Der Uhu in Brehms Tierleben

Uhu (Brehms Tierleben)

Als die vollendetste Ohreule darf der vielbekannte, durch mancherlei Sagen verherrlichte »König der Nacht«, unser Uhu, Schuhu, Buhu, Buhuo, Auf, Gauf und wie man ihn sonst noch nennt (Bubo ignavus, microcephalus, maximus, europaeus, germanicus, sibiricus, scandiacus, pallidus, melanotus, grandis und septentrionalis, Strix bubo und turcomana), angesehen werden. Seine Länge beträgt dreiundsechzig bis siebenundsiebzig, die Breite hundertfünfundfunfzig bis hundertsechsundsiebzig, die Fittiglänge fünfundvierzig, die Schwanzlänge fünfundzwanzig bis achtundzwanzig Centimeter. Das sehr reiche und dichte Gefieder ist auf der Oberseite dunkel rostgelb und schwarz geflammt, an der Kehle gelblichweiß, auf der Unterseite rostgelb; schwarz in die Länge gestreift; die Federohren sind schwarz, auf der inneren Seite gelb eingefaßt, die Schwung- und Schwanzfedern mit braunen und gelblichen, dunkler gewässerten Punkten abwechselnd gezeichnet. Eigentlich wechseln im Gefieder nur zwei Farben mit einander ab, ein mehr oder weniger lebhaftes Röthlichgrau und Schwarz. Jede Feder ist schwarz geschaftet und ebenso in die Quere gestreift, gewellt und zugespitzt. Auf der oberen Seite treten die dunkleren Spitzen besonders hervor, auf der Unterseite und zwar hauptsächlich auf der Brust die Schaftstriche, am Bauche hingegen machen sich wieder die Querstreifen geltend. Der Schnabel ist dunkel blaugrau, die nackten Fußschilder sind licht blaugrau, das Auge ist prachtvoll goldgelb, am äußeren Rande röthlich. Das Weibchen unterscheidet sich nur durch die bedeutendere Größe. Die Jungen pflegen gilblicher zu sein. In Nordasien, aber auch in Spanien trägt der Uhu ein lichteres Federkleid. Aus China habe ich einen lebenden Auferhalten, welcher etwas kleiner und dunkler als der bei uns vorkommende ist. Aehnliche Abweichungen mögen auch sonst noch vorkommen; sie können uns aber schwerlich berechtigen, die betreffenden Vögel als besondere Arten anzusprechen.

Das Verbreitungsgebiet des Uhu erstreckt sich über das ganze nördlich altweltliche Gebiet, soweit es nach Norden hin bewaldet und im Süden gebirgig ist. In Deutschland zwar in vielen Gegenden ausgerottet, findet er sich doch noch im Bayerischen Hochgebirge und in sämmtlichen Mittelgebirgen, ebenso in ausgedehnten und zusammenhängenden Waldungen aller Länder und Provinzen, mit alleiniger Ausnahme einiger Kleinstaaten.

Ziemlich häufig tritt er auf in Ostpreußen, zumal im Forste von Ibenhorst, in Westpreußen und Posen, längs der polnischen Grenze, und in Pommern, seltener in Mecklenburg, der Mark, Braunschweig und Hannover, einzeln in Westthüringen, Hessen, Baden und Würtemberg, hier und da auch in den Rheinlanden, sogar inmitten stark bewohnter Gegenden. Weit zahlreicher bewohnt er alle Kronländer Oesterreich-Ungarns, Skandinavien, ganz Rußland, die Donautiefländer, die Türkei und Griechenland, Italien, Spanien und Südfrankreich, ohne daß man ihn jedoch irgendwo gemein nennen könnte; seltener wiederum ist er in Belgien und Dänemark, fast vertilgt in Großbritannien. In Afrika beschränkt sich, obschon er ausnahmsweise auch in Egypten vorkommt, sein Wohngebiet auf die Atlasländer; in Asien dagegen haust er, oder doch der von ihm artlich kaum zu trennende Blaßuhu (Bubo sibiricus), von Kleinasien und Persien an bis China und von der nördlichen Waldgrenze an bis zum Himalaya, ohne die Steppe zu meiden, in allen Ländern und Gefilden, deren Thierwelt uns genauer bekannt worden ist. Er wandert nicht, verweilt vielmehr jahraus jahrein in seinem Brutgebiete und streicht höchstens, so lange er sich nicht gepaart hat, ziel- und regellos durch das Land.

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