Der Wiedehopf in der Literatur (auszugsweise)

Der Wiedehopf, einer der Kandidaten der noch bis zum 18. November laufenden Wahl zum Vogel des Jahres 2022, mal anders…
Upupa forever, mein Wahlteam für den Wiedehopf… sollte sich noch jemand nicht entscheiden können. Andererseits ist das sehr einsichtig, auch die anderen Kandidaten hätten das Recht darauf VOGEL DES JAHRES zu werden. Aber rein äußerlich ist der Wiedehopf derjenige, der mir am besten gefällt.

In den Metamorphosen des Ovid verwandelt sich der Thrakerkönig Tereus in einen Wiedehopf. Diese Erzählung, die sich im 6. Buch der Metamorphosen findet, gilt als eine der grausamsten. Hier wird auch auf die Form des Schnabels hingewiesen, die einem Schwert gleicht: „facies armata videtur“ (6. Buch, Vers 674).
Der Wiedehopf ist König der Vögel in Aristophanes‘ Die Vögel und ihr Anführer in Fariduddin Attars Epos Mantiq ut-tair („Die Vogelgespräche“). Letzteres wurde dadurch inspiriert, dass der Koran den Wiedehopf als Bote zwischen Sulaimān (Salomo) und der Königin von Saba erwähnt (Koran 27:20+28). Dies hat ihm in islamischen Ländern Wertschätzung und im Persischen unter anderem den Namen „Salomonvogel“ (persisch morgh-e Soleymān) eingebracht.
Der mittelalterliche Dichter Heinrich von dem Türlin stellt in seinem Roman Diu Crône den Wiedehopf als böse der guten Lerche gegenüber.
Otto von Loeben lässt in seiner Parodie Reise zum Parnaß einen Gegner der Romantik (bei dem es sich wohl um Christian Friedrich Voß handeln soll) in Gestalt eines „Wiedehopf auf stolzen Beinen“ auftreten.
Berühmt ist auch das Gedicht über den Hoppevogel in Joseph von Eichendorffs Aus dem Leben eines Taugenichts:
Wenn der Hoppevogel schreit,
Ist der Tag nicht mehr weit.
Wenn die Sonne sich aufthut,
Schmeckt der Schlaf noch so gut!

Er versinnbildlicht hier die von Eichendorff mehrfach kritisierte gottferne Dichtung. Der Wiedehopf galt ja gleich in zweierlei Hinsicht als sündhaft: wegen seines unsauberen Nestes und des unangenehmen Geruchs versinnbildlicht er falschen Glauben und Unzucht, wegen seines prächtigen Federkleides hingegen besonderen Hochmut. In Eichendorffs Werken finden sich mehrfach Gestalten, die eine schlechte oder falsche Dichtung verkörpern, die den Schlachtruf „Hup Hup“ ausstoßen.
In Mahmoud Darwishs „Wir reisen wie alle Menschen“ steht ein Wiedehopf für Äußeres wie Verhalten des Menschen im unfreiwilligen Exil.
In Achim von Arnims „Die Kronenwächter“ beschimpft Anton die religiösen Schwärmer, die die alte Stadtkirche verwüsten wollen, mit den Worten: „Ihr Wiedehopfe, die ihr euer eignes Nest besudelt“.
Der Wiedehopf ist zudem Titelheld einer Oper von Hans Werner Henze, L’Upupa und der Triumph der Sohnesliebe (2000–2003, UA 2003).
Sandy Shaws ESC-Siegerlied PUPPET ON A STRING erhielt eine deutsche Version (von der Sängerin selbst gesungen) und wurde zu WIEDEHOPF IM MAI (siehe oben)

Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm
Rohrdommel und Wiedehopf
»Wo weidet Ihr Eure Herde am liebsten?« fragte einer einen alten Kuhhirten. »Hier, Herr, wo das Gras nicht zu fett ist und nicht zu mager; es tut sonst kein gut.« »Warum nicht?« fragte der Herr. »Hört Ihr dort von der Wiese her den dumpfen Ruf?« antwortete der Hirt, »das ist der Rohrdommel, der war[718] sonst ein Hirte, und der Wiedehopf war es auch. Ich will Euch die Geschichte erzählen.
Der Rohrdommel hütete seine Herde auf fetten grünen Wiesen, wo Blumen im Überfluß standen, davon wurden seine Kühe mutig und wild. Der Wiedehopf aber trieb das Vieh auf hohe dürre Berge, wo der Wind mit dem Sand spielt, und seine Kühe wurden mager und kamen nicht zu Kräften. Wenn es Abend war und die Hirten heimwärts trieben, konnte Rohrdommel seine Kühe nicht zusammenbringen, sie waren übermütig und sprangen ihm davon. Er rief »bunt, herüm« (bunte Kuh, herum), doch vergebens, sie hörten nicht auf seinen Ruf. Wiedehopf aber konnte sein Vieh nicht auf die Beine bringen, so matt und kraftlos war es geworden. »Up, up, up!« schrie er, aber es half nicht, sie blieben auf dem Sand liegen. So gehts, wenn man kein Maß hält. Noch heute, wo sie keine Herde mehr hüten, schreit Rohrdommel »bunt, herüm,« und der Wiedehopf »up, up,up!«

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben: Kinderlieder
Tanzmeister Wiedehopf
Der Kuckuck nicket mit dem Kopf
Und spricht: Gevatter Wiedehopf,
Willst du der beste Tänzer sein
Vor allen Vögeln groß und klein,
Zeig deine Künste denn im Nu!
Ich musicire dir dazu:
Kuckuck, Kuckuck! hopp, hopp!

Da hub Gevatter Wiedehopf
Gar stolz empor den bunten Schopf,
Und hopste lustig, hopp, hopp, hopp!
Und freute sich gar sehr darob.
Wer gerne tanzt, ist gleich bereit,
Und wenn auch nur ein Kuckuck schreit:
Kuckuck, Kuckuck! hopp, hopp!

Johann Wilhelm Ludwig Gleim
Die zwei Esel, der Wiedehopf und die Gans
Zwei Esel schrien um die Wette;
Die Wette war ein Distelkopf.
Wenn einer auch gewonnen hätte,
Was wär’s denn? sprach ein Wiedehopf;
Wenn’s um die Ehre
Der Schönheit wäre,
Dann ließ ich eine Wette gelten! –

Was da der schöne Dummkopf quackelt,
Ruft eine Gans von fern, und wackelt
Vor Esel und vor Wiedehopf vorbei.

Die Esel wiederholten ihr Geschrei,
Die Gans kehrt um und schnattert: O du wettest,
Du Wiedehopf, ja wohl mit mir?
Als wenn du dir
Die Schönheit selbst gegeben hättest,
Du dummes Tier!
Du kannst, dächt ich, die Mühe sparen;
Die Federn bleiben, wie sie waren;
Und unsre Stimme üben wir.

Der Wiedehopf und die Nachtigall
Der grauen Nachtigall pries sein gekröntes Haupt
Ein schöner Wiedehopf – Mein Weibchen, sprach er, glaubt,
Du wärest häßlich gegen mich!

Das könnte sein, erwiderte
Die Nachtigall, und flog
Auf einen hohen Baum und sang!

Die Wandrer alle blieben stehn,
Und sagten: Wie so schön!
Ach, welch ein Klang!

Das hört der Wiedehopf, flog neidisch hin und her,
Und Keiner sprach: Wie schön ist er!
Denn für die kleine Philomele
War alles Ohr!

Man zieht gemeiniglich doch eine schöne Seele
Dem schönsten Körper vor.

Der Wiedehopf und die Mücke
Ein Wiedehopf stand stolz, und sprach zu einer Mücke:
Du tanzest auch den ganzen Tag!

Herr Kronenträger! sprach die Tänzerin, die Mücke:
Wohl dem, der tanzen mag!

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