlinie. „Diese Verstöße sind auch bei den Maßnahmen auf deutscher Seite zu erwarten“, schätzt Christian Wolter die Lage ein. Lebensräume und Bestände von streng geschützten Arten wie Baltischem Stör, Atlantischem Lachs, Ostsee-Schnäpel und Goldsteinbeißer sind durch die Maßnahmen akut bedroht, ebenso zahlreiche seltene Großmuschel- und Insektenarten. Gleichzeitig wird auch die Zukunft der Landwirtschaft auf deutscher und polnischer Seite stark gefährdet, da die geplanten Baumaßnahmen den Grundwasserspiegel weiter absenken werden.
Politisches Handeln notwendig: Vorgebrachte Argumente für den Ausbau nicht belastbar; geplante Maßnahmen steigern Hochwasser- und Dürregefahr:
„Die vorgebrachten Argumente für den Ausbau, die Maßnahmen dienten dem Eisaufbruch, dem Hochwasserschutz und der wirtschaftlichen Entwicklung der Binnenschifffahrt, sind inhaltlich alle nicht belastbar. Kosten und Nutzen stehen in keinem Verhältnis, die Umweltschäden werden irreversibel sein. Ein überwiegendes öffentliches Interesse, das rechtliche Grundbedingung für eine Ausnahmeregelung zum Ausbau wäre, lässt sich nicht glaubhaft darstellen“, urteilt IGB-Forscher Dr. Jörn Geßner, ebenfalls Co-Autor des IGB Policy Briefs.
Nach Meinung der Forscher haben die geplanten Maßnahmen sogar einen gegenteiligen Effekt:
Die geplante Konzentration des Hauptabflusses in einem engeren Flussbett erhöht das Risiko von Hochwasserschäden durch schnellere und steilere Hochwasserwellen sowie von Dürreperioden durch verstärkte Sohlerosion und sinkende Grundwasserspiegel in beiden Ländern. In der Gesamtbewertung empfehlen die Wissenschaftler stattdessen eine Bewahrung und Ausweitung von Auen-Retentionsflächen an der Oder, um Naturschutz und nachhaltige Nutzung von Fluss und Aue in Einklang zu bringen. Abschließend sprechen die IGB-Forscher die dringende Empfehlung an die Europäische Kommission, die Bundesregierung und die Brandenburger Landesregierung aus, diplomatische und juristische Schritte gegen das polnische Ausbauvorhaben einzuleiten, die eigenen deutschen Ausbaupläne zu stoppen und auf allen politischen Ebenen für den Erhalt der Oder als ökologisches Vorranggebiet einzutreten.
Originalpublikation:
https://bit.ly/IGBPolicyBrief_Oder-Ausbau

17.12.2020, Naturhistorisches Museum Wien
Zahlreiche Flohkrebse in den Korallenriffen südöstlich von Island entdeckt
Das Naturhistorische Museum Wien und das Centrum für Naturkunde (CeNak) der Universität Hamburg untersuchen gemeinsam Kaltwasserriffe südlich von Island und fanden unzählige kaum erforschte Flohkrebse, Amphipoda. Die Ergebnisse der Forschung, welche Arten hier vorkommen und wie klimatische Veränderungen auf die Organismen sich auswirken, wurden jüngst veröffentlicht.
Bunte Korallengärten erstrecken sich in tausend Meter Wassertiefe südöstlich von Island. Während Korallen in tropischen Gewässern bei der Nahrungszufuhr von Algen abhängig sind, können sich die Korallen in den kalten, nährstoffreichen Gewässern der Tiefsee allein von Plankton ernähren. Auf dem Reykjanes Ridge, der Verlängerung des Mittelatlantischen Rückens, befinden sich ausgedehnte Korallenriffe.
Kaltwasserriffe gehören zu stark gefährdeten Ökosystemen. Sie sind Heimat unzähliger wirbelloser Tiere, die in ihren Verzweigungen Schutz und Nahrung finden. Unter anderem leben in den Riffen kaum erforschte Amphipoda, Flohkrebse.
Mit modernsten Methoden wurden diese Flohkrebse nun untersucht. Per ROV (Remote Operated Vehicle), einem Kameratauchroboter, wurden Weichkorallen in der Tiefsee gefilmt, fotografiert und selektiv beprobt. Bei einer Beprobung wird beispielsweise ein „Zweig“ einer Koralle abgeschnitten und an das Deck des Forschungsschiffes „Sonne“ geholt. Diese Methode ist besonders schonend: Beifang wird vermieden, das Leben der Koralle wird nicht gefährdet und es werden keine Schäden auf dem Tiefseeboden angerichtet. Außerdem lässt sich so detailliert das Zusammenleben von Korallen und wirbellosen Tieren untersuchen. Auf einem Ast einer Weichkoralle tummeln sich hunderte von Flohkrebsen.
Vertreter der Amphipodenfamilie Pleustidae, einer Flohkrebsart, konnten bei dieser gezielten Beprobung genau ihrem jeweiligen Korallenwirt zugeordnet werden. So können erstmals populationsgenetische Untersuchungen vorgenommen werden, welche für Tiefseeorganismen sehr selten sind.
Die Analysen des Erbguts kurzer DNA-Abschnitte (so genannter genomischer Marker) zeigten:
• einerseits das Vorhandensein kryptischer Arten. Kryptische Arten sehen morphologisch (äußerlich) gleich aus, unterscheiden sich aber genetisch.
• und andererseits auch eine sehr hohe morphologische Variabilität innerhalb einzelner Art. So waren mehrere vermeintliche Arten genetisch nicht unterscheidbar.
Erstaunlich war, dass zwei der untersuchten Flohkrebsarten auf allen untersuchten Korallenarten gefunden wurden. Sie waren somit nicht wirtspezifisch. Bei diesen Arten zeigten sich auch nur geringe genetische Unterschiede zwischen Populationen, die rund 130 km auseinander lagen. Die Ergebnisse deuten auf regelmäßigen Austausch zwischen diesen Populationen hin. Die Untersuchungen weisen darauf hin, dass sich diese Arten in der Expansionsphase befinden. Dies könnte auf die sich stark verändernden Lebensbedingungen um Island seit der letzten Eiszeit zurückzuführen sein.
„Wir waren sehr überrascht, dass zwei der Arten ein so breites Wirtsspektrum aufweisen. Wir hatten erwartet, dass sich die einzelnen Flohkrebse auf eine oder wenige Korallenarten spezialisiert hätten, auch um gegenseitige Konkurrenz zu vermeiden. Übrigens sind beide Arten der Wissenschaft noch unbekannt und befinden sich momentan in der Beschreibung“, beschreibt Dr. Anne-Nina Lörz von dem Centrum für Naturkunde der Universität Hamburg die Untersuchungen.
Dr. Martin Schwentner, Kurator der Sammlung Krebstiere des Naturhistorischen Museums Wien, vermutet, dass sich die klimatischen Veränderungen seit der letzten Eiszeit auch auf diese korallen-bewohnenden Krebse ausgewirkt haben. „Wie sich die aktuellen Klimaveränderungen auf diese Krebse und die Tiefseekorallen auswirken werden, ist noch nicht abzusehen und muss weiter erforscht werden“, betont der Forscher.
Originalpublikation:
Martin Schwentner & Anne-Nina Lörz, Population genetics of cold-water coral associated Pleustidae (Crustacea, Amphipoda) reveals cryptic diversity and recent expansion off Iceland, in Marine Ecology
https://doi.org/10.1111/maec.12625

17.12.2020, Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung
Walgesänge verraten Verhaltensmuster von Zwerg- und Buckelwalen im Weddellmeer
AWI-Unterwasseraufnahmen belegen: Zwergwale suchen das Meereis, Buckelwale meiden es
Unser Wissen über das Leben der Bartenwale im Südlichen Ozean beschränkt sich bislang vor allem auf Untersuchungen, die im antarktischen Sommer durchgeführt wurden. Der Grund: Im Winter sind kaum Biologen vor Ort, die nach Tieren Ausschau halten könnten. Forschenden des Alfred-Wegener-Institutes, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) ist es nun gelungen, mithilfe fest installierter Unterwassermikrofone über neun Jahre hinweg Wal-Beobachtungsdaten aus dem Weddellmeer zu sammeln und diese auszuwerten. Die Tonaufnahmen erlauben einmalige Einblicke in das Leben von Buckelwalen und Antarktischen Zwergwalen. Sie zeigen zum Beispiel, dass es vermutlich zwei Buckelwal-Populationen im Weddellmeer gibt. Beide meiden das Meereis und rufen oder singen am häufigsten im Herbst. Antarktische Zwergwale dagegen leben vor allem in eisbedeckten Regionen und erzeugen hauptsächlich im Winter ihre charakteristischen Quack-Töne. Das berichten die Wissenschaftler in zwei Studien, die vor Kurzem im Open Science Journal der Royal Society erschienen sind. Die neuen Erkenntnisse sollen nun dazu beitragen, Maßnahmen zum Schutz der Bartenwale und ihrer Hauptnahrung, dem Antarktischen Krill, zu verbessern.
Antarktische Zwergwale (Balaenoptera bonaerensis) sind für Meeresbiologen noch immer ein Mysterium. Forschende wissen weder, wie viele dieser Tiere es gibt, noch wo genau sie leben, sich paaren oder aber ihre Kälber auf die Welt bringen. Vor wenigen Jahren stellte sich jedoch heraus, dass Antarktische Zwergwale ganz charakteristische Laute von sich geben. Diese Rufe klingen zum Teil so als würde eine Ente quaken und sind in Tonaufnahmen der eindeutige Beweis für die Anwesenheit der bis zu elf Meter langen Zwergwale.
AWI-Biologe Diego Filun und sein Team nutzten diese Töne deshalb für die weltweit erste flächendeckende Langzeitbeobachtung Antarktischer Zwergwale im Weddellmeer. „Wir hatten unsere Unterwassermikrofone neun Jahre lang im Einsatz; an 21 Positionen verteilt über das Weddellmeer und entlang des Null-Meridians, sodass wir auch in jenen Regionen akustische Aktivitäten der Wale aufzeichnen konnten, in die nur selten ein Forschungsschiff gelangt. Anhand der Aufnahmen verstehen wir jetzt zum ersten Mal, wann im Jahr sich die Zwergwale wo im Weddellmeer bevorzugt aufhalten und dass zumindest ein Teil von ihnen auch den Winter dort verbringt und nicht in wärmere Gebiete abwandert“, sagt Diego Filun.
Die Aufnahmen aus den Jahren 2008 bis 2016 belegen, dass Antarktische Zwergwale sowohl den Sommer als auch den Winter vornehmlich in den von Meereis bedeckten Regionen des Weddellmeeres verbringen. Die Häufigkeit ihrer Rufe allerdings scheint sich mit der Jahreszeit zu verändern, denn die Laute sind in den Herbst- und Wintermonaten April bis Oktober viel häufiger zu hören als in den Sommermonaten Dezember bis März. Zudem stellen die akustischen Beobachtungen bisheriges Wissen infrage: „Auf sommerlichen Forschungsflügen über dem Weddellmeer waren Zwergwale vor allem an der Meereiskante gesichtet worden und weniger in Gebieten mit dichtem Meereis. Unsere Tonaufnahmen zeigen jedoch genau das Gegenteil: Die Zwergwale hielten sich nur selten in der Eisrandzone auf und viel häufiger unter dichtem Eis – vermutlich, um ihren ärgsten Feinden, den Schwertwalen, aus dem Weg zu gehen“, erklärt Diego Filun.
Buckelwale meiden das Meereis
Die Buckelwale (Megaptera novaeangliae) des Weddellmeeres dagegen suchen nicht den Schutz des Eises. Im Gegenteil! Wie die zweite Hydroakustik-Studie unter der Leitung der AWI-Biologin Elena Schall ergab, meiden die Bartenwale die eisbedeckten Regionen. Sie gehen stattdessen nördlich der Eiskante auf die Jagd nach Antarktischem Krill, der im Weddellmeer sowie nördlich davon in besonders großen Schwärmen auftritt.
„Unsere Tonaufnahmen aus dem Jahr 2013 lassen darauf schließen, dass mindestens zwei Buckelwal-Populationen im Sommer in das Weddellmeer kommen, um sich hier Fettreserven anzufressen. Wale aus Südafrika gehen vermutlich am östlichen Rand, auf Höhe des Null-Meridians, auf die Futtersuche. Buckelwale aus Südamerika dagegen halten sich eher in den nördlichen Küstengewässern der Antarktischen Halbinsel auf und sind auf das Jahr gerechnet auch etwas länger zu hören als ihre Artgenossen im Osten“, erklärt Erstautorin Elena Schall.
In beiden Gruppen gibt es Tiere, die zum Ende des Sommers nicht die lange Wanderung Richtung Norden antreten, sondern in den eisfreien Regionen des Weddellmeeres überwintern. Gleichzeitig deuten die Aufnahmen darauf hin, dass die Buckelwale im Sommer mit dem weichenden Meereis Richtung Süden vorstoßen, dabei aber nur so weit wandern, wie unbedingt notwendig ist, um ausreichend Nahrung zu finden.
Wissensbasis für erfolgreichen Meeresschutz in der Antarktis
„Wenn wir die einzigartigen Lebensgemeinschaften des Weddellmeeres langfristig schützen wollen, müssen wir möglichst genau wissen, wie viele Bartenwale zur Nahrungssuche in den atlantischen Sektor des Südpolarmeeres kommen; in welchen Regionen sie auf die Jagd gehen, ob sie dort überwintern und wie viel Krill vorhanden sein muss, damit alle ausreichend Futter finden. Akustische Langzeit-Beobachtungen sind dabei ein ganz entscheidendes Instrument, weil sie uns ein viel genaueres Bild vom Leben unter Wasser vermitteln als die wenigen wissenschaftlichen Wal-Sichtungen allein“, sagt Dr. Ilse van Opzeeland, AWI-Biologin und Ko-Autorin beider Studien.
Das Forscherteam hofft nun, dass die Ergebnisse der neuen Studien bei künftigen Diskussionen über die Ausrufung eines Meeresschutzgebietes im Weddellmeer berücksichtigt werden; insbesondere, wenn es darum geht, die Krillfischerei soweit zu begrenzen, dass genügend Nahrung für alle Meereslebewesen übrigbleibt.
Die Wissenschaftler werden bis dahin weiter ihre vielen Unterwasseraufnahmen auswerten. Dabei geht es zum einen um die Frage, zu welchem Zweck Antarktische Zwergwale ihre merkwürdigen Entenlaute erzeugen. Zum anderen gibt es erst Hinweise darauf, dass sich mithilfe der aufgenommenen Buckelwalgesänge und -rufe herausfinden lässt, warum die Tiere in manchen Sommern das Weddellmeer viel früher oder später verlassen als normal oder aber unter welchen Umständen sie zum Ende des Winters gar nicht erst in das Weddellmeer zurückkehren. Diese Verhaltensmuster zu verstehen, würde die AWI-Meeresbiologen einen weiteren großen Schritt voranbringen.
Die beiden erwähnten Studien sind unter folgenden Titeln im Online-Journal Royal Society Open Science erschienen:
Schall E., Thomisch K., Boebel O., Gerlach G., Spiesecke S., Van Opzeeland I., 2020: Large-scale spatial variabilities in the humpback whale acoustic presence in the Atlantic sector of the Southern Ocean. Royal Society Open Science. 7: 201347. https://doi.org/10.1098/rsos.201347
Filun D., Thomisch K., Boebel O., Brey T., Širović A., Spiesecke S., Van Opzeeland I., 2020: Frozen verses: Antarctic minke whales (Balaenoptera bonaerensis) call predominantly during austral winter. Royal Society Open Science 7: 192112. http://dx.doi.org/10.1098/rsos.192112

17.12.2020, Universität Hamburg
Rätselhaftes Phänomen: Zwei Termitenarten sind Ursache für Feenkreise
Inmitten der Graslandschaften am Rande der Namib-Wüste im südlichen Afrika sind in sehr großer Zahl kreisrunde Kahlstellen zu finden, die in regelmäßigen Mustern angeordnet sind. Ein Forschungsteam des Fachbereichs Biologie der Universität Hamburg hat nun weitere Hinweise gefunden, welche eine Entstehung durch Termiten belegen.
Sie sind ein Phänomen: zahlreiche kreisförmige kahle Stellen inmitten der afrikanischen Graslandschaft, die von einem Ring kräftig wachsenden Grases umgeben sind. Diese als Feenkreise bezeichneten Kahlstellen kommen vor allem am Rand der Namib-Wüste im südlichen Afrika vor, das Verbreitungsgebiet erstreckt sich dabei von Angola über Namibia bis nach Südafrika.
Die Wissenschaft ist sich uneins
Über die Entstehung dieser Feenkreise sind sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bis heute uneins: Einige Arbeitsgruppen meinen, anhand theoretischer Modelle nachweisen zu können, dass sich die Pflanzen gegenseitig das Wasser rauben und dadurch die riesigen Kahlstellen in einem regelmäßigen Raummuster entstehen.
Ein Team aus den Fachbereichen Biologie und Erdsystemwissenschaften der Universität Hamburg sowie zwei südafrikanischen Universitäten verfolgt dagegen seit vielen Jahren die Hypothese, dass die Kahlstellen in der Namib-Wüste durch Fraß von Insekten geschaffen werden. Bereits im Jahr 2013 wurden Ergebnisse in der Fachzeitschrift „Science“ veröffentlicht, die zeigten, dass die Feenkreise von bodenlebenden Sandtermiten der Gattung Psammotermes hervorgerufen werden, die die kahlen Stellen produzieren, um in ihnen das wenige Wasser zu konservieren. „Nun kann unser Team weitere Forschungsergebnisse vorlegen, welche diesen Befund stützen und uns noch genauere Analysen der Entstehung der Kreise liefern“, sagt Prof. Dr. Norbert Jürgens vom Fachbereich Biologie.
Eine neue Art
„Zu unserer Überraschung haben wir festgestellt, dass die Feenkreise der Namib-Wüste von zwei ganz verschiedenen Termitenarten verursacht werden, und dass die Verbreitungsgebiete dieser beiden Arten klar getrennt sind“, erklärt Jürgens. Die Grenze liegt bei 16,23° Süd im südwestlichen Angola: Die Feenkreise südlich dieser Grenze werden von Sandtermiten erzeugt, die nördlichen von Erntetermiten. Bei der Untersuchung der Feenkreise hat das internationale Forschungsteam eine weitere Entdeckung gemacht: Die gefundene Erntetermite ist eine Art, die bisher noch nicht beschrieben wurde. Molekulargenetische Untersuchungen der Insekten zeigen aber, dass diese mit der Termiten-Gattung Microhodotermes eng verwandt sind.
Damit steht für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fest, dass es sich bei den Feenkreisen nicht um ein einziges Phänomen, sondern um mehrere parallele Entwicklungen handelt. Dazu passt, dass sich die kahlen Kreise stark unterscheiden. So sind die nördlichen Kreise mit einem mittleren Durchmesser von bis zu 24 Metern etwa zwei bis neunmal größer als die südlichen Kreise. Hinzu kommt, dass nur die nördlichen Kreise Salze im Boden anreichern und in der Mitte eine Bodenerhebung haben, in der das Nest der Termiten liegt.
Benennung der Feenkreise nach den verursachenden Insekten
„Wir schlagen vor, die Terminologie der Feenkreise zu verfeinern und den Namen des Insekts als Teil des Namens zu verwenden“, so Jürgens. „Die südlicher gelegenen ‚Psammotermes-Feenkreise‘ sollten von den nördlicheren ‚Hodotermitidae-Feenkreisen‘ unterschieden werden.“ Das Forschungsteam interpretiert die Entstehung der Feenkreise durch unterschiedliche Termitenarten auch als interessantes Beispiel für eine konvergente Evolution, bei der sich analoge Merkmale bei nicht näher verwandten Arten entwickeln. In dem Fall der Feenkreise führt dies zu ähnlichen ökologischen Strukturen.
Originalpublikation:
Norbert Jürgens, Felicitas Gunter, Jens Oldeland, Alexander Groengroeft, Joh R. Henschel, Imke Oncken, Mike D. Picker (2020): Largest on earth: Discovery of a new type of fairy circle in Angola supports a termite origin. Ecological Entomology (2020). https://doi.org/10.1111/een.12996

17.12.2020, Staatliche Naturwissenschaftliche Sammlungen Bayerns
Evolution der Hirsche: Regelmäßiger Geweihzyklus ist älter als bisher gedacht
Eine neue Studie gibt Einblick in die frühe Evolution des Geweihzyklus bei Hirschen (Cervidae). Aufbau und Struktur der Geweihgewebe der ältesten bekannten fossilen Hirsche (ca. 12 bis 18 Millionen Jahre alt) waren denen heute lebender Hirsche verblüffend ähnlich. Offenbar mussten Hirsche schon von Anfang an mit dem periodischen Geweihabwurf leben – obwohl die regelmäßige Neubildung die Tiere viel Energie kostet. Experten für Paläohistologie und Wiederkäuer um SNSB-Paläontologin Gertrud Rößner haben die Ergebnisse ihrer Studie nun in der naturwissenschaftlichen Fachzeitschrift The Science of Nature veröffentlicht.
Männliche Hirsche (Cervidae) besitzen ein erstaunliches Regenerationsvermögen: Regelmäßig, in den gemäßigten Breiten sogar jedes Jahr, werfen sie ihr vollständiges Geweih ab und bilden während der darauffolgenden Monate ein komplett neues Geweih. Gesteuert wird dieser Geweihzyklus durch Hormone, die wiederum unter dem Einfluss der täglichen Menge der Lichteinstrahlung stehen, d.h. auch abhängig vom geographischen Breitengrad der Lebensräume sind. Ein Geweih besteht im Wesentlichen aus Knochengewebe und wächst aus den sogenannten „Rosenstöcken“ auf der Stirn der Hirsche. Der regelmäßige Abwurf und vor allem die anschließende Neubildung von den, in vielen Arten, jährlich größer wachsenden Geweihen ist für Hirsche ein energetisch enorm aufwändiger Prozess, der nach biologischen Prinzipien nicht wirklich zu erklären war. Daher vermuteten Wissenschaftler bisher einen selektiven Vorteil darin, wenn Hirsche zeitweise Geweih-frei sind bevor unter hohem Energieaufwand das nächste Geweih für die Brunft regeneriert werden muss. Die Ergebnisse der neuen Studie deuten jedoch darauf hin, dass die Hirsche von Anfang an mit dem periodischen Geweihabwurf leben mussten und ihre Evolutionsgeschichte ständig dem Dilemma von einerseits physiologischen Kosten und andererseits Fortpflanzungserfolg unterworfen war.
Ein deutsch-schweizerisches Paläontologen-Team um PD Dr. Gertrud Rößner, Kuratorin für fossile Säugetiere an der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie (SNSB-BSPG), hat in einer umfassenden Vergleichsstudie die frühe Evolutionsgeschichte des Geweihzyklus bei Hirschen erforscht. Das Ergebnis ihrer Untersuchungen hat die Paläontologen überrascht: Prozesse und Mechanismen von Abwurf und Neubildung im Geweihzyklus verliefen offenbar schon bei den frühesten Hirscharten vor 18 Millionen Jahren genauso wie bei heutigen Arten.
„Unsere Vergleiche geben einen detaillierten Einblick in die frühe Evolution der Geweihbildung. Aufbau und Struktur der fossilen Geweihgewebe waren denen heute lebender Hirsche verblüffend ähnlich. Bisher sind wir davon ausgegangen, dass sich der Geweihzyklus, wie wir ihn von heutigen Hirschen kennen, in einem allmählichen Evolutionsprozess ausgehend von ursprünglich nicht abwerfbaren Geweihen und mit Übergangsstadien von ausnahmsweisen bis gelegentlichen Abwürfen entwickelt hat. Unsere Ergebnisse zeigen nun aber das Bild, eines Mechanismus, der seit Evolutionsursprung der Hirsche grundlegend ist,“ erklärt Gertrud Rößner von der BSPG.
Um die Entstehung dieses Kreislaufs besser zu verstehen, analysierten die Wissenschaftler*innen die Geweihe von 34 fossilen Hirschen aus dem frühen und mittleren Miozän von Europa (ca. 12 bis 18 Millionen Jahre alt), wovon viele aus Bayern stammen und an der BSPG in München aufbewahrt und wissenschaftlich untersucht werden. Unter den Fossilien befanden sich auch die bisher ältesten bekannten Geweihe aus dem frühen Miozän von Procervulus praelucidus (Bayern, Deutschland), Ligeromeryx praestans (Loir-et-Cher, Frankreich) und Acteocemas infans (Loiret, Frankreich). Die Forscher untersuchten hierfür viele Details des Knochengewebes wie z.B. Wachstumsmuster, Umbauprozesse und Auflösungserscheinungen mittels Mikro-Computertomographie und Dünnschliffmikroskopie. Anschließend verglichen Gertrud Rößner und ihre Kollegen die gewonnenen Daten mit Geweihgeweben moderner Hirsche.
Originalpublikation:
Gertrud E. Rössner, Loïc Costeur, Torsten M. Scheyer (2020) Antiquity and fundamental process-es of the antler cycle in Cervidae (Mammalia). The Science of Nature 108, 3 (2021). https://doi.org/10.1007/s00114-020-01713-x

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