Die Zebramanguste in Brehms Tierleben

Zebramanguste (Brehms Tierleben)

Zu den ausgezeichneten Arten der Gruppe  (Schleichkatzen) gehört auch die Zebramanguste, Sakïe der Eingeborenen (Herpestes taeniotus, Ariela und Helogole taeniota, Ichneumon taeniotus, Herpestes Zebra). Sie ist eines der kleineren Mitglieder der ganzen Sippschaft und gilt wegen unbedeutender Abweichungen des Gebisses als Vertreter einer besonderen Untersippe (Ariela), ähnelt jedoch in Gestalt, Sein und Wesen ihren Verwandten vollständig. Ihre Leibeslänge wird zu 40 Centim., die Schwanzlänge zu 20 Centim. angegeben; ich habe aber mit Bestimmtheit viel größere gesehen, wenn auch nicht mit dem Zollstabe gemessen. Die Grundfärbung des reichlichen Pelzes der Zebramanguste erscheint fahlgrau, weil die einzelnen Haare schwarz oder braun, weiß und fahl geringelt sind. Auf dem Kopfe und dem Oberhalse endigen die Haare regelmäßig abwechselnd in schwarze oder braune und weiße, auf dem übrigen Oberkörper abwechselnd in dunkle und fahle Spitzen. Hierdurch entstehen neun bis fünfzehn Paare ziemlich regelmäßig verlaufender, dunkler und heller Querbinden. Die Schnauze und die Unterseite sind rostfarben, die Schwanzspitze ist schwarz.

Wie es scheint, kommt die Zebramanguste in ganz Ostafrika, vom Kap der guten Hoffnung an bis nach Abessinien herab in ziemlicher Anzahl vor. Ich traf sie in den Bogosländern gar nicht selten an, wie es schien, am meisten in Gesellschaft des Klippdachses, mit welchem sie, obgleich sie sonst als Raubthier bester Art betrachtet werden muß, sich sehr gut zu vertragen scheint. Auch Heuglin hat dasselbe beobachtet und dabei anziehende Erfahrungen gesammelt, welche ich weiter unten, gelegentlich der Beschreibung des Klippdachses, mittheilen werde. Mit dem Erdeichhörnchen scheint sie ebenfalls auf bestem Fuße zu stehen; vielleicht fürchtet sie sich vor den gewaltigen Nagezähnen jenes bissigen und jähzornigen Geschöpfes.

Wahrscheinlich ist unsere Zebramanguste nicht des Nachts, sondern ausschließlich am Tage thätig. Ich sah sie vom Morgen an bis zum Abend zu jeder Stunde in der ihre Familie bezeichnenden geduckten Haltung umherschleichen. Sie kommt dreist bis hart an die Dörfer oder bis in das Innere derselben, und wehe dem Vogel oder kleinen Säugethiere, welchem sie hier begegnet! Wie eine Schlange windet sie sich zwischen den Steinen durch, unhörbar gleitet sie auf dem Boden dahin. Ungeachtet der ziemlich lebhaften Färbung und der deutlich hervortretenden Zeichnung paßt sich ihr Kleid doch vollkommen der Bodenfärbung an und gestattet ihr, ungesehen an eine Beute sich heranzuschleichen, bis sie dieselbe mit geübtem, sicherem Sprunge erhaschen kann. Auch in Abessinien wollte man von ihren Kämpfen mit Giftschlangen zu erzählen wissen; doch lasse ich das mir Mitgetheilte auf sich beruhen, weil mir die Abessinier nicht eben das beste Vertrauen hinsichtlich ihrer Glaubwürdigkeit eingeflößt haben.

Vor dem Menschen nimmt die Zebramanguste gewöhnlich eiligen Laufes Reißaus, nicht aber ohne dabei ein unwilliges Knurren hören zu lassen, welches unzweifelhaft ihren Aerger über die Störung ausdrückt. Hunden wagt sie nicht selten Widerstand zu leisten, kläfft sie wenigstens zornig an, ehe sie flüchtet. Selbst der beste und eingeübteste Jagdhund würde sich vergeblich bemühen, ihr zu folgen. Sie ist so geschickt und so behend, daß sie längst einen sicheren Zufluchtsort in dem Geklüfte gefunden hat, ehe der Hund noch recht weiß, wie er es anstellen soll, ihrer habhaft zu werden.

Man meint es der zierlichen Schleicherin an den funkelnden Augen anzusehen, daß sie ebenso blutgierig ist wie ihre Verwandten. Ihre Nahrung besteht aus sämmtlichen kleinen Säugethieren, Vögeln, Lurchen und Kerbthieren, welche sie bewältigen kann, aus Eiern und jedenfalls auch aus Früchten. Heuglin glaubt, daß sie eine ganz besondere List anwende, um ihr Lieblingswild, einen der in ihrer Heimat so häufigen Frankoline, zu bethören. »Unser Räuber«, sagt dieser tüchtige Forscher, »hält sich mehr an Geflügel als an Säugethiere. Ich habe beobachten können, wie zwei Zebramangusten eine Familie von Frankolinhühnern, welche im niederen Gebüsche sich aufhielt, berücken wollten. Das Locken der Kette hatte mich aufmerksam gemacht, und ich schlich mich möglichst vorsichtig hinzu, die Hunde hinter mir haltend. Auf etwa zehn Schritte von dem Schauplatze angelangt, hörte ich ein Huhn hart vor mir locken. Ihm antwortete ein Hahn, und denselben Ton ahmte eine Zebramanguste, welche sich auf einem durch Buschwerk gedeckten Steine aufgepflanzt hatte, täuschend nach. Eine zweite, in einiger Entfernung im hohen Grase verborgene, lockte ebenso. Wohl einige Minuten mochte dieses Spiel gedauert haben, als der Hahn, welcher den vermeintlichen Eindringling in sein Harem wüthend aufsuchte, den Hunden zu nahe kam. Er ging schreiend auf, gefolgt von den Hühnern, aber auch die schlauen Räuber fanden sich bewogen, unverrichteter Abendmahlzeit eiligst abzuziehen«.

Daß Heuglin recht gehört hat, unterliegt keinem Zweifel. Ich habe gezähmte Zebramangusten Töne ausstoßen hören, welche dem schmetternden Geschrei des gedachten Frankolins täuschend ähnlich waren; ob jedoch der von unserem Gewährsmanne gezogene Schluß richtig ist, daß die Manguste mit Absicht Thiere durch Nachahmen ihrer Stimme zu täuschen suche, bleibt doch noch fraglich.

Man kann die Zebramanguste ebenso leicht zähmen wie die anderen Arten. Sie schmiegt sich bald an ihren Pfleger an und nimmt Liebkosungen mit einem beifälligen Knurren entgegen. Erzürnt läßt sie abgebrochene Laute oder ein gleichtöniges Pfeifen vernehmen, bei großer Wuth schreit sie laut auf. Gegen ihresgleichen zeigt sie sich manchmal sehr verträglich, oft aber auch höchst unleidig, gegen andere Thiere übermüthig; den sich ihr nahenden Menschen greift sie mit Muth und Geschick an. Bei Spielereien mit anderen ihrer Art, welche sie gern stundenlang fortsetzt, geht sie nicht selten zu Thätlichkeiten über: im Londoner Thiergarten bissen sich einige, welche zusammenwohnten und spielten, in aller Gemüthlichkeit gegenseitig die Schwänze ab. Ihre nahe Verwandtschaft mit »dem Aufspürer« zeigt sie bei jeder Gelegenheit. Sie ist überaus neugierig und muß jedes Ding, auf das sie stößt, so genau als möglich untersuchen. Dazu benutzt sie hauptsächlich ihre Vorderpfoten, welche sie mit wahrhaft belustigender Geschicklichkeit und Gewandtheit wie Hände zu gebrauchen weiß. Das glänzende, rothbraune Auge funkelt und rollt umher und nimmt jedes Ding wahr; blitzschnell gehts an dem Eisengitter oder an den Aesten im Käfige hinauf und hernieder; überall und nirgends ist das geschäftige Thier, und wehe dem kleinen Wesen, welches sich solchem Auge, solcher Gewandtheit preisgibt: es ist ein Kind des Todes, gepackt mit dem ersten Satze, getödtet mit dem ersten Bisse.

Zwei von mir gepflegte Zebramangusten, welche ziemlich klein in meinen Besitz kamen, vertrugen sich mit einem Mungo und einer javanischen Manguste im ganzen vortrefflich, obgleich der Futterneid zuweilen sich bemerklich machte. Zwei andere dagegen waren unverträgliche, zänkische Geschöpfe, welcher nur unter sich in ziemlichem Frieden lebten. Aber sie waren im höchsten Grade anziehende Thiere. Ich beherbergte sie in einem Zwinger und gestattete ihnen öfters, nach Belieben im Hause und selbst im Hofe umherzulaufen. Da wußten sie bald prächtig Bescheid. Sie kannten mich sehr genau, hatten erfahren, daß ich ihnen gern einige Freiheit gewährte, und meldeten sich deshalb regelmäßig durch Scharren an ihrer Thüre und bittendes Knurren, wenn sie meine Stimme vernahmen. Sobald sie sich in Freiheit sahen, streiften sie trippelnden Ganges durch das ganze Gebäude und hatten, Dank ihrer Behendigkeit, binnen wenigen Minuten alles auskundschaftet, untersucht und berochen, was sich vorfand. Ihr erster Gang richtete sich nach dem Milcheimer, und sie verstanden es sehr gut, dessen Deckel mit der spitzen Schnauze aufzuheben und so zu der von ihnen außerordentlich geliebten Flüssigkeit zu gelangen. Es sah allerliebst aus, wenn zu jeder Seite des Eimers eins dieser Thiere hing und sich nach Herzenslust erlabte. Auch andere genießbare Dinge, welche sich fanden, wurden nicht verschmäht, und zumal die Knochen trugen sie sich aus allen Winkeln und Ecken zusammen. Knochenmark gehörte zu ihren besonderen Leckerbissen und sie gaben sich deshalb viel Mühe, desselben sich zu bemächtigen. Zuerst förderten sie durch Kratzen und Scharren mit den Nägeln ihrer Vorderpfoten soviel Mark zu Tage, als möglich; dann faßten sie den Knochen mit beiden Pfoten, erhoben sich auf die Hinterbeine und schleuderten ihn rückwärts, gewöhnlich zwischen den hinteren Beinen durch, auf das Pflaster oder gegen die Wand ihres Zwingers mit solcher Heftigkeit und so großem Geschicke, daß sie ihren Zweck, durch die Erschütterung das die Knochenröhre erfüllende Mark herauszubekommen, vollständig erreichten. Bei ihren Wanderungen quiekten und murrten die fortwährend. Wenn man sie böse machte, vernahm man auch wohl ein ärgerliches Geknurr von ihnen. Einen sonderbar schmetternden Ton, welcher, wie ich schon bemerkte, dem Geschrei gewisser Frankolinhühner täuschend ähnlich ist, habe ich nur einmal von ihnen gehört, als ich sie mit zwei anderen ihrer Art zusammenbrachte. Sie mochten dadurch ihre besondere Aufregung kundgeben wollen. Ich gestehe, daß ich im höchsten Grade überrascht war, derartige Töne von einem Raubthiere zu vernehmen.

Gegen mich waren die Gefangenen gewöhnlich sehr liebenswürdig. Sie ließen sich berühren und streicheln, kamen auf den Ruf herbei und zeigten sich meist sehr folgsam. Demungeachtet wollten sie sich ungern bevormunden lassen, und namentlich wenn man sie beim Fressen störte, wiesen sie selbst ihren Freunden die Zähne und fuhren mit schnellem Bisse auf dieselben los. Sie thaten dies aber mit vollem Bewußtsein, sich einer Strafe auszusetzen; denn sofort nach dem Beißen nahmen sie die demüthige und verlegene Stellung eines Hundes an, welcher von seinem Herrn Prügel erwartet. Daß sie sehr klug waren und sich mit vielem Geschickte in veränderte Umstände zu finden wußten, bekundeten sie tagtäglich, bewiesen es namentlich, als sie mit fünf Nasenbären zusammenleben mußten. Im Anfange war ihnen die Gesellschaft der langnasigen Burschen höchst unangenehm, zumal wenn diese sie einer gewissenhaften Beschnüffelung zu unterziehen beliebten. Die Umstände änderten sich, sobald die Mangusten erkannten, daß sie es mit geistesärmeren Geschöpfen, als sie sind, zu thun hatten. Sie lernten bald die Nasenbären beurtheilen und geberdeten sich zuletzt unbestritten als die Gebieter im Käfige.

Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.