Immanuel Birmelin: Die geheimnisvolle Nähe von Mensch und Tier (Rezension)

Wie nah sind sich Mensch und Tier? Worin besteht die Nähe? Dieses Geheimnis gilt es zu lüften. In seinem Buch Die geheimnisvolle Nähe von Mensch und Tier entschlüsselt Immanuel Birmelin das Menschliche im Tier und das Tierische im Menschen. Er zeigt, wie unheimlich ähnlich sich Mensch und Tier doch sind. Wer könnte das schließlich besser als einer, der bei allen bahnbrechenden Forschungen, die zur Neuausrichtung des Tierbildes führten, live dabei war. Seine spannend erzählten Erlebnisse berühren, geben den Tieren eine Stimme, helfen die Kluft zwischen Mensch und Tier zu überwinden. Emotionen und Gefühle haben dabei einen hohen Stellenwert, denn sie sind ein wesentlicher Baustein des Seins und der Persönlichkeit. Wer Tiere verstehen will, muss daher einen Zugang zu ihren Gefühlen finden. Coole Kreatur? Seelenloser Reflex-Roboter? Das liebe Vieh rein instinktgesteuert? All das entlarvt Immanuel Birmelin dank neurobiologischer Erkenntnisse und neuester Forschungsergebnisse.
Das Positive an diesem Buch: Es enthält viel Wissenswertes aus der Welt der Tiere und stellt Vergleiche zum Menschen an (und auch wenn ich weiß, dass der Mensch auch nur ein Tier ist und die Abgrenzung an sich nicht korrekt ist, werde ich auch weiter von Menschen und Tieren sprechen). Geballtes Wissen gut erklärt.
So erfährt der Leser etwas über das Schlafverhalten von Tieren, ob sie Lügen können, die Fähigkeit zur Selbsterkenntnis besitzen oder wie weit sie fähig sind eine „Fremdsprache“ (in diesem Fall die menschliche) erlernen zu können.
Aber trotz dieses geballten Wissens, dass durch die eine oder andere Abbildung veranschaulicht oder durch Bilder aufgelockert wird, hat mir das Buch nicht gefallen.
Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich viele der Forschungserkenntnisse bereits an anderer Stelle gelesen habe (und manche nicht ganz so neu sind, wie es den Anscheine Erwecken mag, denn der berühmte sprachbegabte Graupapagei Alex verstarb bereits 2007 und auch die Erkenntnisse einiger Feldforscher wie etwa Jane Goodall sind schon einige Jahrzehnte alt). Für denjenigen, der sich nicht so intensiv mit der Welt der Tiere befasst mag vieles aber tatsächlich neu sein. Vielleicht bin ich aber auch nicht wirklich die Zielgruppe und das buch richtet sich an ein weniger spezialisiertes (aber nicht weniger interessiertes) Publikum.
Punkt zwei: Anfangs war ich überrascht, wie dick das Buch war, dann hat mich überrascht, dass die Kapitel doch sehr kurz (aber zahlreich) sind und viele interessante Erkenntnisse nur am Rande streifen. Zudem fehlen mir oft die Verbindungen zwischen Mensch und Tier, obwohl das ja angeblich der Zweck dieses Buchs war. Hin und wieder findet man sie, aber man muss sich meistens die Verbindungen selber suchen. Die besonderen Fähigkeiten der Tiere stehen im Vordergrund (und ich möchte sie in keiner Weise schmälern, aber ein Buch in dem es auch um Menschen gehen sollte, sollte dieser auch eine etwas größere Rolle haben).

Und eine Kleinigkeit hat mich extrem gestört: Die Konferenz der Tiere. Besonders herausragende Tierpersönlichkeiten (u. a. Graupapagei Alex, aber auch andere …) lauschen den Vorträgen des Autors mehr oder weniger begeistert. Im einleitenden Kapitel spielen sie noch eine große Rolle, danach dienen sie nur noch dem Abschluss der einzelnen Kapiteln, aber … der Sinn des Ganzen will sich mir nicht erschließen und besonders informativ finde ich das Geplänkel auch nicht. Es mag der Auflockerung dienen, aber ich finde es störend. Mehrwert keiner.

Wie bereits erwähnt: Mich hat das Buch enttäuscht, meine Kenntnisse über die besonderen Fähigkeiten der Tiere nicht weiter vertieft, eine geheimnisvolle Nähe zu Mensch und Tier habe ich nicht erkennen können.
Aus einer anderen Sicht mag das Buch informativ sein, aber … weniger wäre mehr gewesen.

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(Rezensionsexemplar)

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