Ein Tag im Altmühltal (Archiv)

(Erstveröffentlichung am 12. März 2018)


Ein neues Auto und schönes Wetter waren die Voraussetzungen für einen kleinen Ausflug in die Umgebung.
Natürlich hätte man auch einen kleinen Zooausflug in den Bayerischen Wald machen können, aber es bot sich ebenso an, den Entdeckerpass der Metropolregion Nürnberg  auszunutzen.
Weit sollte man nicht fahren und so bot sich eigentlich eine Fahrt ins Altmühltal an. Bereits 2016 verbrachten wir einen Tag im Altmühltal.
Aber das Altmühltal hat noch einiges mehr zu bieten als die von mir bereits besuchten Orte. Zwar haben nicht alle etwas mit Tieren zu tun, aber wer sich für die Früh- und Vorgeschichte der Gegend interessiert, wird genauso fündig wie Fossilienfreunde.
Einen Überblick über das, was das Altmühltal bietet findet man hier.

Der Naturpark Altmühltal liegt in den Regierungsbezirken Mittelfranken, Oberbayern, Niederbayern, Schwaben und Oberpfalz. Er erstreckt sich zum Großteil im Landkreis Eichstätt, darüber hinaus in den Landkreisen Weißenburg-Gunzenhausen, Donau-Ries, Neumarkt, Regensburg, Roth, Kelheim und Neuburg-Schrobenhausen sowie mit Kleinteilen im Gebiet der kreisfreien Stadt Ingolstadt.
Der Naturpark liegt zwischen Pleinfeld im Norden, Kelheim im Südosten, Ingolstadt im Süden und Donauwörth im Südwesten; diese vier Ortschaften liegen unmittelbar an der Parkgrenze. Zentraler Parkort ist Eichstätt. Etwa in West-Ost-Richtung durch den Naturpark fließt die namensgebende Altmühl, die in ihrem Unterlauf Teil des Main-Donau-Kanals ist und am südöstlichen Parkrand nach Durchfließen der Kelheimer Kernstadt in die unmittelbar südlich des Parks verlaufende Donau mündet.
Der Naturpark ist geprägt von den Mittelgebirgslandschaften der Südlichen Frankenalb. Typische Landschaftsmerkmale sind Trockenrasen, Wacholderheide, Feuchtwiesen, Felsen, Karsthöhlen und Steinbrüche. Etwa die Hälfte der Naturparkfläche ist bewaldet. Die Altmühl fließt durch den Naturpark. Der Bau des 1992 eröffneten Main-Donau-Kanals durch das Altmühltal war politisch umstritten. Es wurde versucht, entlang der geschwungenen Linienführung natürliche Uferzonen zu schaffen und Feuchtbiotope wieder entstehen zu lassen. Das einstige Flussbett der Altmühl wurde zu Altwassern umfunktioniert, so dass die Landschaft um den Kanal heute auf den ersten Blick wie ein Naturidyll wirkt. Trotzdem war der Bau des Kanals ein schwerwiegender ökologischer Eingriff.
Blick aus 15 km Entfernung von einer Anhöhe bei Oettingen zum Windpark Hahnenkamm bei Degersheim
Seit Beginn dieses Jahrhunderts verändern die im Rahmen der Energiewende errichteten Windkraftanlagen zunehmend die Landschaft des Naturparks und von Landschaftsschutzgebieten. Im Gebiet des Naturparks hat der Windpark Hahnenkamm, der bei Degersheim liegt, seit 2011 zwölf Windkraftanlagen. 2001 begann der Bau des Windparks Weißenburg-Oberhochstatt, der seit 2014 aus zehn Rotoren besteht. Im Juni 2016 erfolgte innerhalb des Landschaftsschutzgebiets Schutzzone im Naturpark Altmühltal im Raitenbucher Forst der Spatenstich für „Bayerns größten Wald-Windpark“, der aus „zehn großen Windkraftanlagen“ bestehen soll.

Der Entdeckerpass bietet einige Möglichkeiten diverse Museen im Altmühltal bei freiem Entritt zu besuchen.
Natürlich traf ich eine Vorauswahl, aber die endgültige Reiseroute sah dann anders aus, bedingt durch neu entdeckte Sehesnwürdigkeiten (jenseits des Entdeckerpasses) und Winterruhezeiten.

Und so sah die endgültige Planung aus:
Besucht sollte (bevor es ins Altmühltal ging) der Zoo in Augsburg (ein bisschen Tier muss sein, vor allem wenn man einen Tier/Zoo-Blog hat, Kipfenberg (der geographische Mittelpunkt Bayerns und das Bayuwarenmuseum) und Thalmässing (Vor- und Frühgeschichtsmuseum Fundreich, Hügelgräber und das Geschichtsdorf Landersdorf.
Mit dem Entdeckerpass war nur das Museum Fundreich abgedeckt.
Aber das war bestimmt nicht der letzte Ausflug im Altmühltal… diverse Feiertage und Wochenenden könnten zu einer weiteren Fahrt einladen…

Geografischer Mittelpunkt Bayerns

Geografischer Mittelpunkt Bayerns

Es war kälter als erwartet, aber es blieb trocken. Kurzfristig dachte ich, dass wir vielleicht den Augsburger Zoo als letztes Ziel aufsuchen sollten, aber nachdem bereits kurz nach neun eine kleine Schlange an der Kasse stand (und diese eineinhalbstunden später noch größer war), war der frühe Besuch wohl keine so schlechte Idee.
Nach Augsburg fuhren wir zum Mittelpunkt Bayerns… irgendwo in der Nähe von Kipfenberg.
Den Mittelpunkt von Deutschland hatten wir bereits vor ein paar Jahren gesehen (hier), der geographische Mittelpunkt des Freistaats ist noch weniger spektakulär.
Nicht unweit dieses „Höhepunkts“ befindet sich das Römer und Bajuwaren Museum Burg Kipfenberg. Wir sind erst vorbei gefahren und eine sehr unübersichtliche kurvenreiche Straße nach Kipfenberg gefahren, haben dann festgestellt, dass wir vorbei gefahren sind und fuhren die Straße wieder hinauf. Wenigstens blieb uns Gegenverkehr erspart.

Burg Kipfenberg

Burg Kipfenberg

Die Burg Kipfenberg wurde im 12. Jahrhundert erbaut und war 1277 im Besitz der Ritter Kropf, die sich nach der Burg Kropf von Kipfenberg nannten und vorher Ministeriale der Grafen von Hirschberg, Besitzer von Schloss Hirschberg, waren. Am 11. September 1301 verkaufte Konrad, genannt Struma (Kropf), das „castrum et oppidum Kipfenberg“ mit allen Besitzungen an das Hochstift Eichstätt (Bischof Konrad II. von Pfeffenhausen).
Im Zuge der Säkularisation wurde am 25. Februar 1803 das Fürstbistum Eichstätt aufgelöst und die Kipfenberger Burg ging an den Staat über, der sie an Privatleute verkaufte. Im 18. Jahrhundert begann der Verfall der Burg und 1839 wurde sie größtenteils abgebrochen. 1895 kaufte der Privatier Franz Häusler von München die Burg von dem Postboten Schiedermeier und 1914 ging sie in den Besitz der Familie Taeschner aus Potsdam über.
1914 bis 1925 wurde die Burg nach einem Entwurf des Architekten Bodo Ebhardt um den bis dahin freistehenden Bergfried herum wieder aufgebaut.
Die Burg befindet sich in Privatbesitz und ist nicht zu besichtigen. In der Vorburg ist das Römer und Bajuwaren Museum Burg Kipfenberg untergebracht.
Der Schwerpunkt des Museums liegt auf der Darstellung der Römerzeit in der Provinz Raetia, Aufbau und Fall des Limes, der Völkerwanderungszeit und der Zeit der ersten Bajuwaren in der Region Altmühltal. Das Museum wird vom Verein der Freunde und Förderer des Römer und Bajuwaren Museums Burg Kipfenberg e. V. getragen und ist ein Partnermuseum der Archäologischen Staatssammlung in München.
Anlass für den Aufbau des Museums war die Entdeckung eines aufsehenerregenden germanischen Kriegergrabes mit einer reichhaltigen Beigabenausstattung in Kemathen, einem Ortsteil von Kipfenberg im Jahr 1990. Der Krieger von Kemathen war ein germanischer Söldner im Dienste der römischen Armee, der in der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts lebte. Dieser Fundkomplex und weitere Funde der Region werden zusammen mit rekonstruierten Objekten präsentiert. Programme zur Museumspädagogik, Sonderausstellungen, Museumsfeste und Programme für Erwachsene ergänzen die Ausstellung.
Für die Initiierung und Leitung des Museums erhielten Juliane und Günter Schwartz 2017 die Denkmalschutzmedaille des Freistaats Bayern.
Ein kleines, aber feines Museum. Nur die Sonderausstellung Jura-Buchen-Vielfalt (noch zu sehen bis zum 30. Juni) konnte unser Interesse nicht wecken.
Danach besuchten wir ein weiteres Museum, das Museum Fundreich in Thalmässing.
Aus dem Vor- und frühgeschichtlichen Museum Thalmässing, dem Geschichtsdorf in Landersdorf sowie dem Archäologischen Wanderweg wurde im Jahr 2013 das ganzheitliche Konzept „Fundreich Thalmässing“ entwickelt. Das Museum wurde baulich umfassend saniert, durch Anmietungen vergrößert und die Ausstellung dem neuen Konzept angepasst. Die ausgestellten Funde aus der Stein-, Bronze- und Eisenzeit bis zur Zeit der Völkerwanderung wurden überarbeitet und mit neuen interaktiven Schautafeln erweitert. Neu sind zudem die Mitmach-Ecke für Kinder sowie ein Mehrzweckraum für Vorträge oder Sonderausstellungen.
Der archäologische Wanderweg wurde in die drei Themenwege Vorgeschichtsweg, Mittelalterweg sowie Kelterweg unterteilt. Ersterer besitzt nach einer Zertifizierung durch das „Deutsche Wanderinstitut“ das Siegel „Premiumweg“, welches bislang nur an wenige Wanderweg in Bayern vergeben wurde.
Besucht haben wir nur die Grabhügel im Waizenhofener Espan.

Grabhügel auf dem Waizenhofener Espan

Grabhügel auf dem Waizenhofener Espan

Der Waizenhofener Espan ist ein spornartiger Albausläufer zwischen Waizenhofen und Thalmässing und Teil des Vorgeschichtsweg.
Die Grabhügel bei Gebersdorf, die ich auch gerne aufgesucht hätte, haben wir nicht gefunden, da wir nicht zum Wandern gekommen waren (wir sind mehr die Hop on-Hop off-Touristen) und keine genaue Ortsangabe hatten.
Vielleicht irgendwann einmal.

Das Geschichtsdorf am südlichen Rand von Landersdorf wuchs aus der anfänglichen Rekonstruktion eines Keltischen Bauernhauses durch die Naturhistorische Gesellschaft Nürnberg e. V. Zwischenzeitlich können neben dem Keltenhaus die detailgetreuen Nachbildungen eines Bajuwarenhauses sowie eines Steinzeithauses besichtigt werden. Ein vorgeschichtlicher Garten mit dem Anbau von Einkorn, Emmer, Dinkel, Ackerbohnen, Lein, Mohn und Färbepflanzen rundet das Thema Vor- und Frühgeschichte anschaulich ab.

Wie gesagt/geschrieben: Das Altmühltal hat einiges zu bieten, vor allem für den geschichtlich interessierten Besucher.
Die Römer und der Limes werden uns wohl im Laufe dieses Jahres noch öfter in ihren Bann ziehen (dafür wird der Entdeckerpass schon sorgen, wirklich ausgenutzt haben wir ihn am Sonntag ja nicht). Auch Naturfreunde kommen im Altmühltal auf ihre Kosten.
Es gibt auch zahlreiche Wildgehege, hauptsächlich mit Damwild, also eigentlich nichts, was einen Tagesausflug rechtfertigen würde.

Zoo Augsburg
Kipfenberg
Römer und Bajuwaren Museum Burg Kipfenberg
Thalmässing

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