Die Falbkatze in Brehms Tierleben

(Die Übergänge zwischen Falb- und Hauskatze sind nicht immer klar deutlich)

Falbkatze (Brehms Tierleben)

Für mich unterliegt es keinem Zweifel, daß wir als diese Stammutter die Falbkatze (Felis maniculata, Catus maniculatus, F. Rueppellii, F. pulchella) zu bezeichnen haben. Rüppell entdeckte sie in Nubien auf der Westseite des Nils bei Ambukol, in einer mir sehr wohlbekannten Wüstensteppe, in welcher felsige Gegenden mit buschreichen abwechseln; spätere Sammler haben sie im ganzen Sudân, in Habesch, im tiefsten Innern Afrika’s und ebenso in Palästina aufgefunden. Ihre Länge beträgt 50 Centim., die des Schwanzes etwas über 25 Centim. Dies sind zwar nicht genau die Verhältnisse der Hauskatze, aber doch solche, welche denen unseres Hinz ziemlich nahe kommen. Auch in ihrer Zeichnung ähnelt die Falbkatze manchen Spielarten der Hauskatze. Ihr Pelz ist oben mehr oder weniger fahlgelblich oder fahlgrau, auf dem Hinterkopfe und der Rückenfirste röthlicher, an den Seiten heller, am Bauche weißlich. Auf dem Rumpfe zeigen sich dunkle, schmale, verwaschene Querbinden, welche an den Beinen deutlich hervortreten, am Oberkopfe und in dem Nacken acht schmälere Längsbinden. Gewisse Theile des Pelzes sind auch noch mit einer feinschwarzen Sprenkelung gezeichnet. Der Schwanz ist oben fahlgelb, unten weiß, endet in eine schwarze Spitze und hat vor ihr drei breite schwarze Ringe.

Die Mumien und Abbildungen auf den Denkmälern in Theben und in anderen egyptischen Ruinen stimmen mit dieser Katzenart am meisten überein und scheinen zu beweisen, daß sie es war, welche bei den alten Egyptern als Hausthier gehalten wurde. Vielleicht brachten die Priester das heilige Thier von Meroë in Südnubien nach Egypten; von hier aus könnte sie nach Arabien und Syrien und später über Griechenland oder Italien nach dem westlichen und nördlichen Europa verbreitet worden sein und in neuerer Zeit durch die wandernden Europäer eine noch größere Verbreitung erlangt haben. Für mich erhalten diese Muthmaßungen besonderes Gewicht durch Beobachtungen, welche ich auf meinem letzten Jagdausfluge nach Habesch machte. Die Hauskatzen der Jemenesen und der Araber der Westküste des Rothen Meeres zeigen nicht nur eine ganz ähnliche Färbung wie die Falbkatze, sondern auch dieselbe Schlankheit und Schmächtigkeit, welche diese vor ihren Verwandten auszeichnet. Allerdings hat dort die Hauskatze nicht dasselbe Loos, wie bei uns: ihre Herrschaft kümmert sich kaum um sie und überläßt es auch ihr selbst, sich zu ernähren. Dies dürfte aber schwerlich als Grund ihres schlechten Aussehens anzunehmen sein; denn an Nahrung fehlt es einem Raubthiere in dortiger Gegend nicht. Ich glaube, daß die Katze Nordostafrikas am treuesten sich ihre ursprüngliche Gestalt erhalten hat. Die gewöhnliche Färbung der afrikanischen Hauskatze kommt der ihrer wahrscheinlichen Stammutter am nächsten; doch findet man auch hier schon ausgeartete, nämlich weiße, schwarze, rothgelbe und sogenannte dreifarbige Hauskatzen.

Besonderes Gewicht erhalten vorstehende Beobachtungen durch Vergleichungen, welche Dönitz an Schädeln der Hauskatze und an den durch Schweinfurth aus dem Inneren Afrikas mitgebrachten Falbkatzenschädeln angestellt hat. Diese Vergleichungen haben ergeben, daß letztere sich einzig und allein durch die dünneren Knochen von denen der Hauskatze unterscheiden lassen. Die Dünne der Knochen aber ist ein so bezeichnendes Merkmal wilder Thiere, daß man den Schädel einer Wildkatze durch bloße Wägung von dem einer Hauskatze bestimmt unterscheiden kann. Jedenfalls nimmt man an den Schädeln unserer Wildkatzen häufig Verschiedenheiten von denen der Hauskatze wahr, während bei denen der Falbkatze solche Abweichungen nicht aufgefunden wurden.

Ich war eine Zeitlang im Besitze einer Falbkatze, habe mich aber vergeblich bemüht, ihr nur einigermaßen die Wildheit abzugewöhnen, welche sie zeigte. Das Thier war in den Steppen Ostsudâns alt gefangen worden und wurde mir in einem Käfige gebracht, welcher schon durch seine außerordentliche Festigkeit zeigte, daß man ein bedenkliches Raubthier in ihm verwahre. Ich habe die Katze niemals aus diesem Käfige nehmen dürfen, weil sie es überhaupt nicht gestattete, daß man ihr irgendwie sich näherte. Sobald man an sie herankam, fauchte und tobte sie wie unsinnig und bemühte sich nach Kräften, Unheil anzurichten. Strafen fruchteten nichts. In unseren Thiergärten habe ich die Falbkatze nur ein einziges Mal gesehen und zwar in London. Die beiden Stücke, welche man dort geraume Zeit hielt, stammten aus Palästina und mochten wohl jung aus dem Lager genommen worden sein, weil sie so gesittet und ruhig sich betrugen, wie man dies von einer Wildkatze überhaupt erwarten kann. Außerordentlich wichtig zur Begründung der Ansicht, daß die Falbkatze die Stammutter unserer Hauskatze ist, sind Beobachtungen, welche Schweinfurth im Lande der Njamnjam machte. Nach mündlichen Mittheilungen des berühmten Reisenden kommt die Falbkatze hier häufiger vor als in irgend einem bis jetzt bekannten Theile Afrika’s, sodaß man also das tiefe Innere des Erdtheils als das eigentliche Vaterland oder den Kernpunkt des Verbreitungskreises unseres Thieres ansehen muß. Die Njamnjam nun besitzen die Hauskatze im eigentlichen Sinne des Wortes nicht; wohl aber dienen ihnen zu gleichem Zwecke wie letztere halb- oder ganzgezähmte Falbkatzen, welche die Knaben einfangen, in der Nähe der Hütten anbinden und binnen kurzer Zeit so weit zähmen, daß sie an die Wohnung sich gewöhnen und in der Nähe derselben dem Fange der überaus zahlreichen Mäuse mit Eifer obliegen.

»Die Katze«, sagt Ebers in seiner »Egyptischen Königstochter«, einem Romane, welcher nach dem Urtheile der maßgebenden Alterthumsforscher das Leben und Treiben der Bewohner Altegyptens in unübertrefflicher Weise schildert, »war wohl das heiligste von den vielen heiligen Thieren, welche die Egypter verehrten. Während andere Thiere nur beziehungsweise vergöttert wurden, war die Katze allen Unterthanen der Pharaonen heilig. Herodot erzählt, daß die Egypter, wenn ein Haus brenne, nicht eher ans Löschen dächten, bis ihre Katze gerettet sei, und daß sie die Haare als Zeichen der Trauer sich abschören, wenn ihnen eine Katze stürbe. Wer eines dieser Thiere tödtete, verfiel, mochte er mit Wollen oder aus Versehen der Mörder desselben geworden sein, unerbittlich dem Tode. Diodor war Augenzeuge, als die Egypter einen unglücklichen römischen Bürger, welcher eine Katze getödtet hatte, des Lebens beraubten, obgleich, um der gefürchteten Römer willen, von Seiten der Behörden alles mögliche geschah, um das Volk zu beruhigen. Die Leichen der Katzen wurden kunstvoll mumisirt und beigesetzt; von den vielen einbalsamirten Thieren wurden keine häufiger gefunden als die sorgfältig mit Leinenbinden umwickelten mumisirten Katzen.

Die Göttin Pacht oder Bast, welche mit dem Katzenkopfe abgebildet wird, hatte zu Bubastis im östlichen Delta ihr vornehmlichstes Heiligthum. Dorthin brachte man gewöhnlich die Katzenmumien, welche aber auch an anderen Orten, namentlich sehr häufig beim Serapeum, gefunden worden sind. Die Göttin war nach Herodot gleich der griechischen Artemis und wurde die Bubastische genannt. Nach Stephanus von Byzanz soll die Katze auf Egyptisch ›Bubastos‹ geheißen haben. Uebrigens nannte man die Thiere für gewöhnlich ›Mau-Mie‹. In der Pacht scheint man auch die Beschützerin der Geburt und des Kindersegens verehrt zu haben, und ebenso scheint es nach der Veröffentlichung der Tempelinschriften von Dendera durch Dümichen keinem Zweifel zu unterliegen, daß man in der Bast gewisse Seiten der durch die Phönizier den Egyptern zugekommenen Astarte oder Venus Urania verehrte.«

Während die Katze bei den alten Egyptern als heiliges Geschöpf angesehen wurde, erschien sie (oder richtiger die Wildkatze, beziehentlich der Luchs) den alten Deutschen als das Thier der Freia, deren Wagen sie durch die Wolken zieht, und ging in der späteren Zeit, nachdem die nüchternen Verkündiger des Christenthums die dichterischen Göttersagen unserer Vorfahren verwischt oder zu wüstem Spuk umgestaltet hatten, allgemach in ein mehr oder weniger gespenstiges Wesen über, welches heutzutage noch im Aberglauben fortlebt. Die Katze ist, laut Wuttke, wahrsagend und hat Zauberkraft. Eine dreifarbige Katze schützt das Haus vor Feuer und anderem Unglück, die Menschen vor dem Fieber, löscht auch das Feuer, wenn man sie in dasselbe wirft und heißt deshalb »Feuerkatze«. Wer sie ertränkt, hat kein Glück mehr oder ist sieben Jahre lang unglücklich; wer sie todtschlägt, hat ebenfalls fernerhin kein Glück; wer sie schlägt, muß es von hinten thun. Die Katze zieht Krankheiten an sich; ihre Leiche dagegen, unter Jemandes Thürschwelle vergraben, bringt dem Hause Unglück. Katzenfleisch ist gut gegen die Schwindsucht; wer aber ein Katzenhaar verschluckt, bekommt diese, und wenn es ein kleines Kind thut, wächst es nicht mehr. Schwarze Katzen dienen zum Geldzauber und zum Unsichtbarmachen, zum Schutze des Feldes und des Gartens, zur Heilung der Fallsucht und der Bräune, schwarze Kater insbesondere zu unheimlichem Zauber. Erreichen sie das Alter von sieben oder neun Jahren, so werden sie selbst zu Hexenwesen und gehen am Walpurgistage zur Hexenversammlung oder bewachen unterirdische Schätze. Wenn die Katze sich putzt oder einen krummen Buckel macht, bedeutet es Gäste:

»Wie die Katz auf dem Tritte des Tisches
Schnurrt und das Pfötchen sich leckt, auch Bart und Nacken sich putzet,
Das bedeutet ja Fremde nach aller Vernünftigen Urtheil«
singt Voß. Fährt sie sich mit den Pfoten über die Ohren, so kommt vornehmer Besuch; macht sie die Hinterbeine lang, so kommt Jemand mit einem Stecken; wen sie aber ansieht, während sie sich wäscht, hat an demselben Tage noch eine Tracht Prügel zu gewärtigen. Wenn eine Katze vor dem Hause schreit, gibt es in demselben bald Zank oder Unheil, selbst Tod; wenn die Katzen in einer Freitagsnacht sich zanken, geht es bald darauf auch im Hause unfriedlich zu; wenn vor der Trauung eine Katze auf dem Altare sitzt, wird die Ehe unglücklich. Die weiße Gespenstkatze, welche außen am Fenster schnurrt, zeigt einen binnen zwei Stunden eintretenden Todesfall an. Nur hier und da urtheilt man milder über das zierliche Geschöpf, so in Süddeutschland und in den Rheinlanden, wo man den Aberglauben hegt, daß ein Mädchen, welches eine glückliche Ehe haben will, die Katze, das Thier der Freia oder Holda, gut füttern müsse, – eine Vorschrift, welche auch ich allen Mädchen und Hausfrauen bestens empfohlen haben will.

Auch im Sprichworte spielt die Katze eine bedeutende Rolle: »Falsch wie die Katze; einen Katzenbuckel machen; eine Katzenwäsche halten; zusammen leben wie Hund und Katze; Katzen und Herren fallen immer auf die Füße; wie die Katze gehen um den heißen Brei; die Katze in dem Sacke kaufen« usw., sind Belege dafür.

Unsere bisherigen Forschungen lassen annehmen, daß die Katze zuerst von den alten Egyptern, nicht aber von den alten Indiern oder nordischen Völkerschaften gezähmt wurde. Die altegyptischen Denkmäler geben uns durch Bild und Schrift wie durch die Mumien bestimmte Kunde, die Geschichte anderer Völker nicht einmal zu Muthmaßungen Anhalt. Gerade der Umstand, daß man in den Grabstätten nicht allein Mumien der Hauskatze, sondern auch solche des Sumpfluchses findet, unterstützt, meiner Meinung nach, die eben ausgesprochene Ansicht, weil damit der Beweis geliefert ist, daß man zur Zeit der Blüte des altegyptischen Reiches noch fortdauernd mit dem Fange und, was wohl gleichbedeutend, der Zähmung von Wildkatzen sich beschäftigte. Vor der Zeit Herodot’s finden wir den Namen der Katze bei den alten griechischen Schriftstellern nicht, und daraus sowie auch aus dem Umstande, daß sie selbst später von den Griechen und Lateinern nur kurz erwähnt wird, darf man schließen, daß sie ganz allmählich von Egypten aus sich verbreitet hat. Von Egypten aus ging die Katze zunächst wahrscheinlich mehr östlich; wir wissen unter anderem, daß sie ein besonderer Liebling des Propheten Mahammed gewesen ist. In dem nördlichen Europa war sie vor dem zehnten Jahrhundert fast noch gar nicht bekannt. Die Gesetzsammlung für Wales enthält eine Bestimmung des Howell Dha oder Howell Lebon, welcher gegen die Mitte des zehnten Jahrhunderts starb, in welcher die Werthbestimmung der Hauskatzen sowie die Strafen, welche auf Mishandlung, Verstümmelung oder Tödtung derselben gesetzt waren, festgestellt sind. Darin wird die Summe bestimmt, wofür eine junge Katze bis zu dem Augenblicke, wo sie eine Maus fängt, verkauft werden darf, und dem wird hinzugefügt, daß sie von jenem Augenblicke an des doppelten Preises werth sei. Der Käufer hatte das Recht, zu verlangen, daß Augen, Ohren und Krallen vollkommen wären, und daß das Thier aufs Mausen sich verstände, ebenso auch, daß ein gekauftes Weibchen seine Jungen gut erziehe. War sie mit irgend einem Fehler behaftet, so konnte der Käufer das Drittheil des Kaufpreises zurückverlangen. Wer auf den fürstlichen Kornböden eine Hauskatze stahl oder tödtete, mußte sie mit einem Schafe sammt dem Lamme büßen oder so viel Weizen als Ersatz für sie geben, wie erforderlich war, um die Katze, wenn sie an dem Schwanze so aufgehängt wird, daß sie mit der Nase den Boden berührt, vollkommen zu bedecken.

Dieses Gesetz ist für uns von hohem Werthe, weil es uns den Beweis liefert, daß man zu damaliger Zeit die Hauskatze als eine sehr werthvolle Erwerbung betrachtete; zugleich aber sehen wir daraus, daß die Wildkatze nicht wohl als die Stammutter jener angesehen werden darf; denn zu damaliger Zeit gab es auch in England so viele Wildkatzen, daß es jedenfalls nicht schwer gewesen sein würde, die Jungen davon in beliebiger Menge zu zähmen. Wir brauchen übrigens Beweise für die Artverschiedenheit der Wild- und Hauskatze gar nicht von so weit herbeizuziehen: die unmittelbare Vergleichung beider Thiere spricht entschieden für die Selbständigkeit der einen und anderen Art. Alle Verhältnisse sind verschiedene. Der Leib der Hauskatze ist um ein Drittheil kleiner und minder kräftig, der am Ende verdünnte oder zugespitzte, nicht gleichmäßig verlaufende Schwanz länger und schlanker als bei der Wildkatze, der Kopf stärker abgeplattet, der Darm fünfmal, bei der Wildkatze nur dreimal so lang als der Leib. Im Gerippe und namentlich im Schädelbaue lassen die Unterschiede weniger leicht sich feststellen. Blasius hob zwar eine Anzahl von solchen hervor, Dönitz aber wies durch eine größere Reihe von Schädeln beider Arten die Unhaltbarkeit jener Merkmale überzeugend nach. Allerdings darf man bei derartigen Vergleichungen die Veränderungen, welche der Leib im einzelnen und ganzen durch die Zähmung und längere Gefangenschaft erleidet, nicht außer Acht lassen, muß aber doch auch nicht nach dem Fernen suchen, wenn das Näherliegende mehr verspricht. Gerade die Katze, das selbständigste unserer Hausthiere, hat unter den Folgen der Gefangenschaft weniger gelitten als der Hund, das Pferd, Rind oder Schaf: dies beweisen die Jahrtausende alten Mumien zur vollsten Ueberzeugung. Sie ist noch heute dieselbe wie im Alterthume und unzweifelhaft die nächste Verwandte der Falbkatze, deren Zähmung mit Rücksicht auf die überaus große Thierliebe der alten Egypter eigentlich ganz von selbst sich versteht. Gezähmte Wildkatzen hätten nur von Europa oder Kleinasien aus nach Egypten gelangen können, zu einer Zeit, in welcher in Europa sicherlich noch Niemand daran dachte, Einbürgerungsversuche mit Thieren anzustellen; die Falbkatze aber hatten die alten Egypter in ihrem Reiche, und ihrer scharfen Beobachtungsgabe entging es nicht, welch vortrefflicher Hausfreund aus ihr sich gewinnen ließ. Für mich ist die Frage der Abstammung unserer liebenswürdigen Miez erledigt, und denjenigen, welcher noch zweifeln sollte, dürfte eine im kaiserlichen Museum zu Wien aufgestellte, stark getigerte Falbkatze über die Arteinheit dieser und der Hauskatze überzeugend belehren.

Gegenwärtig findet sich die Katze mit Ausnahme des höchsten Nordens und, laut Tschudi, des höchsten Gürtels der Andes fast in allen Ländern, in denen der Mensch feste Wohnsitze hat. In Europa trifft man sie überall; in Amerika wurde sie schon bald nach Entdeckung dieses Erdtheils verbreitet. Auch in Asien und in Australien ist sie ziemlich häufig, weniger jedoch in Afrika, zumal im Inneren des Erdtheils, wo sie in einzelnen Ländern gänzlich fehlen soll. Je höher ein Volk steht, je bestimmter es sich seßhaft gemacht hat, um so verbreiteter ist die Katze. In Europa wird sie von Deutschen, Engländern und Franzosen am meisten geschätzt und am besten gepflegt; in ganz Indien, China und Japan, auch auf Java gehört sie zu den gewöhnlichen Hausthieren; in China dient sie, laut Huc, hier und da als Uhr, indem man nach der Enge ihres Augensterns die Nähe des Mittags beurtheilt; in Egypten genießt sie als Lieblingsthier des Propheten große Achtung, nimmt theil an Aufzügen, wird in Kairo auch öffentlich verpflegt, da Vermächtnisse bestehen, deren Zinsen man zu ihrer Fütterung verwendet; in Südamerika fehlt sie in dem höchsten Gürtel der Andes, weil sie Kälte und dünne Luft nicht verträgt, verkümmert auch, laut Hensel, hier und da »wie jedes Hausthier unter der Pflege des Brasilianers, welcher ebenso wie der Südamerikaner spanischer Abkunft vom Hause aus kein Thierfreund ist und außerdem noch durch eine unüberwindliche Trägheit von jeder Bemühung im Gebiete der Thierzucht abgehalten wird«, gedeiht aber in Städten, wo es, wie in Frankreich, Sitte ist, sie in den Läden als Feind der Ratten oder zum Staate zu halten, vortrefflich; auf Neuseeland ist sie verwildert und wird gegenwärtig von den Ansiedlern mit demselben Ingrimm gejagt wie ihre wildlebenden Verwandten.

Wo man sie in ihrem wahren Werthe erkannt hat, verbreitet man sie mehr und mehr. Manche Völkerschaften Asiens, z.B. die Mandschu, treiben noch einen ziemlich bedeutenden Handel mit ihr. Sie geben den Giljaken junge Kater, niemals aber Miezen, erhalten sich somit immer ihre alten Absatzquellen offen. Die Käufer tauschen solche Katzen mit Zobelfellen ein, und beide Theile machen ein sehr gutes Geschäft. Heutzutage hat, laut Radde, die Bevölkerung des Amurlandes den Mandschu neue Absatzquellen eröffnet, da die Menge der Ratten und Feldmäuse in Häusern und Speichern den neuen Ansiedlern die Gegenwart der Katze wünschenswerth macht. Bei den wandernden und jagdtreibenden Hirtenvölkern des südlichen Theiles von Ostsibirien hat diese sich noch nicht eingebürgert,  fehlt auch im Lande der Urjänchen am Kossogol und in dem der Darchaten an den Quellen des Jenisei. Erst dort, wo die getauften Burjäten und Tungusen der cis- und transbaikalischen Gauen nach und nach an einen beständigen Wohnplatz sich gewöhnen und Ackerwirtschaft betreiben, wird sie ein gewöhnliches Hausthier. Den Priestern der Buddhalehre, welche abwärts am mittleren Onon ihre Ansiedelungen haben, ist sie ein lieber, wohlgepflegter Hausgenosse. Ebenso begegnet man ihr in der Aginskischen Steppe, wo das feste Haus meist an die Stelle der leichtbeweglichen Jurte getreten ist, in den russisch-transbaikalischen Besitzungen, soweit dieselben von einer festsitzenden Bevölkerung bewohnt werden. Von den Dörfern im Quellenlande des Amur gelangte sie in den Jahren 1857 und 1858 in die Ansiedelungen im oberen und mittleren Laufe dieses Stromes, während sie an der Mündung desselben, von der See aus eingeführt, schon seit 1853 vorhanden war. Im Winter des Jahres 1858 fehlte sie im Burejagebirge noch gänzlich, hielt jedoch am oberen Ende bereits ihren Einzug. Auf Grönland kam sie mit den dänischen Frauen an und verbreitete sich mit ihnen nach Süden und Norden hin, so daß sie schon zu Zeiten des Naturforschers Fabricius, Ende des vorigen Jahrhunderts, in allen Ansiedelungen gefunden wurde. So hat sie nach und nach Heimrecht fast auf der ganzen Erde sich erworben, und erscheint überall als ein lebendes Zeugnis des menschlichen Fortschrittes, der Seßhaftigkeit, der beginnenden Gesittung. Der Hund ist wahllos Allerwelts- und Allermenschenthier, die Katze Hausthier im besten Sinne des Wortes; jener hat sich von dem Zelte aus das feststehende Haus erobert, sie erst in diesem sich eingebürgert und dem gesitteten Menschen angeschlossen.

Gleichwohl bewahrt sie sich unter allen Umständen bis zu einem gewissen Grade ihre Selbständigkeit und unterwirft sich dem Menschen nur in soweit, als sie es für gut befindet. Je mehr dieser mit ihr sich beschäftigt, um so treuere Anhänglichkeit gewinnt sie an die Familie, je mehr man aber eine Katze sich selbst überläßt, um so größer wird ihre Anhänglichkeit an das Haus, in welchem sie geboren wurde. Der Mensch bestimmt immer den Grad der Zähmung und der Häuslichkeit einer Katze. Wo sie sich selbst überlassen wird, kommt es nicht selten vor, daß sie zur Zeit des Sommers ganz dem Hause entläuft und in die Wälder sich begibt, in denen sie unter Umständen vollständig verwildern kann. Bei Eintritt des Winters kehrt sie gewöhnlich in ihre frühere Wohnung zurück und bringt dahin auch ihre Jungen, welche sie während ihres Sommeraufenthaltes zur Welt gebracht hat; doch kommt es, zumal in warmen Ländern, häufig genug vor, daß sie, auch wenn sie zurückgekehrt ist, fast gar nicht mehr um den Menschen sich kümmert. Namentlich die Katzen in Paragay leben, wie uns Rengger mittheilt, in der größten Selbständigkeit. Sie folgen, zumal in den wenig bevölkerten Gegenden, ihrem Triebe zur Unabhängigkeit, und selbst diejenigen, welche man als an das Haus gewöhnte betrachten kann, streifen Tage lang in den Waldungen und auf den Feldern umher, stellen allen kleinen, wehrlosen Säugethieren nach, beschleichen des Nachts die Vögel auf den Bäumen und kommen bloß bei regnerischem oder stürmischem Wetter nach Hause. Man versichert, daß auch diejenigen, welche sorgfältig von Jugend auf behandelt worden sind, mit zunehmendem Alter ihren Hang zur Freiheit zeigen, und daß nur verschnittene Männchen gute Mäusejäger abgeben, welche wirklich im Hause bleiben und ihrer Aufgabe vollständig genügen. Gleichwohl ist in Paragay die Hauskatze noch nicht vollständig verwildert; denn, sowie die Regenzeit eintritt, nähert sie sich gewöhnlich wieder den Wohnungen und bringt dahin auch ihre Jungen mit. Letztere gehen regelmäßig zu Grunde, wenn sie in der rauhen Witterung in den Wäldern gelassen werden, und selbst die Alten scheinen den Regen nicht vertragen zu können. Jedenfalls findet man hier nirgends wirklich verwilderte Katzen dieser Art in den Waldungen; sie sind sogar aus den ehemals bewohnten Gegenden verschwunden, in denen sie beim Abzuge der Weißen zurückgelassen wurden.

Unsere Hauskatze eignet sich vortrefflich, ihre ganze Familie kennen zu lernen, eben weil Jedermann sie beobachten kann. Sie ist ein außerordentlich schmuckes, reinliches, zierliches und anmuthiges Geschöpf, jede ihrer Bewegungen nett und angenehm, und ihre Gewandtheit wahrhaft bewunderungswürdig. »Die Kaz«, sagt der alte Geßner, »ist ein schnäll, bring und geschwind thier mit steygen, lauffen, springen, kräzen und dergleychen, auch ein schamhafft, hoffärtig, rein vnd schimpffig (spiellustig) thier, dem menschen gantz angenäm.« Sie geht gemessen und tritt mit ihren Sammetpfötchen, deren Krallen sorgfältig eingezogen sind, so leise auf, daß ihr Gang für den Menschen vollkommen unhörbar wird. Bei jedem Schritte zeigt sich die Beweglichkeit, welche ihr eigenthümlich ist, verbunden mit größter Anmuth und Zierlichkeit. Nur wenn sie von einem anderen Thiere verfolgt oder plötzlich erschreckt wird, beschleunigt sie ihren Gang zu einem Laufe in schnell hinter einan der folgenden Sätzen oder Sprüngen, welche sie ziemlich rasch fördern und fast regelmäßig vor dem Verfolger retten, weil sie klug jeden Schlupfwinkel zu benutzen oder jede Höhe zu gewinnen weiß. Sie klettert durch Einhäkeln ihrer Krallen leicht und geschickt an Bäumen und rauhen oder weichen Mauern empor und ist im Stande, mit einem einzigen Satze eine Höhe von zwei bis drei Meter zu gewinnen. Im freien Felde läuft sie nicht eben rasch, wenigstens wird sie dort von jedem Hunde eingeholt. Ihre große Gewandtheit zeigt sich namentlich bei Sprüngen, welche sie freiwillig oder gezwungen ausführen muß. Sie mag fallen wie sie will, immer wird sie mit den Beinen den Boden erreichen und verhältnismäßig sanft auf die weichen Ballen der Füße fallen. Mir ist es niemals gelungen, eine Katze, welche ich mit dem Rücken nach unten dicht über einen Tisch oder über einen Stuhl hielt, so zu Falle zu bringen, daß sie mit dem Rücken aufschlug. Sie wendet sich, sobald man sie freiläßt, blitzschnell um und steht dann ganz harmlos und fest auf allen vier Füßen. Wie sie dies bei so kurzen Entfernungen anstellt, ist geradezu unerklärlich; beim Herabfallen aus bedeutender Höhe dagegen kann man es sich sehr wohl erklären, weil sie dann ihren gerade emporgestreckten Schwanz als Steuer benutzt und hierdurch die Richtung des Falles regelt. Das Schwimmen versteht sie auch, macht aber von dieser Fertigkeit bloß dann Gebrauch, wenn sie in die unangenehme Lage kommt, aus dem Wasser sich retten zu müssen. Freiwillig geht sie niemals in das Wasser, meidet sogar den Regen mit förmlicher Aengstlichkeit. Sie sitzt, wie der Hund, auf dem Hintertheile und stützt sich vorn mit beiden Füßen; im Schlafe rollt sie sich zusammen und legt sich auf eine Seite. Dabei sucht sie gern eine weiche und warme Unterlage auf, kann es aber nur selten vertragen, wenn sie auch bedeckt wird. Vor allem anderen benutzt sie das Heu zum Pfühl, wahrscheinlich, weil sie den Duft desselben gut leiden mag. Von solchem Lager nimmt ihr Fell einen höchst angenehmen Geruch an.

Bemerkenswerth ist die Biegsamkeit der an und für sich rauhen Stimme unserer Hauskatze. »Mauwend auff mancherley weyß, anderst so sy etwas häuschend, anders so sy liebkosend, anderst so sy sich zu streyt oder kampff stellend«, sagt schon Geßner sehr richtig. Der Hund ist nicht entfernt so ausdrucksfähig wie die Katze. Ihr »Miau« ändert in der verschiedensten Weise ab, wird bald kurz, bald lang, bald gedehnt, bald abgebrochen hervorgestoßen und damit bittend, klagend, verlangend, drohend; zu dem »Miau« treten aber auch noch andere Laute unnennbarer Art hinzu, welche unter Umständen sich vereinigen können zu einem Liede,

»… das Stein erweichen,
Menschen rasend machen kann«,
weil nicht bloß miauende, sondern auch knurrende, kreischende und dumpfbrüllende Laute und das absonderliche, allen Katzen eigenthümliche Fauchen in ihm abwechseln.

Unter den Sinnen der Katze sind Gefühl, Gesicht und Gehör die ausgezeichnetsten. Am schlechtesten ist wohl der Geruch, wie man sich sehr leicht selbst überzeugen kann, wenn man einer Katze irgendwelche Lieblingsnahrung so vorlegt, daß sie dieselbe nur durch die Nase ermitteln kann. Sie naht sich dem Gegenstande und wendet, wenn sie in seine nächste Nähe gekommen ist, den Kopf so vielfach hin und her, daß man gleich an diesen Bewegungen sieht, wie wenig der Geruchsinn sie leitet. Ist sie endlich nahe gekommen, so benutzt sie ihre Schnurrhaare, welche vortreffliche Tastwerkzeuge sind, noch immer weit mehr als die Nase. Man muß ihr eine Maus, welche man in der Handhöhlung versteckt, schon nahe vorhalten, ehe sie dieselbe riecht. Weit feiner  ist ihr Gefühl. Die Schnurrhaare zeigen dies am besten; denn man darf bloß ein einziges ganz leise berühren, so wird man sehen, wie die Katze augenblicklich zurückzuckt. Auch in den weichen Pfoten besitzt sie Tastgefühl, obschon in untergeordneterem Grade. Ausgezeichnet ist das Gesicht. Sie sieht ebenso gut bei Tage wie bei Nacht, ist fähig, bei verschiedenem Lichte ihren Augenstern passend einzurichten, d.h. ihn bei großer Helligkeit so zu verkleinern und bei Dunkelheit so zu vergrößern, daß ihr das Sinneswerkzeug jederzeit vortreffliche Dienste leistet. Und doch steht unter allen Sinnen das Gehör obenan. »Ich hatte mich«, sagt Lenz, »bei warmer stiller Luft in meinem Hofe auf einer Bank im Schatten der Bäume niedergelassen und wollte lesen. Da kam eins von meinen Kätzchen schnurrend und schmeichelnd heran und kletterte mir nach alter Gewohnheit auf Schulter und Kopf. Beim Lesen war das störend; ich legte also ein zu solchem Zwecke bestimmtes Kissen auf meinen Schoß, das Kätzchen darauf, drückte es sanft nieder, und nach zehn Minuten schien es fest zu schlafen, während ich ruhig las und um uns her Vögel sangen. Das Kätzchen hatte den Kopf, also auch die Ohren südwärts gerichtet. Plötzlich sprang es mit ungeheuerer Schnelligkeit rückwärts. Ich sah ihm erstaunt nach; da lief nordwärts von uns ein Mäuschen, von einem Busche zum anderen über glattes Steinpflaster, wo es natürlich gar kein Geräusch machen konnte. Ich maß die Entfernung, in welcher das Kätzchen die Maus hinter sich gehört hatte: sie betrug volle 44 Fuß nach hiesigem Maße.«

Das geistige Wesen der Katze wird gewöhnlich gänzlich verkannt. Man betrachtet sie als ein treuloses, falsches, hinterlistiges Thier, und glaubt, ihr niemals trauen zu dürfen. Viele Leute haben einen unüberwindlichen Abscheu gegen sie und geberden sich bei ihrem Anblicke wie nervenschwache Weiber oder ungezogene Kinder. In der Regel vergleicht man sie mit dem Hunde, mit welchem sie gar nicht verglichen werden darf, und gibt sich, weil man in ihr nicht gleich dessen Eigenschaften findet, nicht weiter mit ihr ab, sondern betrachtet sie schon von vornherein als ein Wesen, mit welchem überhaupt nichts zu machen ist. Selbst Naturforscher fällen einseitige Urtheile über sie; Giebel z.B. läßt sich in einem seiner neueren Werke wie folgt vernehmen: »Die hervorragendsten Züge im Katzencharakter sind Falschheit und Naschhaftigkeit, demnächst Eitelkeit und Liebe zur Reinlichkeit, Entschiedenheit und Bequemlichkeit. Die sprichwörtliche Falschheit äußert sich bei jeder Gelegenheit, beim Spiele, bei der Liebkosung; eine unsanfte Berührung, ein hartes Wort wird sofort mit derben Pfötchenschlägen oder mit Kratzen erwidert …. Die Katze ist Hausthier und dem Menschen dienstbar, nur soweit sie dabei ein bequemes, angenehmes Leben, zusagende Kost, Schutz gegen Kälte und rauhes Wetter und Befriedigung ihrer Eitelkeit findet; allem aber, was ihr im Hause nicht gefällt, tritt sie entschieden entgegen oder weicht ihm aus, um sich einer gewaltsamen Unterordnung nicht zu beugen …. Nur in der Stube und Küche gehorcht sie den Befehlen und Drohungen des Herrn, draußen geht sie ihren eigenen Weg, kein Rufen, kein Locken, keine Schmeicheleien veranlassen sie, ihren Herrn über die Straße zu begleiten, seltene und vereinzelte Fälle ausgenommen. Sie folgt und ist gehorsam nur da, wo sie gepflegt wird, und nur dem, welchem sie zu Danke verpflichtet ist; außerhalb dieses Bereiches kennt sie keine Unterwürfigkeit und schleicht als nächtlicher, mehr auf List als auf Kraft sich verlassender Räuber scheu und ängstlich vor etwaigen Störungen und Angriffen ihren Weg fort. In der That hält sie sich nur an das Haus, weil und soweit sie gepflegt wird«. Zwischen diesen Sätzen, welche ich herausgegriffen habe, kommen Schilderungen der Naschhaftigkeit unseres Hausfreundes, wie man sie von alten grämlichen Weibern vernimmt, und dergleichen mehr. Eine derartige Charakterzeichnung enthält wohl ein Körnlein Wahrheit, jedoch weit mehr Unrichtiges, und darf eher eine Verlästerung als eine Beschreibung der Katze genannt werden. Ich habe die Katze von Jugend auf mit Liebe beobachtet, und mich viel mit ihr beschäftigt, deshalb neige ich mich mehr der nachstehend wiedergegebenen Schilderung Scheitlins zu, welche auch vor der Giebelschen Auslassung jedenfalls Ursprünglichkeit, verständnisvolle Auffassung und gerechte Würdigung des Wesens der Katze voraus haben dürfte.

»Die Katze ist ein Thier hoher Natur. Schon ihr Körperbau deutet auf Vortrefflichkeit. Sie ist ein kleiner, netter Löwe, ein Tiger im verjüngten Maßstabe. Alles ist an ihr einhellig gebaut, kein Theil zu groß oder zu klein; darum fällt auch schon die kleinste Regelwidrigkeit an ihr auf. Alles ist rund, am schönsten die Kopfform, was man auch am entblößten Schädel wahrnehmen kann: kein Thierkopf ist schöner geformt. Die Stirne hat den dichterischen Bogen, das ganze Gerippe ist schön und deutet auf eine außerordentliche Beweglichkeit und Gewandtheit zu wellenförmigen oder anmuthigen Bewegungen. Ihre Biegungen geschehen nicht im Zickzack oder Spitzwinkel, und ihre Wendungen sind kaum sichtbar. Sie scheint keine Knochen zu haben und nur aus leichtem Teige gebaut zu sein. Auch ihre Sinnesfähigkeiten sind groß und passen ganz zum Körper. Wir schätzen die Katzen gewöhnlich viel zu niedrig, weil wir ihre Diebereien hassen, ihre Klauen fürchten, ihren Feind, den Hund, hochschätzen und keine Gegensätze, wenn wir sie nicht in einer Einheit auflösen, lieben können.

Richten wir nun unsere Aufmerksamkeit auf ihre Haupteigenheiten. Zuvörderst fällt uns ihre Gewandtheit auf. Körper und Seele sind gewandt, beide aus einem Gusse. Wie gewandt dreht sie sich in der Luft, wenn sie auch nur mit dem Rücken abwärts wenige Fuß hoch fällt. Schon der geringe Widerstand der Luft vermittelt ihr, wie bei den Vögeln, die Möglichkeit der Drehung. Wie gewandt erhält sie sich auf schmalen Kanten und Baumzweigen, selbst wenn diese kräftig geschüttelt werden! Halb körperlich und halb geistig ist ihre Liebe zur Reinlichkeit; sie leckt und putzt sich immerdar. Alle ihre Härchen vom Kopfe bis zur Schwanzspitze sollen in vollkommener Ordnung liegen; die Haare des Kopfes zu glätten und zu kämmen, beleckt sie die Pfoten und streicht dann diese über den Kopf; selbst die Schwanzspitze versäumt sie nicht. Den Unrath verbirgt sie, verscharrt ihn in selbstgegrabene Erdlöcher. Hat eine Katze, durch einen Hund erschreckt, ihre Haare gesträubt, so fängt sie an, sobald sie sich in Sicherheit weiß, dieselben am ganzen Leibe wieder in Ordnung zu bringen. Sie will auch das Fell rein haben. Sie leckt sich allen Schmutz ab; sie ist des Schweines Gegentheil.

Sie hat körperlichen Höhesinn, welcher aber, weil er Schwindelfreiheit und tüchtige Nerven erfordert, mit dem geistigen verwandt ist. Sie klettert an senkrechten Tannen bis zum Wipfel, ungewiß, ob und wie sie wieder herunterkönne. Sie hat auch ein bischen Furcht und bleibt zuweilen, bis sie hungert, droben und ruft um Hülfe; endlich wagt sie sich, aber nur rückwärts, herunter. Sie will immer das höchste, im Klettern die Vollendung, doch nicht, als ob sie die Gefahr nicht merke, was nur bei Thieren der unteren Klassen der Fall ist. Will man sie herunterstoßen, so klauet und klammert sie sich fest an.

Sie kennt den Raum und die Entfernungen sowie die geraden, schiefen und senkrechten Flächen genau; sie schaut, wenn sie einen ungewohnten Sprung thun will, berechnend nach, vergleicht dann ihre Kraft und Geschicklichkeit und prüft sich selbst. Sie wagt ihn vielleicht lange nicht. Hat sie ihn einmal gemacht und ist er gelungen, so ist er auf immer gemacht; gelang er nicht, so versucht sie ihn später mit vorwärts geschrittener Kraft und Geschicklichkeit wieder. Minder gut beurtheilt sie die Zeit. Daß sie die Mittagszeit kenne, weiß man wohl; denn sie kommt zur Stunde heim. Allein wegen ihres freieren Lebens auf den Höhen und ihren Nachtaugen bedarf sie mehr Raum- und Ort- als Zeit- und Stundensinn. Es mangelt ihr nicht an Farbensinn, ihrem Gehöre nicht an Tonsinn. Sie kennt den Menschen an seiner Kleidung und an seiner Stimme. Sie will zur Thür hinaus, wenn sie gerufen wird; sie hat ein vorzügliches Ortsgedächtnis und übt es. In der ganzen Nachbarschaft, in allen Häusern, Kammern, Kellern, unter allen Dächern, auf allen Holz-und Heuböden zieht sie herum. Sie ist ein völliges Ortsthier, daher ihre bekannte Anhänglichkeit mehr ans Haus als an die Bewohner. Sie zieht entweder nicht mit aus oder läuft wieder ins alte Haus. Unbegreiflich ist es, daß sie, stundenweit in einem Sacke getragen, ihr Haus, ihre Heimat wiederfinden kann.

Außerordentlich ist ihr Muth selbst gegen die allergrößten Hunde und Bullenbeißer, wie ungünstig ihr Verhältnis in Bezug auf Größe und Stärke sei. Sobald sie einen Hund wahrnimmt, krümmt sie den Rücken in einem ganz bezeichnenden Bogen, dem Katzenbuckel. Ihre Augen glühen Zorn oder plötzlich aufwallenden Muth nebst einer Art Abscheu. Sie speit schon von fern gegen ihn; sie will vielleicht entweichen, fliehen; sie springt im Zimmer aufs Gesimse, auf den Ofen oder will zur Thüre hinaus. Hat sie aber Junge, so stürzt sie, wenn er dem Neste nahe kommt, gräßlich auf ihn los, ist mit einem Satze auf seinem Kopfe und zerkratzt ihm die Augen, das Gesicht gar jämmerlich. Geht unter dieser Zeit ein Hund sie an, so hebt sie die Tatzen mit hervorgestreckten Klauen und weicht nicht. Hat sie noch den Rücken frei, so ist sie getrost; denn die Seiten kann sie mit ihren Hieben sichern; sie kann die Tatzen wie Hände gebrauchen. Es können fünf und noch mehr Hunde kommen, sie ordentlich belagern und gegen sie prallen, sie weicht nicht. Sie könnte mit einem Satze weit über sie hinausspringen, aber sie weiß, daß sie alsdann verloren sei; denn der Hund holte sie ein. Zieht dieser, ohne sie angegriffen zu haben, endlich sich zurück, so bleibt sie oft ganz ruhig sitzen, erwartet, wenn die Hunde wollen, noch zehn Angriffe und hält alle aus. Andere ersehen den Vortheil und erklettern schnell eine nahe Höhe. Dann sitzen sie droben und sehen in sich gekauert und mit halbverschlossenem Auge auf die Feinde, als wenn sie dächten, wer seinen sichern Schatz im Herzen trage, der könne ins Spiel der niederen Welt ganz ruhig schauen. Sie weiß, daß der Hund nicht klettern und nicht so hoch springen kann. Will aber der Mensch sie erfassen, so klettert sie höher und entspringt; ihn fürchtet sie mehr.

In freiem Felde verfolgte Katzen kehren, wenn sie sich stark fühlen, augenblicklich um und packen den Hund an. Erschrocken nimmt nun dieser die Flucht. Manche Katzen springen aus unbedingtem Hasse gegen alle Hunde, hängen sich am Kopfe fest und fahren ihnen mit den Klauen immer in die Augen. Es gibt Katzen, welche nur in der Küche leben, nie in die Stube kommen. Diese lassen gewiß keinen Hund einen Augenblick lang in der Küche; in dieser wollen sie Herren sein!

Zu ihrem Muthe gehört ihre Rauflust, ihre große Neigung zu Balgereien unter sich. Es geht dies schon aus ihrem Hange zum Spielen und ihrem Muthwillen hervor: sie sind Nachtbuben. Zwar schlagen sie sich auch bei Tage auf dem Dache herum, zerzupfen einander gräßlich und rollen auch, mit einander sich windend und kugelnd, über das Dach und durch die Luft auf die Straße herunter, sich sogar in der Luft raufend; dennoch führen sie am meisten Krieg in der Nacht, die Kater unter sich der Weiber willen. Mancher Kater kommt in gewissen Zeiten des Jahres beinahe alle Morgen mit blutigem Kopfe und zerzaustem Kleide heim; dann scheint er gewitzigt und daheim bleiben zu wollen, nicht lange aber; denn er vergißt seine Wunden, so schnell als sie heilen, und fällt dann in die alte Sünde zurück. Der Kater lebt oft wochenlang außer dem Hause in seiner grenzenlosen Freiheitssphäre; man hält ihn für verloren, unerwartet kommt er wieder zum Vorscheine. Die Miez hat viel mehr Haussinn, Nestsinn, wie alle Thierarten. Nicht immer sind die Raufer die stärksten, und nicht allemal sind die Kater die ärgsten Raufbolde; es gibt auch weibliche Haudegen, wilde Weiber. Solche rennen allen Katzen ohne Unterschied nach, fürchten die stärksten Kater nicht, fordern alle mit Worten und Tadel heraus und machen sich allen der ganzen, langen Straße furchtbar, soweit man von Dach zu Dach, ohne die Straße überschreiten zu müssen, kommen kann.

Mit ihrem Muthe ist ihre Unerschrockenheit und Gegenwart des Geistes vorhanden. Man kann sie nicht, so wie den Hund oder das Pferd, erschrecken, sondern nur verscheuchen. Diese haben mehr Einsicht, die Katze hat mehr Muth; man kann sie nicht stutzig machen, nicht in Verwunderung setzen. Man spricht viel von ihrer Schlauheit und List: mit Recht; listig harrt sie todtenstill vor dem Mauseloche, listig macht sie sich klein, harrt lange, schon funkeln – das Mäuschen ist erst halb heraus – ihre Augen und noch hält sie an. Sie ist Meister über sich, wie alle Listigen, und kennt den richtigen Augenblick.

Gefühl, Stolz, Eitelkeit hat sie nur in schwachem Grade; sie ist ja kein Geselligkeits-, sondern ein Einsamkeitswesen; sie freut sich keines Sieges und schämt sich auch nie. Wenn sie sich einer Sünde bewußt ist, fürchtet sie einzig die Strafe. Ist sie derb ausgescholten und geprügelt worden, so schüttelt sie den Pelz und – kommt nach wenigen Minuten unbehelligt wieder. Doch fühlt sie sich nicht wenig geschmeichelt, wenn man sie nach ihrem ersten Jagdmusterstücke auf eine Maus, die sie in die Stube bringt und vor die Augen der Leute legt, herzlich lobt. Sie kommt dann auch künftighin mit der Beute in die Stube und zeigt ihre große Kunst jedesmal an.

Man spricht von ihrer Schmeichelei und Falschheit, wohl gar von Rachsucht, doch viel zu viel. Gefällt ihr Jemand vorzugsweise, denn sie kann sehr lieben und sehr hassen, so drückt sie sich oft mit der Wange und den Flanken an Wange und Seiten desselben, kost auf jede Weise, springt am frühen Morgen auf sein Bett, legt sich ihm so nahe wie möglich und küßt ihn. Manchen Katzen ist freilich immer nicht ganz zu trauen. Sie beißen und kratzen oft, wenn man es sich gar nicht vermuthet. Allein in den meisten Fällen beruht ein solches Betragen nur auf Nothwehr, weil man sie ja doch auch gar zu oft falsch und hinterrücks plagt. Allerdings thut der Hund solches nicht, der Hund aber ist ein guter Narr. Wir dürfen die Ungutmüthigen doch nicht geradezu falsch nennen. Eigentlich falsche Katzen sind seltene Ausnahmen, deren es auch unter den Hunden gibt, wenn schon allerdings noch viel seltener. ›Falscher Hund‹ ist doch für den Mann, wie ›falsche Katze‹ fürs Weib eine Art Sprichwort. Was den Menschen falsch macht, das macht auch die vollkommeneren Thiere falsch.

Ihre Liebeszeit ist interessant. Der Kater ist alsdann wild, die Weiber, welche ihn aufsuchen, sitzen um ihn herum; er in der Mitte brummt seinen tiefen Baß hinzu, die Weiber singen Tenor, Alt, Diskant und alle möglichen Stimmen. Das Koncert wird immer wilder. Zwischeninnen schlagen sie einander die Fäuste ins Gesicht, und eben die Weiber, die ihn doch aufgesucht haben, wollen keineswegs, daß er sich ihnen nahe. Er muß alles erkämpfen. In mondhellen Nächten lärmen sie ärger als die wildesten Nachtbuben.«

Die Paarung der Hauskatze erfolgt gewöhnlich zweimal im Jahre, zuerst Ende Februars oder Anfangs März, das zweite Mal zu Anfang des Juni. Fünfundfunfzig Tage nach der Paarung wirft sie fünf bis sechs Junge, welche blind geboren werden und erst am neunten Tage sehen lernen. Gewöhnlich erfolgt der erste Wurf Ende Aprils oder Anfangs Mai, der zweite Anfangs August. Die Mutter sucht vorher immer einen verborgenen Ort auf, meist den Heuboden oder nicht gebrauchte Betten, und hält ihre Jungen so lange als möglich verborgen, namentlich aber vor dem Kater, welcher dieselben auffrißt, wenn er sie entdeckt. Merkt sie Gefahr, so trägt sie die Thierchen im Maule nach einem anderen Orte; raubt man ihr die geliebten Kleinen, so sucht sie lange umher, in der Hoffnung, sie wieder aufzufinden. »Einmal«, so schreibt mir ein Freund der Katze, »hatten wir alle Jungen unserer Mieze zu einem Tagelöhner gegeben, welcher wohl an tausend Schritte von unserem Hause entfernt wohnte. Am anderen Morgen befanden sich alle Jungen wieder auf dem alten Platze im Hause. Mieze war mit ihnen durch den oberen Fensterflügel des fremden Hauses auf die Straße gesprungen, hatte mit der Last im Maule den reißenden Bach überschritten und sich durch ein Fenster unseres Hauses Eingang zu verschaffen gewußt. So geschah es noch zweimal, obgleich wir die Jungen jedesmal an einen anderen Ort gebracht hatten.« Die jungen Kätzchen sind außerordentlich hübsche, schmucke Thierchen. »Ihre erste Stimme«, bemerkt Scheitlin noch, »ist auffallend zart; sie deutet auf sehr viel Kindisches. Sehr unruhig, wie sie sind, kriechen sie zuweilen noch blind aus dem Neste. Die Mutter holt sie wieder herein. Wenn nur ein Aeuglein geöffnet ist, ist ihres Bleibens nicht mehr, und sie kriechen überall in der Nähe herum, immer miauend. Sogleich fangen sie mit allem Rollenden, Laufenden, Schleichenden, Flatternden zu tändeln an; es ist der erste Anfang des Triebes, Mäuse und Vögel zu fangen. Sie spielen mit dem stets wedelnden Schwanze der Mutter und mit ihrem eigenen, wenn er so lang gewachsen, daß die Vorderpfote sein Ende erreichen kann; sie beißen auch hinein und merken zuerst nicht, daß er auch noch zu ihrem Körper, auch noch zu ihnen gehöre, sowie das Menschenkind in die zum Munde heraufgebogenen Zehen beißt, weil es sie für etwas ihm Fremdes hält. Sie machen die sonderbarsten Sprünge und die artigsten Wendungen. Ihr Thun und Spielen, in welchem sie sich wie Kinder und als Kinder selbst unaussprechlich wohlgefallen, kann sie und die ihnen wohlwollenden Menschen stundenlang beschäftigen. Sobald ihre Augen aufgethan sind, können sie auch gutes und böses, d.h. Freund und Feind, unterscheiden. Geht ein Hund sie bellend an, so machen sie schon einen Buckel und speien ihn an. Sie werden als kleine Löwen geboren.«

Der Mutter Liebe zu den Jungen ist großartig. Sie bereitet den noch Ungeborenen ein Nest und trägt sie augenblicklich von einem Orte zum anderen, sowie sie Gefahr für sie fürchtet; dabei faßt sie zart nur mit den Lippen ihre Haut im Genicke an und trägt sie so sanft dahin, daß die Miezchen davon kaum etwas merken. Während sie säugt, verläßt sie die Kinder bloß, um für sich und sie Nahrung zu holen. Manche Katzen wissen mit ihren ersten Jungen nicht umzugehen, und es muß ihnen von den Menschen oder von alten Katzen erst förmlich gezeigt werden, wie sie sich zu benehmen haben. Mir hat ein glaubwürdiger Mann versichert, daß er selbst gesehen habe, wie eine alte Katze einer jüngeren während ihrer ersten Geburt behülflich war, indem sie die Nabelschnuren der Jungen abbiß und anstatt der unkundigen Mutter sie auch gleich beleckte und erwärmte. Eine andere Katze hatte sich gewöhnt, die Mäuschen, welche sie gefangen hatte, immer am Schwanze zu tragen, und wandte diese Art der Fortschaffung später auch bei den ersten ihrer eigenen Jungen an. Dabei ging es aber nicht so gut wie bei den Mäuschen; denn die jungen Kätzchen klammerten sich am Boden fest und verhinderten so die Alte, sie fortzuschaffen. Die Herrin der Wöchnerin zeigte ihr, wie sie ihre Kinder zu behandeln habe. Sie begriff dies augenblicklich und trug später ihre Kleinen immer, wie andere Mütter sie tragen. Daß alle Katzen mit der Zeit viel besser lernen, wie sie ihre Kinder zu behandeln haben, ist eine ausgemachte Thatsache.

Wenn sich einer säugenden Katze ein fremder Hund oder eine andere Katze nähert, geht sie mit der größten Wuth auf den Störenfried los, und selbst ihren Herrn läßt sie nicht gern ihre niedlichen Kinderchen berühren. Dagegen zeigt sie zu derselben Zeit gegen andere Thiere ein Mitleiden, welches ihr alle Ehre macht. Man kennt vielfache Beispiele, daß säugende Katzen kleine Hündchen, Füchschen, Kaninchen, Häschen, Eichhörnchen, Ratten, ja sogar Mäuse säugten und groß zogen, und ich selbst habe als Knabe mit meiner Katze derartige Versuche gemacht und bestätigt gefunden. Einer jung von mir aufgezogenen Katze brachte ich, als sie das erste Mal Junge geworfen hatte, ein noch blindes Eichhörnchen, das einzige überlebende von dem ganzen Wurfe, welchen wir hatten großziehen wollen. Die übrigen Geschwister des kleinen netten Nagers waren unter unserer Pflege gestorben, und deshalb beschlossen wir, zu versuchen, ob nicht unsere Katze sich der Waise annehmen werde. Und sie erfüllte das in sie gesetzte Vertrauen. Mit Zärtlichkeit nahm sie das fremde Kind unter ihre eigenen auf, nährte und wärmte es aufs beste und behandelte es gleich vom Anfange an mit wahrhaft mütterlicher Hingebung. Das Eichhörnchen gedieh mit seinen Stiefbrüdern vortrefflich und blieb, nachdem diese schon weggegeben waren, noch bei seiner Pflegemutter. Nunmehr schien diese das Geschöpf mit doppelter Liebe anzusehen. Es bildete sich ein Verhältnis aus, so innig, als es nur immer sein konnte. Mutter und Pflegekind verstanden sich vollkommen, die Katze rief nach Katzenart, Eichhörnchen antwortete mit Knurren. Bald lief es seiner Pflegerin durch das ganze Haus und später auch in den Garten nach. Dem natürlichen Triebe folgend, erkletterte das Eichhörnchen leicht und gewandt einen Baum, die Katze blinzelte nach ihm empor, augenscheinlich höchst verwundert über die bereits so frühzeitig ausgebildete Geschicklichkeit des Grünschnabels, und kratzte wohl auch schwerfällig hinter ihm drein. Beide Thiere spielten mit einander, und wenn auch Hörnchen sich etwas täppisch benahm, der gegenseitigen Zärtlichkeit that dies keinen Eintrag, und die geduldige Mutter wurde nicht müde, immer von neuem wieder das Spiel zu beginnen. Es würde zu weit führen, wenn ich das ganze Verhältnis zwischen beiden genau schildern wollte; außerdem habe ich den Fall auch bereits in der »Gartenlaube« mitgetheilt. So mag es genügen, wenn ich sage, daß das Hörnchen durch einen unglücklichen Zufall leider bald sein Leben verlor, die Katze aber ihre Liebe zu Pfleglingen trotzdem beibehielt. Sie säugte später junge Kaninchen, Ratten, junge Hunde groß, und Nachkommen von ihr zeigten sich der trefflichen Mutter vollkommen würdig, indem sie ebenfalls zu Pflegerinnen anderer verwaister Geschöpfe sich hergaben. In meinem Aufsatze in der Gartenlaube habe ich auch noch eine anziehende Geschichte mitgetheilt. Eine säugende Katze nämlich wurde durch irgend einen Zufall plötzlich von ihren Kindern getrennt, und diese geriethen somit in Gefahr, zu verkümmern. Da kam der Besitzer der kleinen Gesellschaft auf einen guten Gedanken. Des Nachbars Katze hatte Junge gehabt, war aber derselben beraubt worden. Diese wurde nun als Pflegemutter ausersehen und gewonnen. Sie unterzog sich bereitwillig der Pflege der Stiefkinder und behandelte sie ganz wie ihre eigenen. Plötzlich aber kehrte die rechte Mutter zurück, jedenfalls voller Sorgen für ihre lieben Sprößlinge. Zu ihrer höchsten Freude fand sie diese in guten Händen – und, siehe da! beide Katzenmütter vereinigten sich fortan in der Pflege und Erziehung der Kleinen und ernährten und vertheidigten sie gemeinschaftlich auf das kräftigste.

Giebel erklärt solche Beweise der Mutterliebe und Pflegelust wie folgt. »Die Mieze legt in dieser Zeit«, d.h. wenn sie Junge hat, »ihre Blutgier ganz ab und säugt sogar Ratten, Mäuse, Kaninchen, Hasen und Hunde auf, wenn dieselben an ihre Zitzen gelegt werden. Auch darin darf man, obwohl die Anhänglichkeit an die Pfleglinge noch lange sich äußert, keine eigentliche Liebe erkennen wollen, sie nimmt die fremde Brut nur an, um den Reiz in ihren Milchdrüsen und Zitzen zu stillen.« Ich habe nichts einzuwenden gegen eine materialistische Deutung der Geistesthätigkeit, sobald jene mir begründet erscheint, könnte mich vielleicht auch mit der eben gegebenen Erklärung der Mütterlichkeit befriedigen lassen, hätte Giebel nur gesagt, was man unter »eigentlicher Liebe« zu verstehen habe. Daß Katzenmütter, denen man, unmittelbar nachdem sie geworfen haben, ihre sämmtlichen Jungen nimmt, infolge des Reizes ihrer strotzenden Milchdrüsen selbst darauf ausgehen, sich andere Säuglinge zu verschaffen, ältere Junge wieder saugen lassen, junge Hündchen, Häschen, Ratten und dergleichen herbeischleppen und diese an ihr Gesäuge legen, ist mir durch verbürgte Mittheilungen thatsächlich beobachteter Fälle wohl bekannt; solche Fälle erscheinen mir jedoch aus dem Grunde nicht maßgebend zu sein, weil säugende Katzen, auch wenn man ihnen ihre Jungen läßt, andersartige hülflose Thierchen an- und aufnehmen. Hier handelt es sich nicht mehr einzig und allein um Stillung des durch die überfüllten Milchdrüsen verursachten Reizes, sondern um eine Pflegelust, welche keineswegs in dem »Ablegen der Blutgier«, wohl aber in der durch die Liebe zu den eigenen Kindern wachgerufenen Gutmüthigkeit, um nicht zu sagen Barmherzigkeit, Erklärung findet. Von einem Ablegen der Blutgier kann nicht gesprochen werden; denn die Mieze raubt, während sie Junge hat, nach wie vor, ja sogar eifriger als je; wohl aber darf man an zarte Neigungen und Empfindungen der Katze gegen Unmündige glauben. Wenn es, meine ich, ein Thier gibt, bei welchem sich das, was wir Mutterliebe nennen, in der unverkennbarsten Weise bekundet, so ist es die Katze. Hieran zu zweifeln oder auch nur zu deuteln, zeigt gänzlichen Mangel an Verständnis der geistigen Aeußerungen des Thieres. Man beobachte nur eine Katzenmutter mit ihren Kindern, und man wird sicherlich zu anderen Anschauungen gelangen.

Keine Menschenmutter kann mit größerer Zärtlichkeit und Hingebung der Pflege ihrer Kinderchen sich widmen als die Katze. In jeder Bewegung, in jedem Laute der Stimme, in dem ganzen Gebaren gibt sich Innigkeit, Sorgsamkeit, Liebe und Rücksichtsnahme nicht allein auf die Bedürfnisse, sondern auch auf die Wünsche der Kinderchen kund. So lange diese klein und unbehülflich sind, beschäftigt sich die Alte hauptsächlich nur mit ihrer Ernährung und Reinigung. Behutsam nähert sie sich dem Lager, vorsichtig setzt sie ihre Füße zwischen die krabbelnde Gesellschaft, leckend holt sie eines der Kätzchen nach dem anderen herbei, um es an das Gesäuge zu bringen, ununterbrochen bestrebt sie sich, jedes Härchen glatt zu legen, Augen und Ohren, selbst den After rein zu halten. Noch äußert sich ihre Liebe ohne Laute: sie liegt stumm neben den Kleinen, spinnt höchstens dann und wann, gleichsam um sich die Zeit, welche sie den Kinderchen widmen muß, zu kürzen. Scheint es ihr nöthig zu sein, das Lager zu wechseln, so faßt sie eines der Kätzchen mit zartester Behutsamkeit an dem faltigen Felle der Genickgegend, mehr mit den Lippen als mit den scharfen Zähnen zugreifend, und trägt es, ohne daß ihm auch nur Unbehagen erwächst, einem ihr sicherer dünkenden Orte zu, die Geschwister eilig nachholend. Ist sie sich der Freundlichkeit ihres Herrn bewußt, so läßt sie es gern geschehen, wenn dieser sie bei solcher Umlegung der Jungen unterstützt, fügt sich seinem Ermessen oder geht, bittend miauend, ihm voraus, um das ihr erwünschte Plätzchen zu zeigen. Die Jungen wachsen heran, und die Mutter ändert im vollsten Einklange mit dem fortschreitenden Wachsthume allgemach ihr Benehmen gegen sie. Sobald die Aeuglein der Kleinen sich geöffnet haben, beginnt der Unterricht. Noch starren diese Aeuglein blöde ins weite; bald aber richten sie sich entschieden auf einen Gegenstand: die ernährende Mutter. Sie beginnt jetzt, mit ihren Sprößlingen zu reden. Ihre sonst nicht eben angenehm ins Ohr fallende Stimme gewinnt einen Wohlklang, welchen man ihr nie zugetraut hätte; das »Miau« verwandelt sich in ein »Mie«, in welchem alle Zärtlichkeit, alle Hingebung, alle Liebe einer Mutter liegt; aus dem sonst Zufriedenheit und Wohlbehagen, oder auch Bitte ausdrückendem »Murr« wird ein Laut, so sanft, so sprechend, daß man ihn verstehen muß als den Ausdruck der innigsten Herzensliebe zu der Kinderschar. Bald auch lernt diese begreifen, was der sanfte Anruf sagen will: sie lauscht, sie achtet auf denselben und kommt schwerfällig, mehr humpelnd als gehend, herbeigekrochen, wenn die Mutter ihn vernehmen läßt. Die ungefügen Glieder werden gelenker, Muskeln, Sehnen und Knochen fügen sich allgemach dem erwachenden und rasch erstarkenden Willen: ein dritter Abschnitt des Kinderlebens, die Spielzeit, der Katze beginnt. »Goppend mit mancherley Ding so ihnen fürgeworffen oder nachgeschleipfft wirt, treybend wundbarlich holdsälig und lieblich schimpffbossen«, sagt schon der alte Geßner, und fügt hinzu »So schimpffig ist sy, daß sy auch zu Zeyten mit jrem eigenen schatten, bildtnuß vor einem spiegel oder wasser, auch mit jrem schwantz goppet.« Diese Spielseligkeit der Katze macht sich schon in frühester Jugend bemerklich, und die Alte thut ihrerseits alles, sie zu unterstützen. Sie wird zum Kinde mit den Kindern, aus Liebe zu ihnen, genau ebenso, wie die Menschenmutter sich herbeiläßt, mit ihren Sprößlingen zu tändeln. Mit scheinbarem Ernste sitzt sie mitten unter den Kätzchen, bewegt aber bedeutsam den Schwanz, in welchem schon Geßner den Zeiger der Seelenstimmung erkannte: »anderst synd sy gesinnet, so sy den schwantz henckend, anderst so sy jn grad herauff streckend oder krümmend«. Die Kleinen verstehen zwar diese Sprache ohne Worte noch nicht, werden aber gereizt durch die Bewegung. Ihre Aeuglein gewinnen Ausdruck, ihre Ohren strecken sich. Plump täppisch häkelt das eine und andere nach der sich bewegenden Schwanzspitze; dieses kommt von vorn, jenes von hinten herbei, eines versucht über den Rücken wegzuklettern und schlägt einen Purzelbaum, ein anderes hat eine Bewegung der Ohren der Mutter erspäht und macht sich damit zu schaffen, ein fünftes liegt noch unachtsam am Gesäuge. Die gefällige Alte läßt, mit mancher Menschenmutter zu empfehlenden Seelenruhe, alles über sich ergehen. Kein Laut des Unwillens, höchstens gemüthliches Spinnen macht sich hörbar. So lange noch eines der Jungen saugt, wird es verständnisvoll bevorzugt; sobald aber auch dieses sich genügt hat, such sie selbst die kindischen Possen, zu denen bisher nur die sich bewegende Schwanzspitze aufforderte, nach Kräften zu unterstützen. Ihre wundervolle Beweglichkeit und Gewandtheit zu Gunsten der täppischen Kleinen beschränkend, ordnet und regelt nun sie das bis jetzt ziellos gewesene Spiel. Bald liegt sie auf dem Rücken und spielt mit Vorder- und Hinterfüßen, die Jungen wie Fangbälle umherwerfend; bald sitzt sie mitten unter der sich balgenden Gesellschaft, stürzt mit einem Tatzenschlage das eine Junge um, häkelt das andere zu sich heran, und lehrt durch unfehlbare Griffe der trotz aller Unruhe achtsamen Kinderschar sachgemäßen Gebrauch der krallenbewehrten Pranken; bald wieder erhebt sie sich, rennt eiligen Laufes eine Strecke weit weg und lockt dadurch das Völkchen nach sich, offenbar in der Absicht, ihm Gelenkigkeit und Behendigkeit beizubringen. Nach wenigen Lehrstunden haben die Kätzchen überraschende Fortschritte gemacht. Von ihren gespreizten Stellungen, ihrem wankenden Gange, ihren täppischen Bewegungen ist wenig mehr zu bemerken. Im Häkeln mit den Pfötchen, im Fangen sich bewegender Gegenstände bekunden sie bereits merkliches Geschick. Nur das Klettern verursacht noch Mühe, wird jedoch in fortgesetztem Spiele binnen kurzem ebenfalls erlernt. Nunmehr scheint der Alten die Zeit gekommen zu sein, auch das in den Kinderchen noch schlummernde Raubthier zu wecken. Anstatt des Spielzeuges, zu welchem jeder leicht bewegliche Gegenstand dienen muß, anstatt der Steinchen, Kugeln, Wollflecken, Papierfetzen und dergleichen, bringt sie eine von ihr gefangene, noch lebende und möglich wenig verletzte Maus oder ein erbeutetes, mit derselben Vorsicht behandeltes Vögelchen, nöthigenfalls eine Heuschrecke, in das Kinderzimmer. Allgemeines Erstaunen der kleinen Gesellschaft, doch nur einen Augenblick. Bald regt sich die Spielsucht mächtig, kurz darauf auch die Raublust. Solcher Gegenstand ist denn doch zu verlockend für das bereits wohlgeübte Raubzeug. Er bewegt sich nicht bloß, sondern leistet auch Widerstand. Hier muß derb zugegriffen und festgehalten werden: so viel ergibt sich schon bei den ersten Versuchen; denn die Maus entschlüpfte Murnerchen, welcher sie doch sicher gefaßt zu haben vermeinte, überraschend schnell und konnte nur durch die achtsame Mutter an ihrer Flucht gehindert werden. Der nächste Fangversuch fällt schon besser aus, bringt aber einen empfindlichen Biß ein: Miezchen schüttelt bedenklich das verletzte Pfötchen. Doch schon hat Hinzchen die Unbill gerächt und den Nager so fest gepackt, daß kein Entrinnen mehr möglich: das Raubthier ist fertig geworden.

Genau in derselben Weise wie ihre eigenen Jungen behandelt die Katze ihre Pflegekinder. Sie reinigt diese mit derselben Sorgfalt, bemuttert sie mit derselben Zärtlichkeit, versucht, sie mit demselben Eifer zu unterrichten, führt und leitet sie noch lange Zeit. Und dies alles geschieht bloß deshalb, weil sie die strotzenden Milchdrüsen drücken? Das nehme als Ergebnis eingehender Beobachtungen an, wer da will und mag; ich meinestheils halte es für den Ausdruck »eigentlicher Liebe«.

Gewöhnlich nimmt man an, daß die Katze nicht erziehungsfähig sei, thut ihr damit aber großes Unrecht. Sie bekundet, wenn sie gut und verständig behandelt worden ist, innige Zuneigung zu dem Menschen. Es gibt Katzen, und ich kannte selbst solche, welche schon mehrere Male mit ihren bezüglichen Herrschaften von einer Wohnung in die andere gezogen sind, ohne daß es ihnen eingefallen wäre, nach dem alten Hause zurückzukehren. Sie urtheilten eben, daß der Mensch in diesem Falle ihnen mehr werth sei als das Haus. Andere Katzen kommen, sobald sie ihren Herrn von weitem sehen, augenblicklich zu demselben heran, schmeicheln und liebkosen ihm, spinnen vertraulich und suchen ihm auf alle Weise ihre Zuneigung an den Tag zu legen. Sie unterscheiden dabei sehr wohl zwischen ihnen bekannten und fremden Personen und lassen sich von ersteren, zumal von Kindern, unglaublich viel gefallen, freilich nicht so viel wie alle Hunde, aber doch ebenso viel wie manche. Andere Katzen begleiten ihre Herrschaft in sehr artiger Weise bei Spaziergängen durch Hof und Garten, Feld und Wald: ich selbst kannte zwei Kater, welche sogar den Gästen ihrer Gebieterin in höchst liebenswürdiger Weise das Geleit gaben, zehn bis fünfzehn Minuten weit mitgingen, dann aber mit Schmeicheln und wohlwollendem Schnurren Abschied nahmen und zurückkehrten. Katzen befreunden sich aber auch mit Thieren. Man kennt viele Beispiele von den innigsten Freundschaften zwischen Hunden und Katzen, welche dem lieben Sprichworte gänzlich widersprechen. Von einer Katze wird erzählt, daß sie es sehr gern gehabt habe, wenn sie ihr Freund, der Hund, im Maule in der Stube hin und her trug; von anderen weiß man, daß sie bei Beißereien unter Hunden ihren Freunden nach Kräften beistanden, und ebenso auch, daß sie von den Hunden bei Katzenbalgereien geschützt wurden.

Manche Katzen liefern außerordentliche Beweise ihrer Klugheit. Solche von echten Vogelliebhabern werden nicht selten soweit gebracht, daß sie den gefiederten Freunden ihres Herrn nicht das geringste zu Leide thun. Giebel beobachtete, daß sein schöner Kater, Peter genannt, eine Bachstelze, welche genannter Naturforscher im Zimmer hielt, wiederholt mit dem Maule aus dem Hofe zurückbrachte, wenn der Vogel seine Freiheit gesucht hatte,–natürlich, ohne ihm irgendwie zu schaden. Ein ganz gleiches Beispiel ist mir aus meinem Heimatdorfe bekannt geworden. Dort brachte die Katze eines Vogelfreundes zur größten Freude ihres Herrn diesem ein seit mehreren Tagen schmerzlich vermißtes Rothkehlchen zurück, welches sie also nicht nur erkannt, sondern auch gleich in der Absicht gefangen hatte, ihrem Gebieter dadurch eine Freude zu bereiten! Gestützt auf diese Thatsachen, glaube ich, daß auch folgende Geschichte buchstäblich wahr ist: Eine Katze lebte mit dem Kanarienvogel ihres Herrn in sehr vertrauten Verhältnissen und ließ sich ruhig gefallen, daß dieser sich auf ihren Rücken setzte und förmlich mit ihr spielte. Eines Tages bemerkt ihr Gebieter, daß sie plötzlich mit großer Hast und scheinbarer Wuth auf den Kanarienvogel losstürzt, ihn mit den Zähnen faßt und knurrend und brummend ein Pult erklettert, den Kanarienvogel dabei immer fest in den Zähnen haltend. Man schreit auf, um den Vogel zu befreien, bemerkt aber gleichzeitig eine fremde Katze, welche zufällig in das Zimmer gekommen ist, und erkennt erst jetzt Miezchens gutes Herz. Sie hatte ihren Freund vor ihrer Schwester, welcher sie doch nicht recht trauen mochte, schützen wollen.

Es gibt noch weitere Belege für den Verstand dieses vortrefflichen Thieres. Unsere Hauskatze hatte in dem schönen Mai des Jahres 1859 vier allerliebste Junge auf dem Heuboden geworfen und dort sorgfältig vor aller Augen verborgen. Trotz der größten Mühe konnte das Wochenbett erst nach zehn bis zwölf Tagen entdeckt werden. Als dies aber einmal geschehen war, gab sich Miez auch weiter gar keine Mühe, ihre Kinder zu verstecken. So mochten ungefähr drei oder vier Wochen hingegangen sein, da erscheint sie plötzlich bei meiner Mutter, schmeichelt und bittet, ruft und läuft nach der Thüre, als wolle sie den Weg weisen. Meine Eltern folgen ihr nach, sie springt erfreut über den Hof weg, verschwindet auf dem Heuboden, kommt über der Treppe zum Vorscheine, wirft von oben herab ein junges Kätzchen auf ein Heubündel, welches unten liegt, springt ihm nach und trägt es bis zu meiner Mutter hin, zu deren Füßen sie es niederlegt. Das Kätzchen wird freundlich auf-und angenommen und geliebkost. Mittlerweile ist die Katze wieder auf dem Heuboden angelangt, wirft ein zweites ihrer Kinder gleicher Weise herab, trägt es aber bloß einige Schritte weit und ruft und schreit, als verlange sie, daß man es von dort abhole. Diese Bitte wird gewährt, und jetzt wirft die faule Mutter ihre beiden anderen Kinder noch herab, ohne aber nur im geringsten mit deren Fortschaffung sich zu befassen, und erst als ihr ganz entschieden bedeutet wird, daß man die Kleinen liegen lasse, entschließt sie sich, dieselben fortzuschleppen. Wie sich ergab, hatte die Katze fast gar keine Milch mehr, und klug genug, wie sie war, sann sie deshalb darauf, diesem Uebelstande so gut als möglich abzuhelfen, brachte also ihr ganzes Kindernest jetzt zu ihrem Brodherrn.

Dieselbe Katze bekundete eine Anhänglichkeit an meinen Vater, welche von der des treuesten Hundes nicht hätte übertroffen werden können. Sie wußte, daß sie dieses ausgezeichneten Thierkenners und Thierfreundes Liebling war, und bemühete sich, dankbar zu sein. Jeden Vogel, welchen sie gefangen hatte, brachte sie, und zwar kaum oder nicht verletzt, ihrem Herrn, es ihm gleichsam anheimgebend, ob derselbe wiederum in Freiheit gesetzt oder für die Sammlung verwendet werden sollte; niemals aber vergriff sie sich, was andere Katzen nicht selten thun, an den ausgestopften Stücken der Sammlung, durfte deshalb auch unbedenklich im Zimmer gelassen werden, wenn alle Tische und Schränke voller Bälge lagen. Auf den ersten Ruf meines Vaters erschien sie sofort, schmeichelnd oder bettelnd, je nachdem sie erkannt hatte, ob sie bloß zur Gesellschaft dienen oder einen ihr aufgesparten Bissen erhalten sollte. Schrieb oder las mein Vater, so saß sie in der Regel, behaglich spinnend, auf seiner Schulter; verließ er das Haus, gab sie ihm das Geleite. Während der letzten Krankheit ihres Gebieters, dessen reger Geist bis zum letzten Augenblicke thätig war, besuchte sie ihn täglich stundenlang, versuchte auch noch außerdem, ihm Freude zu bereiten. In den mit Vogelbälgen angefüllten Kistchen und Schachteln fanden wir fast täglich frisch gefangene und getödtete Vögel, welche sie zu den ausgestopften gelegt hatte. Nenne man dies Eitelkeit, sage man, daß sie dafür gelobt sein wollte: Verständnis für die Wünsche ihres Herrn und guten Willen, letztere zu erfüllen, wird man solchen Handlungen nebenbei doch zusprechen müssen. Ich will es als einen Zufall gelten lassen, daß dieses treffliche Thier von der Leiche und von dem Sarge meines Vaters gutwillig nicht weichen wollte und, weggenommen, immer wieder zurückkehrte; erwähnenswerth scheint mir die Thatsache aber doch zu sein.

Auch Lenz erzählt mehrere hübsche Geschichten, welche den Verstand der Katze beweisen. Ein Herr in Waltershausen besaß einen Kater, welcher gewöhnt war, nie etwas vom Tische zu nehmen. Einst kam ein neuer Hund ins Haus, der gern naschte und zu diesem Zwecke auch auf Stühle und Tische sprang. Der Kater sah einige Male mit verdrießlichem Gesichte zu, dann setzte er sich nahe an den Tisch und war, sowie der Hund auf den Stuhl sprang, schon auf dem Tische und gab dem Näscher eine tüchtige Maulschelle. Eine andere Katze, welche der Forstrath Salzmann besaß, war durch einige gelinde Schläge und Drohungen vermocht worden, die Stubenvögel, deren Käfige in dem Fenster standen, in Ruhe zu lassen. Eines ihrer Jungen, welches bei ihr blieb, zeigte bald ein Gelüste nach den Vögeln. Es sprang auf den Stuhl, von da ins Fenster und wollte eben einen Braten aus dem Käfige holen, als es von einer menschlichen Hand bei dem Kopfe genommen, durch einige Hiebe eines besseren belehrt und auf den Boden gesetzt wurde. Die Alte hatte den Versuch zum bösen und die Abstrafung mit angesehen, war beim Nothgeschrei herbeigeeilt und leckte jetzt ihrem Schoßkindchen mitleidig die Hiebe ab. Dasselbe geschah noch zweimal; doch das Kätzchen wollte seine Begierde nicht zügeln und wandelte ferner auf dem Wege der Sünde. Aber die Alte ließ es nun nicht mehr aus dem Auge, sondern sprang jedesmal, wenn es zum Fenster wollte, auf den Stuhl und gab dem unbesonnenen Dinge gehörige Schläge. Da ersah sich das Kätzchen einen anderen Weg, kroch auf ein Pult, welches nahe am Fenster stand, und ging von da gerade auf die Vögel los. Die Alte aber, welche das verwegene Unternehmen bemerkt hatte, war mit einem Sprunge oben und brachte ihre Ohrfeigen so richtig an, daß von nun an jeder Raubzug unterblieb.

»Vor sehr kurzer Zeit«, so erzählt eine Katzenfreundin in Wood’s »Natural History« »starb eine der ausgezeichnetsten und vortrefflichsten Katzen, welche jemals eine Maus fing oder auf der Herdmatte saß. Ihr Name war Pret, eine Abkürzung von Prettina (Hübschchen), und sie trug diesen Namen mit vollster Berechtigung; denn sie war ebenso schön von Farbe als seidenweich von Haar. Sie war die klügste, liebenswürdigste, lebendigste Katze, welche mir jemals meinen Weg gekreuzt hat. Als sie noch sehr jung war, wurde ich am Nervenfieber krank. Sie vermißte mich augenblicklich, suchte mich und setzte sich so lange an die Thüre des Krankenzimmers, bis sie Gelegenheit fand, durch dieselbe zu schlüpfen. Hier that sie nun ihr bestes, um mich nach ihren Kräften zu unterhalten und zu erheitern. Da sie jedoch fand, daß ich zu krank war, als daß ich mit ihr hätte spielen können, setzte sie sich an meine Seite und schwang sich förmlich zu meiner Krankenwärterin auf. Wenig Menschen dürften im Stande gewesen sein, es ihr in ihrer Wachsamkeit gleich zu thun oder eine zärtlichere Sorgfalt für mich an den Tag zu legen. Es war wirklich wunderbar, wie schnell sie die verschiedenen Stunden kennen lernte, zu welchen ich Arznei oder Nahrung nehmen mußte, und während der Nacht weckte sie meine Wärterin, welche zuweilen in den Schlaf fiel, regelmäßig zur bestimmten Zeit dadurch auf, daß sie dieselbe sanft in die Nase biß. Auf alles, was mir geschah, gab sie genau Achtung, und sobald ich mich nach ihr umsah, erschien sie augenblicklich mit freundlichem Schnurren bei mir. Das allerwunderbarste war unbedingt der Umstand, daß sie kaum um fünf Minuten in ihren Berechnungen sich irrte, es mochte Tag oder Nacht sein. In dem Zimmer, in welchem ich lag, war keine schlagende Uhr, und gleichwohl wußte sie ganz genau, in welcher Zeit wir lebten.

Ich bezweifle, daß irgend ein anderes Thier so sehr verlangt geliebt zu werden, wie die Katze, oder so fähig ist, die ihr erwiesene Liebe zu erwidern. Pret war groß in ihrer Liebe, und ihr Haß galt nur wenigen. Das grollende Rollen des Donners erfüllte sie mit Schreck, die gellenden, herzzerreißenden Töne von allerhand Drehorgeln haßte sie von Herzen. Bei Gewittern eilte sie zitternd in meinen Schoß, um sich dort Hülfe zu erbitten, oder versteckte sich auch wohl unter den Kleidern. Die Musik liebte sie nicht, am allerwenigsten aber die Drehorgel; doch ist es möglich, daß mehr die schlechte Kleidung der Leute ihr Auge verletzte als die abscheulichen Töne ihr Ohr. Auffallend gekleidete Personen waren ihr ein Greuel, und sobald sich Jemand nahte, welcher häßlich gekleidet war, zeigte sie durch ärgerliches Brummen ihre Stimmung an.

Ihre Klugheit bekundete sich auch bei anderen Gelegenheiten. Während ihrer Kindheit lebte ein zweites Kätzchen mit ihr in demselben Hause und ärgerte Pret beständig dadurch, daß es in ihr Zimmer kam und ihr das für sie bestimmte Futter wegfraß. Pret merkte bald, daß mit dem kleinen Geschöpfe nichts anzufangen sei, und war viel zu gutmüthig, um Gewalt zu gebrauchen. Deshalb leerte sie, sobald ihr Speise vorgesetzt wurde, rasch ihren Teller ab und verbarg die besten Bissen unter dem Tische. Einiges ließ sie aber immer auf dem Tische liegen, jedenfalls, um dem anderen Kätzchen glauben zu machen, daß dies alles sei, was übrig geblieben. Dann bewachte sie ihre verborgenen Schätze und erlaubte dem Kätzchen, ruhig die Reste auf dem Teller zu verzehren. Sobald jenes aber seinen Hunger gestillt hatte, trug sie alles, was sie versteckt hatte, wieder auf den Teller und verzehrte es dort in Frieden. Zuweilen bedeckte sie den Teller sogar mit Papier, Tüchern oder dergleichen. Gegen manche Thiere war sie außerordentlich freundlich, und mit einem jungen Hunde, einem Kaninchen und einem Kampfhahne (Machetes pugnax) lebte sie in der größten Freundschaft. Mir aber blieb sie doch unter allen Umständen am meisten gewogen, und wenn ich zugegen war, fraß sie bloß dann, wenn sie dies in meiner unmittelbaren Nähe thun konnte.«

Aus all dem geht hervor, daß die Katzen die Freundschaft des Menschen im vollsten Grade verdienen, sowie daß es endlich einmal Zeit wäre, die ungerechten Meinungen und misliebigen Urtheile über sie der Wahrheit gemäß zu verbessern und zu mildern. Zudem, däucht mich, sollte man auch dem Nutzen der Katzen mehr Rechnung tragen, als gewöhnlich zu geschehen pflegt. Wer niemals in einem baufälligen Hause gewohnt hat, in welchem Ratten und Mäuse nach Herzenslust ihr Wesen treiben, weiß gar nicht, was eine gute Katze besagen will. Hat man aber jahrelang mit diesem Ungeziefer zusammengelebt und gesehen, wie der Mensch ihm gegenüber vollkommen ohnmächtig ist, hat man Schaden über Schaden erlitten und sich tagtäglich wiederholt über die abscheulichen Nager geärgert, dann kommt man nach und nach zu der Ansicht, daß die Katze eines unserer allerwichtigsten Hausthiere ist und deshalb nicht bloß größte Schonung und Pflege, sondern auch Dankbarkeit und Liebe verdient. Mir ist die allbekannte Geschichte von dem jungen Engländer, welcher mit seiner Katze in Indien ein großes Glück machte, gar nicht unwahrscheinlich, weil ich mir recht wohl denken kann, wie innig erfreut der von den Ratten gepeinigte König gewesen sein mag, als die Katze des Fremdlings eine grausame Niederlage unter seinen bisher unüberwindlichen Feinden anrichtete. Schon das Vorhandensein einer Katze genügt, um die übermüthigen Nager zu verstimmen und sogar zum Auszuge zu nöthigen. Das ihnen auf Schritt und Tritt nachschleichende Raubthier mit den nachts unheimlich leuchtenden Augen, das furchtbare Geschöpf, welches sie am Halse gepackt hat, ehe sie noch etwas von seiner Ankunft gemerkt haben, flößt ihnen Grauen und Entsetzen ein; sie ziehen daher vor, ein derartig geschütztes Haus zu verlassen, und thun sie es nicht, so wird die Katze auch auf andere Weise mit ihnen fertig.

Mäuse verschiedener Art, namentlich Haus- und Feldmäuse bilden das bevorzugte Jagdwild der Katze. An Ratten wagt sich nicht jede, aber doch die große Mehrzahl; Spitzmäuse fängt und tödtet sie, wenigstens so lange sie jung und unerfahren ist, frißt sie aber nicht, weil ihr der Moschusgeruch zuwider sein mag, läßt sie, älter geworden, auch unbehelligt laufen; Eidechsen, Schlangen und Frösche, Maikäfer, Heuschrecken und andere Kerbthiere verzehrt sie zur Abwechslung. Bei ihrer Jagd bekundet jede Katze ebenso viel Ausdauer als Geschicklichkeit. »Ich habe sie«, schildert Lenz, »öfters beobachtet, wenn sie so auf der Lauer sitzt, daß sie mehrere zusammengehörige Mäuselöcher um sich hat. Sie könnte sich gerade vor ein am Rande des Ganzen stehendes hinsetzen und so alle leicht überschauen; das thut sie aber nicht. Setzte sie sich vor das Loch, so würde auch das Mäuschen sie leichter bemerken und entweder gar nicht herausgehen oder doch schnell zurückzucken. Sie setzt sich also mitten zwischen die Eingänge und wendet Auge und Ohr dem zu, in dessen Nähe sich unter der Erde etwas rührt, wobei sie so sitzt, daß das herauskommende Geschöpf ihr den Rücken kehren muß und desto sicherer gepackt wird. Sie sitzt so unbeweglich, daß selbst die sonst so regsame Schwanzspitze sich nicht rührt: es könnten auch durch ihre Bewegungen die Mäuschen, welche nach hinten heraus wollen, eingeschüchtert werden. Kommt vor der Katze ein Mäuschen zu Tage, so ist es im Augenblicke gepackt; kommt eins hinter ihr heraus, so ist es ebenso schnell ergriffen. Sie hat nicht bloß gehört, daß es heraus ist, sondern auch so genau, als ob sie sähe, wo es ist, wirft sie sich blitzschnell herum und hat es nie fehlend unter ihren Krallen.« Als zünftiges Raubthier läßt sie sich freilich auch Uebergriffe zu Schulden kommen. Sie nimmt manches Vögelchen weg, so lange es noch jung und unbehülflich ist, wagt sich an ziemlich große Hasen und faßt erwachsene oder ermattete Rebhühner, lauert auch wohl den Küchlein der Haushühner auf und legt sich unter Umständen sogar auf den Fischfang. Der Köchin verursacht sie viel Aerger, da sie ihre Zugehörigkeit zum Hause dadurch bethätigt, daß sie den Speiseschrank plündert, wann immer sie kann. Ihre Nützlichkeit wegen all dem aber »eine sehr bedingte« zu nennen, wie Giebel es gethan, ist widersinnig. Die Summe des Nutzens entscheidet, und sie überwiegt in diesem Falle allen erdenklichen Schaden bei weitem.

Es ist erstaunlich, was eine Katze in der Vertilgung der Ratten und Mäuse zu thun vermag. Zahlen beweisen; deshalb will ich das Ergebnis der Lenz‘schen Untersuchungen und Beobachtungen hier mittheilen: »Um zu wissen, wie viel denn eigentlich eine Katze in ihrem Mäusevertilgungsgeschäfte leisten kann, habe ich das äußerst mäusereiche Jahr 1857 benutzt. Ich sperrte zwei semmelgelbe, dunkler getigerte Halbangorakätzchen, als sie achtundvierzig Tage alt waren, in einen kleinen, zu solchen Versuchen eingerichteten Stall, gab ihnen täglich Milch und Brod, und daneben jeder vier bis zehn Mäuse, welche sie jedesmal rein auffraßen. Als sie sechsundfünfzig Tage alt waren, gab ich jeder nur Milch und dazwischen vierzehn ausgewachsene oder zum Theil doch wenigstens halbwüchsige Mäuse. Die Kätzchen fraßen alle auf, spieen nichts wieder aus, befanden sich vortrefflich und hatten am folgenden Tage ihren gewöhnlichen Appetit … Kurz darauf sperrte ich, als die bewußten Mäusefresser entlassen waren, in denselben Stall abends neun Uhr ein dreifarbiges fünfundeinhalb Monate altes Halbangorakätzchen und gab ihm für die Nacht kein Futter. Das Thierchen war, weil es sich eingesperrt und von den Gespielen seiner Jugend getrennt sah, traurig. Am nächsten Morgen setzte ich ihm eine Mischung von halb Milch, halb Wasser für den ganzen Tag vor. Ich hatte einen Vorrath von vierzig Feldmäusen und gab ihm davon in Zwischenräumen eine Anzahl. Als abends die Glocke neun Uhr schlug, also während der 24 Stunden ihrer Gefangenschaft, hatte sie zweiundzwanzig Mäuse gefressen, wovon elf ganz erwachsen, elf halbwüchsig waren. Dabei spie sie nicht, befand sich sehr wohl … In jenem Jahre waren meine Katzen Tag und Nacht mit Mäusefang und Mäusefraß beschäftigt, und dennoch fraß am 27. September noch jede in Zeit von einer halben Stunde acht Mäuse, die ich ihr extra vorwarf … Nach solchen Erfahrungen nehme ich bestimmt an, daß in reichen Mausejahren jede mehr als halbwüchsige Katze im Durchschnitt täglich 20 Mäuse, also im Jahre 7300 Mäuse verzehrt. Für mittelmäßige Mausejahre rechne ich 3650 oder statt der Mäuse ein Aequivalent an Ratten … Uebrigens geht aus den soeben angeführten Beobachtungen sowie aus anderen, die man leicht bei Eulen und Busaaren, welche man füttert, machen kann, hervor, daß Mäuse sehr wenig Nahrung geben; sie könnten sonst nicht in so ungeheuerer Menge ohne Schaden verschluckt werden«.

Aber die Katzen nützen auch in anderer Weise. Sie fressen, wie bemerkt, nicht allein schädliche Kerbthiere, sondern tödten auch Giftschlangen, nicht bloß Kreuzottern, sondern selbst die so überaus furchtbare Klapperschlange. »Mehr als einmal habe ich gesehen«, sagt Rengger, »daß die Katzen in Paragay auf sandigem und graslosem Boden Klapperschlangen verfolgten und tödteten. Mit der ihnen eigenen Gewandtheit geben sie denselben Schläge mit der Pfote und weichen hierauf dem Sprunge ihres Feindes aus. Rollt sich die Schlange zusammen, so greifen sie die selbe lange nicht an, sondern gehen um sie herum, bis sie müde wird, den Kopf nach ihnen zu drehen. Dann aber versetzen sie ihr einen neuen Schlag und springen sogleich auf die Seite. Flieht die Schlange, so ergreifen sie dieselbe beim Schwanze, gleichsam, um mit letzterem zu spielen. Unter fortgesetzten Pfotenschlägen erlegen sie gewöhnlich ihren Feind, ehe eine Stunde vergeht, berühren aber niemals dessen Fleisch.«

Hier und da, beispielsweise in Belgien und im Schwarzwalde, züchtet man die Katze hauptsächlich ihres Felles wegen. Die Schwarzwälder Bauern halten, nach Weinland, besonders einfarbig schwarze und einfarbig graue (»blaue«) Katzen, tödten sie im Winter und verkaufen die Felle an herumziehende Händler zu guten Preisen. In Belgien sollen sich Dienstboten beim Antritte ihres Dienstes ausbedingen, eine Anzahl von Katzen zu gleichem Zwecke halten zu dürfen. Die Felle sind namentlich bei Südländern sehr beliebt. Selbst das Fleisch kann Verwendung finden, soll sogar recht gut sein. »Der Katzenziemer«, berichtet mein werther Freund Geoffroy Saint Hilaire gelegentlich der Schilderung eines Mittagsessen während der Belagerung von Paris, »war sehr köstlich. Dieses weiße Fleisch hat ein angenehmes Ansehen, ist zart und erinnert im Geschmacke einigermaßen an kaltes Kalbfleisch.« Auch in dieser Hinsicht also nützt die Katze.

Ich denke nach vorstehendem im Rechte zu sein, wenn ich für das so oft ungerecht behandelte Thier ein gutes Wort einlege. »Wer eine Katze hat«, sagt Lenz, »welche nach Kindern kratzt und beißt, überall Töpfe und Tiegel zerbricht, Bratwürstchen, Butter und Fleisch davonträgt, Küchlein und junge Bachstelzen erwürgt, nie und nirgends eine Maus und Ratte fängt, der thut sehr wohl daran, wenn er sie je eher je lieber erschlägt, erschießt oder ersäuft. Besitzt aber Jemand ein Kätzchen, welches der Lieblingsgespiele der Kinder ist, nirgends im Hause den geringsten Schaden thut und Tag und Nacht auf Maus- und Rattenfang geht, der handelt sehr weise, wenn er es als seinen Wohlthäter hegt und pflegt.«

Unter den Krankheiten der Katze ist die Räude die häufigste und gefährlichste, weil sie ansteckt und oft tödtlich wird. Nach Lenz heilt man sie mit Schwefelblumen, welche auf ein recht fettes Butterflädchen gestrichen werden. Dieses zerschneidet man dann in Würfel und verfüttert es. Es soll sogar sehr gut sein, einer gesunden Katze einmal in ihrem Leben Schwefelflädchen als Vorbeugemittel zu geben. Von Ungeziefer leiden die Katzen nicht bedeutend, und der Bandwurm kommt auch ziemlich selten vor. Man vertreibt ihn durch die Körner von Hagebutten, welche man verfüttert, oder durch einen Absud von Kusso blüten.

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