Die (Haus)Katze in Brehms Tierleben

(siehe auch hier)

Hauskatze (Brehms Tierleben)

Die Katze (Felis maniculata domestica) hat wenig Spielarten. Bei uns sind folgende Färbungen gewöhnlich: Einfarbig schwarz mit einem weißen Stern mitten auf der Brust; ganz weiß; semmelgelb und fuchsroth; dunkler mit derselben Färbung getigert; einfach blaugrau; hellgrau mit dunklen Streifen und dreifarbig mit großen weißen und gelben oder gelbbraunen und kohlschwarzen oder grauen Flecken. Die blaugrauen sind sehr selten, die hellgrauen oder Cyperkatzen gemein; doch müssen die echten schwarze Fußballen und an den Hinterfüßen schwarze Sohlen haben. Die schönsten oder die Zebrakatzen haben dunkelgraue oder schwarzbraune Tigerzeichnung. Eigenthümlich ist, daß die dreifarbigen Katzen, welche an einigen Orten für Hexen angesehen und deshalb erschlagen werden, fast ausnahmslos weiblichen Geschlechtes sind. Keine Farbe erbt übrigens fort, und bei einem einzigen Wurfe können so viele verschiedene Färbungen vertreten sein, als Junge sind. Daher haben diese Färbungen auch keinen thierkundlichen Werth.
Angorakatze (Felis maniculata domestica angorensis)

Angorakatze (Brehms Tierleben)

Als Rasse im eigentlichen Sinne des Wortes faßt man allgemein die Angorakatze (Felis maniculata domestica angorensis) auf, eine der schönsten Katzen, welche es gibt, ausgezeichnet durch Größe und langes seidenweiches Haar, von rein weißer, gelblicher, graulicher oder auch gemischter Färbung, mit fleischfarbenen Lippen und Sohlen.
Es wurde bereits erwähnt, daß Pallas geneigt zu sein scheint, den Manúl als Stammvater der Angorakatze anzusehen, obgleich letztere in ihrer Gestalt wesentlich sich unterscheidet. Fitzinger,  welcher Pallas beitreten möchte, erklärt sie als Erzeugnis einer Kreuzung zwischen Manúl und Hauskatze, ohne jedoch dafür irgend welche Unterstützung beibringen zu können. Mir erscheint es am wahrscheinlichsten, daß sie nichts anderes ist als eine aus Gebirgsgegenden herrührende Zuchtrasse, welche sich, infolge klimatischer Einwirkung, nach und nach herausbildete und ihre Merkmale vererbte. Radde sah im Süden Sibiriens immer nur schön graue oder blaugraue Angorakatzen. Die ersten traf er bereits in dem Städtchen Tjumen, wenig östlich vom Ostabhange des Ural, andere kamen ihm in den russischen Ansiedelungen zu Gesicht; doch waren die Thiere auch hier seltener als die gewöhnlichen Hauskatzen. Ob jene wirklich aus Angora stammen, wie man annimmt, lasse ich dahin gestellt sein; meines Wissens fehlt über das eigentliche Vaterland noch jede Kunde.

Im Vergleiche zur Hauskatze gilt die Angorakatze als faul und träge, aber auch als besonders klug und anhänglich: inwiefern letzteres begründet ist, weiß ich nicht.

Stummelschwanzkatze (Felis maniculata domestica ecaudata)
Von der Insel Man stammt eine andere Abart – Rasse kann man kaum sagen – der Hauskatze, die Stummelschwanz- oder Mankatze (Felis maniculata domestica ecaudata), ein keineswegs hübsches, wegen seiner hohen, hinten unverhältnismäßig entwickelten Beine und des Fehlen des Schwanzes bemerkenswerthes Thier, von verschiedener Färbung.
Möglicherweise hat Fitzinger Recht, wenn er annimmt, daß die Schwanzlosigkeit eine Folge künstlicher Verstümmelung ist, welche sich vererbte und zu einem ständigen Merkmale ausbildete. Als einen ursprünglichen Mangel darf man das Fehlen des Schwanzes jedenfalls nicht auffassen; denn die erste Kreuzung mit einer gewöhnlichen Hauskatze erzielt Junge mit Schwänzen. Weinland und Schmidt berichten von einer Stummelschwanzkatze des Frankfurter Thiergartens, welche, nachdem sie mit einem geschwänzten gelben Kater sich gepaart, Junge warf, von denen einige hoch gestellt und schwanzlos waren wie die Mutter, andere niedrige Beine und lange Schwänze hatten wie der Vater. Ein Wurf bestand aus drei Jungen mit langen, einem mit mittellangem und zwei mit Stummelschwanze, ein anderer aus drei Langschwänzen und einem Kurzschwanze, ein dritter aus drei Langschwänzen usw. »Eine anfänglich aufgetauchte Vermuthung«, sagt Schmidt, »daß das Mutterthier den geschwänzten Jungen die Schwänze abbeiße, bestätigte sich bei genauerer Untersuchung der Sache nicht.« Auf den Sundainseln und in Japan sah Martens Katzen mit verschiedenen Schwanzabstufungen, und Kessel erzählte Weinland, daß dort, insbesondere auf Sumatra, allen Katzen, bevor sie erwachsen sind, die ursprünglich vorhandenen Schwänze absterben. Besonderes Gewicht darf also auch auf die Schwanzlosigkeit der Katze nicht gelegt werden.
Von der Mankatze bemerkt Weinland, daß sie eine unermüdliche Baumkletterin ist, vermöge der hohen Hinterbeine ganz außerordentliche Sätze von Ast zu Ast ausführen kann und dadurch den Vögeln viel gefährlicher wird als die Hauskatze gewöhnlichen Schlages. »Daraus folgt, daß es nichts weniger als wünschenswerth ist, diese ungeschwänzte Katze auch in Deutschland einzuführen.«
Angora- und Stummelschwanzkatze sind die bekanntesten Rassen unseres Hinz. Außerdem spricht man noch von der Karthäuserkatze, welche sich durch langes, weiches, fast wolliges Haar und einfarbig dunkelbläulich graue Färbung auszeichnet, und von der ihr ähnlichen Khorassankatze aus Persien. Weniger bekannt sind: die kumanische Katze aus dem Kaukasus, die rothe Tobolsker Katze aus Sibirien, die rothe und blaue Katze vom Kap der guten Hoffnung, die chinesische Katze, welche langes, seidenweiches Haar und hängende Ohren wie ein Dachshund hat, von den Einwohnern gemästet und gegessen wird und, wie ich oben berichtete, dieselbe ist, welche als Tauschwaare zu den Kiliaken geht usw. Möglich, daß einzelne dieser letztgenannten Abarten Blendlinge sind, von welchen Arten weiß man freilich nicht. Daß sich die Hauskatze ziemlich leicht mit anderen Katzen paart, ist erwiesen. Geachtete Naturforscher haben sogar behauptet, daß sie sich mit dem Hausmarder paare und Junge erzeuge, welche diesem in Farbe und Zeichnung auffallend gleichen sollen.

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