Neues aus Wissenschaft und Naturschutz

24.08.2026, Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) im Forschungsverbund Berlin e.V.
Erfahrung, nicht Geschick beim Fliegen, bestimmt wann junge Steinadler das elterliche Revier verlassen
Junge Steinadler in den Alpen lernen in den ersten Monaten ihres Lebens, wie man zwischen den Bergen navigiert und Thermiken für das Aufsteigen in große Höhen nutzt – eine essenzielle Fähigkeit für ihr Überleben. Wie schnell sie diese Fähigkeit erlangen oder wie geschickt sie sich dabei anstellen, beeinflusst jedoch nicht den Zeitpunkt, an dem sie endgültig das elterliche Revier verlassen. Eine neue Studie an 92 mit GPS-Sendern ausgestatteten Jungadlern zeigt, dass es die Länge und Flughöhe alltäglicher Ausflüge und nicht das Geschick beim Meistern der Thermik ist, die ihre Entscheidung für ein unabhängiges Leben maßgeblich beeinflusst.
Der Fachartikel ist in der Zeitschrift „Royal Society Open Science“ erschienen.
Wenn ein junger Steinadler (Aquila chrysaetos) endgültig das Revier seiner Eltern verlässt, lässt er das einzige Sicherheitsnetz zurück, das er je gekannt hat. Biologinnen und Biologen gingen bislang davon aus, dass Adler diesen Schritt wagen, sobald sie gut genug fliegen können, um ohne Hilfe zu überleben. Eine neue Studie, in der 92 junge Steinadler in den Alpen über sechs Jahre hinweg mittels GPS-Sendern verfolgt wurden, zeigt jedoch, dass das Geschick beim Fliegen fast nichts damit zu tun hat. Bereits wenige Monate nachdem junge Adler flügge werden, können sie ebenso geschickt fliegen – schnell aufsteigen, enge Radien beim Kreisen in der Thermik fliegen, wechselnde Winde nutzen – wie erwachsene Adler. Dennoch verweilen viele danach noch fast ein ganzes Jahr lang im Revier ihrer Eltern. „Steinadler scheinen schon lange gut fliegen zu können, bevor sie das Territorium der Eltern verlassen“, sagt Dr. Hester Brønnvik, Erstautorin der Studie und Wissenschaftlerin in der Abteilung für Evolutionäre Ökologie am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung. „In der Lage zu sein, auf eigene Faust zu überleben, und diesen Schritt tatsächlich zu wagen, sind offenkundig zwei unterschiedliche Dinge.“
Die Studie wurde vom Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie und der Universität Konstanz in Zusammenarbeit mit der Schweizerische Vogelwarte Sempach, der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (Schweiz), der Konrad-Lorenz-Forschungsstelle der Universität Wien (Österreich) und dem Centro Italiano Studi Ornitologici (Italien) durchgeführt.
Rekonstruktion der Flugfähigkeiten der Adler mit hochauflösenden GPS-Daten
Das Team stattete zwischen 2019 und 2024 Steinadler-Jungvögel in den Alpen mit GPS-Sendern aus und verfolgte die Bewegungen jedes Vogels ab einem Alter von etwa 50 Tagen – also kurz vor dem Verlassen des Nestes – während seiner ersten Streifzüge außerhalb des Reviers seiner Eltern und in den meisten Fällen bis zu dem Tag, an dem er schließlich abwanderte. Die meisten Adler unternahmen ihre erste Reise außerhalb des elterlichen Reviers innerhalb von etwa drei Monaten nach der Besenderung und legten dabei bis zu 77 Kilometer zurück, teilweise in mehrtägigen Exkursionen. Studien aus anderen Regionen deuteten darauf hin, dass Steinadler in genau diesem Alter ihre volle Flugfähigkeit als Erwachsene erreichen. Eine Abwanderung folgte jedoch nicht; viele Vögel verließen ihre Eltern erst fast ein Jahr nach der Besenderung und oft erst, nachdem der Winter vorbei war. „Diese jungen Adler waren eindeutig in der Lage, außerhalb des Reviers ihrer Eltern zu überleben, lange bevor sie es tatsächlich verließen“, sagt Brønnvik. „Sie unternahmen bereits Flüge über Dutzende von Kilometern und blieben tagelang weg. Sie kamen einfach immer wieder zurück.“
Für die Analyse der Flugfähigkeiten übermittelten die Sender kurze GPS-Datenpakete mit einer Auflösung von einem Standort pro Sekunde. So konnten die Forschenden genau rekonstruieren, wie jeder Adler segelte: wie eng er in thermischen Aufwinden kreiste, wie schnell er an Höhe gewann und wie gut er mit Wind zurechtkam. Das Team wollte wissen, ob die Vögel, die das Fliegen in der Thermik am schnellsten beherrschten, auch diejenigen waren, die ihr Zuhause am frühesten verließen. „Diese Fähigkeiten erwiesen sich als notwendig, waren aber bei weitem nicht ausreichend“, sagt Dr. Elham Nourani vom Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie und der Universität Konstanz, eine der leitenden Autorinnen der Studie. „Die Entscheidung, das Elternhaus zu verlassen, hängt von viel mehr ab als nur davon, ob man das nötige Geschick für Flug und Jagd hat.“ Keine der detaillierten Messgrößen für die das Fluggeschick der Adler ließ vorhersagen, wann Adler ihre ersten langen Reisen weg von ihrem Heimatgebiet unternahmen oder wann sie dieses endgültig verließen.
Was beides vorhersagte, war ein anderer Faktor: wie weit sich Adler bei ihren alltäglichen Ausflügen vom Revier entfernten und wie hoch sie in den Himmel stiegen. Jungadler, die größere Entfernungen zurücklegten und größere Höhen erreichten, unternahmen mit weitaus höherer Wahrscheinlichkeit bald darauf Erkundungsflüge und waren Monate später diejenigen, die schließlich abwanderten. „Diese täglichen Bewegungen erfassen etwas, was die Gleitflugfähigkeiten allein nicht erfassen können“, sagt Nourani, die jetzt Assistenzprofessorin am Fachbereich Ökologie und Evolution der Universität Lausanne ist. „Sie spiegeln Motivation, Konkurrenz, Nahrungsangebot und Wetter gleichzeitig wider, und die Erfahrung mit diesen Faktoren ist es offenbar, die tatsächlich die Entscheidung zum Aufbruch bestimmt.“
Warum junge Steinadler das Verlassen des elterlichen Reviers hinauszögern könnten
Die vom Team untersuchte Alpenpopulation der Steinadler ist ungewöhnlich: Sie ist gesättigt, was bedeutet, dass fast jedes geeignete Revier bereits besetzt ist und es nur wenige freie Reviere gibt, die junge Adler nutzen könnten. Die Autorinnen und Autoren vermuten, dass dies erklären könnte, warum so viele junge Adler ihren Auszug hinauszögern, selbst wenn sie bereits voll flugfähig sind: Sie nutzen das Revier ihrer Eltern so lange wie möglich, anstatt sich in eine kompetitive, überfüllte Landschaft zu begeben, in der es keine Garantie dafür gibt, einen eigenen Platz zu finden.
Diese Entkopplung von Fertigkeiten und Unabhängigkeit könnte möglicherweise nicht nur bei Adlern zu beobachten sein. Ähnliche Muster wurden bei Geradschnabelkrähen (Corvus moneduloides) beschrieben, die bis zu einem Jahr benötigen, um den Umgang mit Werkzeugen zu lernen, aber erst ein weiteres Jahr danach ihr Elternhaus verlassen. „Unabhängigkeit bedeutet nicht zwangsläufig, dass ein Tier sein Zuhause verlässt, sobald es in der Lage ist, auf eigene Faust zu überleben. Für einen jungen Adler kann das elterliche Revier noch Monate, nachdem er das Fliegen beherrscht, der sicherste Ort bleiben“, sagt Dr. Kamran Safi vom Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie und der Universität Konstanz, einer der leitenden Autoren der Studie. „Dort zu bleiben, solange die Eltern dies noch dulden, kann ihm Zeit für kleine, aber bedeutende Verbesserungen seiner Fähigkeiten und Erfahrungen verschaffen, bevor er sich in eine Landschaft begibt, in der der Platz knapp und die Risiken hoch sind. Dies könnte letztendlich die Chancen erhöhen, Konkurrenten zu überleben und lange genug am Leben zu bleiben, bis es an der Zeit ist, einen Revierinhaber herauszufordern, um dessen Revier zu übernehmen – was nicht selten bis zum Tod verteidigt wird. Der Erwerb von Fähigkeiten könnte bei vielen Tieren, vielleicht sogar bei uns Menschen, einfach der falsche Maßstab sein, um Unabhängigkeit vorherzusagen.“
Diese Studie beleuchtet die Entscheidungsfindung von Tieren. Ob beispielsweise Nahrung verfügbar ist und ob ein Individuum erfolgreich um diese konkurrieren kann, kann zusammenwirken und die Übergänge zwischen Lebensphasen beeinflussen. Am Leibniz-IZW ist Brønnvik seit einigen Monaten Teil des Forschungsteams der GAIA-Initiative und wird weiter daran forschen, wie Tiere als Reaktion auf ihre dynamischen Lebensräume Entscheidungen bei der Nahrungssuche, der innerartlichen Interaktion und bei der Aufzucht des Nachwuchses treffen. Ihr Fokus verlagert sich von Steinadlern, die zwar verfolgt wurden, deren Bestände sich jedoch wieder erholt haben, auf afrikanische Geierarten, die nach wie vor großer Gefährdung ausgesetzt sind. Sie untersucht, wie Umweltbedingungen die Verbreitung von Geiern, die von ihnen erbrachten Ökosystemleistungen und die Risiken, denen sie ausgesetzt sind, beeinflussen. Das Projekt „GAIA-MISSION“ innerhalb der GAIA-Initiative wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördert. Die Vision des Projekts ist es, eine technologische Schnittstelle zwischen den Sinnesleistungen und dem Wissen von Tieren zu uns Menschen zu schaffen, um in der Forschung und im Artenschutz konkrete Fortschritte zu erzielen.
Die Studie und die Erstellung des Fachartikels wurden maßgeblich von Förderprogrammen unterstützt: Elham Nourani wurde durch das PRIME-Programm des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gefördert. Hester Brønnvik wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Die Forschungsarbeit wurde teilweise von der DFG im Rahmen der deutschen Exzellenzstrategie sowie vom Schweizerischen Nationalfonds gefördert.
Originalpublikation:
Brønnvik H, Scacco M, Chimento M, Bassi E, Fiedler W, Hatz JS, Sumasgutner P, Tschumi M, Wikelski M, Zimmermann S, Safi K, Nourani E (2026): Decoupling of emigration timing and skill acquisition in a saturated population of golden eagles. R. Soc. Open Sci. (2026) 13 (8): rsos251574. DOI: 10.1098/rsos.251574

24.08.2026, Georg-August-Universität Göttingen
Fledermäuse als biologische Schädlingskontrolle
Aufwendige Ernte, komplizierte Verarbeitung: Die Macadamia zählt zu den teuersten Nüssen der Welt. Umso wichtiger ist es, die Pflanzen vor Schädlingen zu schützen. Ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Universität Göttingen hat jetzt untersucht, wie sich natürliche Vegetation in und um Macadamia-Plantagen auf den Schädlingsbefall auswirken, und dabei besonderes Augenmerk auf Vogel- und Fledermauspopulationen gelegt.
Das Team untersuchte zehn intensiv bewirtschaftete Macadamia-Plantagen in Südafrika. Je Betrieb verglichen die Forschenden Bäume am Rand der Plantage mit denen im Zentrum, um den Einfluss der umliegenden Vegetation zu analysieren. Sie erfassten 111 Vogelarten per Beobachtung und 16 Fledermausarten über ihre Echoortungsrufe. Fledermausaktivität senkte den Insektenbefall besonders in Plantagen, die weniger natürlichen Lebensraum beinhalteten oder von diesem umgeben waren. Unter natürlichen Lebensraum fallen hier zum Beispiel heimische Wälder, Busch- oder Strauchlandschaften. Dahingegen zeigten sogenannte Ausschlussversuche einen deutlichen Effekt auf die Qualität der Nüsse: Wurden Vögel und Fledermäuse durch Netze von den Bäumen ferngehalten, stieg der Anteil der durch Insekten geschädigten Nüsse von 6,2 auf 10,7 Prozent – eine Zunahme um rund 70 Prozent. Ein direkter Einfluss der Vogelzahl auf den Schädlingsbefall ließ sich dagegen nicht nachweisen.
Nicht nur die Anzahl, auch die Vielfalt der Fledermäuse nahm mit dem Anteil natürlicher Lebensräume zu. Sogar der Ertrag der Macadamia-Bäume hing mit diesem Anteil zusammen und erreichte bei etwa 60 Prozent natürlichem Lebensraum seinen höchsten Wert. Zugleich unterschieden sich die Vogelgemeinschaften zwischen Rand und Zentrum der Plantagen: Am Rand kamen häufiger Arten vor, die dichte Vegetation und Gehölze bevorzugen, während im Zentrum Arten offener Lebensräume überwogen.
„Natürliche Lebensräume sind wertvolle Rückzugsorte und fördern Nützlinge, die Bestäubung und Schädlingsbekämpfung leisten, was wiederum gut für die landwirtschaftliche Produktion sowie die Landwirtinnen und Landwirte ist. Daher sollten natürliche Lebensräume und deren Erhalt unbedingt in die Planung landwirtschaftlich genutzter Flächen einbezogen werden“, erklärt Erstautorin Dr. Mina Anders von der Abteilung für Funktionelle Agrobiodiversität und Agrarökologie der Universität Göttingen. Die Studie unterstreicht die Bedeutung natürlicher Lebensräume für eine Landwirtschaft, die Biodiversität und landwirtschaftliche Produktion miteinander verbindet.
Originalpublikation:
Anders, M. et al. Landscape characteristics influence pest control services in macadamia orchards and shape bird and bat assemblages. Agriculture, Ecosystems and Environment (2026). DOI: https://doi.org/10.1016/j.agee.2026.110666

25.08.2026, Universität Hohenheim
Neue Gefahr für Bienen: Tropilaelaps stellt Imkerei vor neue Herausforderungen
Milbe kann Bienenvölker massiv schwächen und breitet sich rasch aus / Forschende der Uni Hohenheim sehen dringenden Handlungsbedarf bei Monitoring und Bekämpfung
Eine neue Bedrohung für die europäischen Honigbienen ist auf dem Vormarsch: Die Tropilaelaps-Milbe kann die Entwicklung und das Überleben ganzer Bienenvölker massiv beeinträchtigen. Der ursprünglich auf asiatische Riesenhonigbienen spezialisierte Parasit befällt inzwischen auch die Westliche Honigbiene und hat bereits den Osten und Südosten Europas erreicht. Nach Einschätzung eines internationalen Teams von Expert:innen könnte sie Deutschland innerhalb der nächsten drei bis sieben Jahre erreichen. Eine Übersichtsarbeit unter Leitung der Universität Hohenheim in Stuttgart zeigt nun: Tropilaelaps unterscheidet sich grundlegend von der bekannten Varroamilbe, weshalb angepasste Strategien für Monitoring, Diagnostik und Bekämpfung erforderlich sind.
Honigbienen sichern einen Großteil der landwirtschaftlichen Bestäubung. Doch neben der Varroamilbe könnte künftig ein weiterer Parasit die Imkerei in Europa vor große Herausforderungen stellen: Tropilaelaps mercedesae.
Diese Milbe parasitierte ursprünglich ausschließlich asiatische Riesenhonigbienen. Vor mehr als 60 Jahren gelang ihr jedoch der Sprung auf die Westliche Honigbiene (Apis mellifera). Seither hat sie ihr Verbreitungsgebiet kontinuierlich erweitert. Funde in Westasien und Osteuropa zeigen, dass sie inzwischen auch Regionen mit gemäßigtem Klima erreicht hat und dort überleben kann.
Wie groß das Risiko für Europa tatsächlich ist und welche Konsequenzen sich daraus ergeben, fasst eine Übersichtsarbeit unter Leitung von Dr. Kirsten Traynor, Leiterin der Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim, zusammen.
Schwere Schäden an Brut und Volk
Tropilaelaps befällt die Brut von Honigbienen und verursacht bereits während der Larven- und Puppenentwicklung erhebliche Schäden. Die Milben ernähren sich von der Körperflüssigkeit, der Hämolymphe, der sich entwickelnden Bienen und hinterlassen zahlreiche Einstichstellen. Die Folgen reichen von Missbildungen an Antennen, Flügeln und Beinen über ein geringeres Körpergewicht bis hin zu einer eingeschränkten Flug- und Lernfähigkeit der schlüpfenden Bienen. Zudem überträgt Tropilaelaps verschiedene Krankheitserreger.
Die Auswirkungen beschränken sich jedoch nicht auf einzelne Bienen: „Befallene Völker entwickeln sich deutlich schwächer, produzieren weniger Honig und weisen eine erhöhte Sterblichkeit sowohl bei der Brut als auch bei erwachsenen Tieren auf“, beschreibt Dr. Traynor die Folgen. „Imker:innen aus bereits betroffenen Regionen Asiens und Russland berichten von erheblichen Völkerverlusten und einem andauernd hohen Aufwand für die Bekämpfung.
Die neue Milbe erfordert eine Anpassung des Völkermanagements, insbesondere durch regelmäßige vollständige Brutpausen im Abstand von zwei bis drei Monaten. Dies dürfte nicht nur erhebliche Auswirkungen auf den Honigertrag haben, sondern auch den Arbeits- und Kostenaufwand für Imkerinnen und Imker deutlich erhöhen.“
Frühzeitige Erkennung entscheidend
Besonders problematisch ist die außergewöhnliche Biologie von Tropilaelaps mercedesae. Anders als die weltweit verbreitete Varroamilbe verbringt sie nur eine sehr kurze Phase auf erwachsenen Bienen. Stattdessen hält sie sich überwiegend in der verdeckelten Brut auf und wechselt bereits nach wenigen Tagen von einer Brutzelle in die nächste. Dadurch kann Tropilaelaps neue Fortpflanzungszyklen wesentlich schneller durchlaufen als Varroa destructor.
„Die Gefahr liegt nicht nur in den direkten Schäden an der Brut, sondern auch in der Geschwindigkeit, mit der sich dieser Parasit vermehren und ausbreiten kann“, sagt die Expertin: „Unter günstigen Bedingungen vermehrt sich Tropilaelaps innerhalb eines Monats etwa um den Faktor 2,7, während sich die Population der Varroamilbe im gleichen Zeitraum etwa verdoppelt.“
Hinzu kommt, dass die Symptome einem Varroabefall ähneln. Deshalb wird Tropilaelaps häufig mit Varroa verwechselt oder erst spät erkannt. „Weil die Milbe auf erwachsenen Bienen kaum auffällt, bleibt sie oft lange unentdeckt“, so Dr. Traynor. Gleichzeitig erschwert ihre kurze Aufenthaltszeit auf erwachsenen Bienen sowohl die Überwachung als auch die Bekämpfung.
Eigenständige Strategien erforderlich
Nach Einschätzung des internationalen Forschungsteams wird Tropilaelaps innerhalb der nächsten drei bis sieben Jahre auch Deutschland erreichen. Warum sich die Milbe in den vergangenen Jahren so schnell ausgebreitet hat, ist noch nicht geklärt. Die Expert:innen befürchten jedoch, dass sie dann in der Imkerei größere Schäden verursachen könnte als Varroa und damit auch die Bestäubungsleistung beeinträchtigen.
„Tropilaelaps kann nicht als ‚weitere Varroa‘ betrachtet werden“, warnt die Bienenkundlerin. „Ihre Biologie unterscheidet sich in wesentlichen Punkten von der der Varroamilbe. Umso wichtiger ist es, Überwachungs- und Bekämpfungsstrategien frühzeitig weiterzuentwickeln und Maßnahmen international abzustimmen, bevor sich die Milbe in weiteren Regionen etablieren kann“, sagt Dr. Traynor.
Als besonders geeignet gelten Untersuchungen der verdeckelten Brut sowie das Sammeln natürlich abgefallener Milben auf Bodeneinlagen. Darüber hinaus entwickeln Forschende neue Nachweismethoden auf Basis von Umwelt-DNA (eDNA), die insbesondere in tropischen Regionen vielversprechende Ergebnisse liefern.
Originalpublikation:
Publikation: Williams GR, Aurell D, Gill MC, Khongphinitbunjong K, Tokach R, Traynor KS: Tropilaelaps mercedesae: rapid geographic expansion in a novel honey bee host. Trends in Parasitology, Available online 5 August 2026; https://doi.org/10.1016/j.pt.2026.07.002

26.08.2026, Deutsche Wildtier Stiftung
Stille Gartenvögel: Amsel, Spatz und Meise schweigen während der anstrengenden Mauser
Es ist ruhig geworden in Gärten und Parks: Der Gesang von Amsel, Buchfink und Blaumeise ist verstummt, auch die sonst so lauten Spatzen tschilpen verhaltener – und zu Gesicht bekommt man die Vögel nur noch selten. Was ist da los? „Die Balzzeit ist lange vorbei, und auch die Aufzucht der Jungvögel ist abgeschlossen. Und da vor allem die Männchen singen, um ein Weibchen anzulocken, gibt es für sie jetzt keinen Grund mehr, laut zu sein“, sagt Lea-Carina Hinrichs, Artenschützerin bei der Deutschen Wildtier Stiftung. Mitte August haben die Singvögel in der Regel ihre letzte Brut abgeschlossen.
Jetzt beginnt eine neue Phase im Singvogelleben: die Mauser. Einmal im Jahr spendiert Mutter Natur ein neues Federkleid. Da sich die Federn durch Wind, Wetter und Gebrauch im Jahresverlauf abnutzen, tauschen die Tiere sie von Kopf bis Schwanz komplett durch. Ein Spatz etwa trägt bis zu 3.500 Federn, die nach und nach ausfallen und durch neue Federn ersetzt werden. Erst nach zwei bis drei Monaten ist das frische Gefieder vollendet.
Dieser hormonell gesteuerte Neuaufbau benötigt viel Energie. In dieser Phase sehen die Vögel auch etwas zerzaust aus – und sie werden zu leichter Beute. „In der Mauser haben Fressfeinde leichtes Spiel, weil die Vögel nun schlechter fliegen können. Deshalb verhalten sie sich eher ruhig und suchen Schutz in Gebüschen und unter Hecken“, so Hinrichs. Hundehalter sollten in dieser Zeit ihre Tiere in der Nähe von Hecken, Gebüschen und Gärten anleinen, damit sie mausernde Vögel nicht aufscheuchen. Freigängerkatzen sollten wenigstens in den frühen Morgenstunden, wenn die Vögel am aktivsten sind, und bestenfalls während der gesamten Mauserzeit im Haus bleiben. Schließlich fallen in Deutschland jedes Jahr zig Millionen Vögel Hauskatzen zum Opfer.
Ein wildtierfreundlicher Garten hilft den Vögeln, gut durch die Mauser zu kommen. Heimische Gebüsche wie Weißdorn, Holunder und Schlehe, Reisighaufen und Ligusterhecken bieten ihnen Schutz vor Fressfeinden wie Raben- und Greifvögeln, Mardern und Katzen. In ungemähten Ecken finden sie Spinnentiere, Larven und Käfer sowie Samen von Gräsern als Nahrung. Der Verzicht auf Insektizide und Schneckenkorn sorgt dafür, dass das Futterangebot groß bleibt. Gartenbesitzer sollten auf starke Hecken- und Gehölzschnitte bis zum 30. September verzichten, damit die Rückzugsorte dicht bleiben. Garten- und Balkonbesitzer können an trockenen Tagen Wasserstellen anbieten.

27.08.2026, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ
Biodiversität messbar machen – UFZ startet Forschungsprojekt „TripleBird“
Ob global, national oder regional – vielerorts verschlechtert sich der Zustand von Ökosystemen, die Bestände von Tier- und Pflanzenarten sind rückläufig. Das UFZ hat nun gemeinsam mit dem Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) sowie zusammen mit dem Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) und der Universität Potsdam das Projekt „TripleBird“ gestartet. Mit rund 5 Mio. Euro fördern das BMFTR sowie die Länder Sachsen und Sachsen-Anhalt das Projekt. Es beinhaltet den Aufbau einer technischen Infrastruktur für Bereitstellung/Auswertung der Daten sowie die Entwicklung modellbasierter Szenarien und Anwendungsmöglichkeiten für Naturschutz, Wirtschafts- und Finanzsektor.
Eine wesentliche Herausforderung der Biodiversitätsforschung besteht darin, Veränderungen der biologischen Vielfalt auf lokaler, regionaler, nationaler und globaler Ebene messbar zu machen. Nur so lassen sich deren Ursachen untersuchen und die Folgen für Ökosysteme beschreiben. „Beim Schutz der Biodiversität stehen wir jedoch oft vor dem Problem, dass uns dafür konkrete Daten fehlen und es noch keine allgemein anerkannten Indikatoren gibt, die die räumlichen und zeitlichen Veränderungen der Biodiversität widerspiegeln“, konstatiert Biodiversitätsforscherin Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese, Projektleiterin und Wissenschaftliche Geschäftsführerin des UFZ.
Die Tiergruppe mit der aktuell besten Datenlage sind Vögel: Weltweit gelten alle ca. 11.000 Arten als bekannt. Für viele Vogelarten liegen hochwertige Daten zu ökologischen und morphologischen Merkmalen, Verbreitungsgebieten und Häufigkeiten vor, oft bis auf die regionale und lokale Ebene. In Europa und Nordamerika bestehen zudem flächendeckende Monitoringprogramme. In Deutschland koordiniert der Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) dank der Mitarbeit vieler Ehrenamtlicher zum Beispiel seit 1977 ein Monitoringprogramm für seltene Brutvögel, seit 1989 für häufige Brutvögel. Als Indikator für den Biodiversitätsverlust eignen sich Vögel deswegen sehr gut, weil sie viele Zustände und Entwicklungen in Landschaften abbilden – zum Beispiel zeigt der Rückgang vieler Vogelarten in der Agrarlandschaft wie der Feldlerche (Alauda arvensis), des Rebhuhns (Perdix perdix) oder des Kiebitzes (Vanellus vanellus), dass sich die Qualität des Lebensraums in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch verschlechtert hat. Da Artenvielfalt ein Indikator für die Resilienz von Ökosystemen ist, deutet dies darauf hin, dass unsere Felder, Wiesen und Weiden Stabilität verlieren, mit möglichen negativen Folgen für die Ernährungssicherheit. „In TripleBird wollen wir deshalb nun die Vogeldaten mit Daten zu Klima, Umwelt und Landnutzung verschneiden und einen Vogelmonitor veröffentlichen, modellbasierte Szenarien zur Veränderung der Vogelbestände entwickeln und Anwendungen für Naturschutz, Wirtschaft und Behörden erarbeiten“, fasst Katrin Böhning-Gaese die Ziele des Projekts zusammen.
„BirdTwin“: Dateninfrastruktur
BirdTwin bildet als digitaler Zwilling das Fundament des Gesamtprojekts. Datenbasis bilden die mehr als 3,8 Millionen punktgenauen Beobachtungen des DDA-Monitorings häufiger Brutvögel (MhB). Zusätzlich zu den MhB-Daten wurden rund 1 Million vollständige Beobachtungslisten vom DDA bereitgestellt, die über das DDA-Meldeportal für Vogelbeobachtungen zusammengetragen wurden. In BirdTwin sollen diese Monitoringdaten für die Öffentlichkeit und professionelle Anwender:innen bereitgestellt und in einem digitalen Zwilling operativ nutzbar gemacht werden. Ergänzt werden die Vogeldaten durch zusätzliche Klima-, Umwelt- und Landnutzungsdaten für Deutschland. „Wir sorgen mit dem digitalen Zwilling dafür, dass diese Daten pass- und bedarfsgerecht aufbereitet und für die modellbasierte Szenarienentwicklung und Anwendungen im Naturschutz verfügbar gemacht werden“, sagt Petra Jacobs, die BirdTwin leitet.
In einem ersten Schritt soll noch in diesem Jahr ein Vogelmonitor für Deutschland veröffentlicht werden, der jährlich aktualisiert wird. Er berücksichtigt vorerst neun Vogelarten der Agrarlandschaft, deren Bestände in den vergangenen Jahrzehnten zum Teil deutlich abgenommen haben. Zum Artenset zählen unter anderem Feldlerche (Alauda arvensis), Goldammer (Emberiza citrinella), Grauammer (Emberiza calandra), Braunkehlchen (Saxicola rubetra) und Kiebitz (Vanellus vanellus). Nach und nach sollen laut Petra Jacobs weitere Arten hinzukommen, sodass im Monitor bald alle häufigen Brutvogelarten Deutschlands enthalten sein werden. Weil auch historische Vogeldaten bis zum Jahr 2005 integriert werden, lassen sich Trends zur Bestandsentwicklung abbilden – zum Beispiel in welchen Regionen die Bestände der Vogelarten zu- oder abgenommen haben, wo Hotspots der Verbreitung einzelner Arten liegen und wie auf den von den Vögeln genutzten Flächen die Landnutzung und das Klima aussieht.
„BirdFutures“: Modelle und Szenarien
Um mögliche Ursachen für Bestandsveränderungen der Vogelarten zu untersuchen und künftige Entwicklungen abzuschätzen, werden in BirdFutures modellbasierte Szenarien entwickelt. „Wir können verschiedene Szenarien zur Landnutzung und zum Klima durchspielen“, sagt Dr. Tatiane Micheletti, die BirdFutures leitet. Dazu zählen beispielsweise die die Extensivierung von Agrarflächen, die Erhöhung des Brachenanteils und die Zunahme von Heckenstrukturen. „Damit können wir prognostizieren, welche Folgen bestimmte Maßnahmen für die auf den Flächen vorkommenden Vogelarten und damit auf die Biodiversität haben“, sagt Tatiane Micheletti. Mit diesen Modellen kann künftig die Umsetzung verschiedener politischer Maßnahmen und Managementstrategien verglichen und bewertet werden. Dies ermöglicht Entscheidungsträger:innen im Naturschutz, in der Politik und in Behörden, die potenziellen Auswirkungen ihrer Entscheidungen auf die Biodiversität vor dem Hintergrund der EU-Agrarpolitik oder der EU-Wiederherstellungsverordnung zu bewerten.
„BirdBusiness“: Schnittstelle zur Wirtschaft und zum Finanzsektor
Auf Basis der Produkte aus BirdTwin und BirdFutures sollen in BirdBusiness Anwendungen für die Wirtschaft und den Finanzsektor gemeinsam mit Akteuren aus NGO’s, Unternehmen und Banken entwickelt und pilotiert werden. „Die Anforderungen an Stresstests für Banken sowie die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen verlangen zunehmend einen Fokus auf die Rolle von Biodiversität für die Stabilität der Wirtschaft. So soll zum Beispiel erfasst werden, ob Firmen in einer Region investieren, die besonders wichtig für die Biodiversität ist, und ob diese Investitionen Auswirkungen auf die Biodiversität haben könnten“, sagt Dr. Johannes Förster, verantwortlich für den Finanzsektor. Die EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive) verlangt etwa insbesondere von großen Unternehmen mit signifikanten Auswirkungen auf Biodiversität, Daten über ihren ökologischen Fußabdruck zu veröffentlichen.
Da die Modelle in TripleBird räumlich konkrete Informationen über den Zustand und die Veränderungen in der Biodiversität bereitstellen, können diese auch für Investitions- und Standortentscheidungen genutzt werden – etwa um zu bewerten, inwieweit Lebensräume beispielsweise durch den Bau neuer Produktionsstätten, Industrieanlagen oder Rechenzentren, beeinträchtigt sein könnten, oder wie sich Eingriffe durch Kompensationsmaßnahmen minimieren lassen. Doch auch für Verwaltungen und Naturschutzverbände könnte das Tool wichtig sein. „Ziel ist, Anwendungen zu entwickeln, die es ermöglichen, auf lokaler Ebene Vorranggebiete zu identifizieren, in denen bestimmte Maßnahmen im Naturschutz und in der Landwirtschaft besonders sinnvoll sein könnten. Davon könnten zum Beispiel Landesämter profitieren, die über Standorte von Unternehmensansiedlungen oder Renaturierungsmaßnahmen entscheiden müssen“, sagt Johannes Förster.
– „BirdFutures“ wird im Rahmen der Strategie „Forschung für Nachhaltigkeit“ (FONA) über sechs Jahre mit ca. 2,7 Mio. Euro vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) unter dem Förderkennzeichen 033L313A gefördert.
– „BirdTwin“ wird für drei Jahre aus Steuermitteln in Höhe von ca. 1,5 Mio. Euro auf Grundlage des vom Landtag von Sachsen-Anhalt beschlossenen Haushalts unter dem Förderkennzeichen I 299 gefördert.
– „BirdBusiness“ wird in Höhe von 1 Mio. Euro mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushalts.
Weitere Informationen:
https://www.ufz.de/triplebird/index.php?de=52656

28.08.2026, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Winzige Härchen könnten Geckos vor dem Austrocknen schützen
Viele Echsen tragen winzige Härchen auf ihrer Haut. Kieler Forschende zeigen, dass diese Strukturen ihnen möglicherweise dabei helfen, in trockenen Lebensräumen Wasser zu sparen.
In einer trockenen Buschlandschaft kann ein Gecko über seine Haut schnell Wasser verlieren und dadurch austrocknen. Über seine hauchdünne Haut kann Wasser an die trockene Umgebung verloren gehen – möglicherweise schneller, als der Gecko es ersetzen kann. Doch die Tiere verfügen über eine besondere Anpassung: Ihre Haut ist mit winzigen, nanometergroßen Härchen bedeckt, den sogenannten Setulae. Sie könnten dabei helfen, Feuchtigkeit auf der Haut zu halten.
Die winzigen Hautstrukturen sind der Wissenschaft schon seit Jahren bekannt. Ihre Funktion war jedoch bislang unklar. Auffällig ist, dass sie besonders häufig bei Geckos und Chamäleons vorkommen, die in trockenen oder halbtrockenen Lebensräumen leben. Das brachte Forschende der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) auf eine naheliegende Frage: Könnten die Härchen den Tieren helfen, Wasser zu sparen? Die Ergebnisse veröffentlichte das Team nun im Journal „Biointerphases“, einer von AVS herausgegebenen Fachzeitschrift von AIP Publishing.
Eine Grenzschicht gegen das Austrocknen
„Biologische Strukturen entstehen nicht zufällig, sondern sind das Ergebnis evolutionärer Prozesse, in denen genetische Variation durch natürliche Selektion geformt wird.“, sagt Professor Stanislav Gorb vom Zoologischen Institut, der die Studie geleitet hat. „Was ist also die ursprüngliche Funktion solcher Strukturen? Wir wollten herausfinden, ob diese feine Struktur die Verdunstung verringert.“
Um dieser Frage nachzugehen, entwickelte Gorb mit seinem Forschungsteam ein vereinfachtes Computermodell der Geckohaut. Darin bildeten die Forschenden auch eine Reihe der winzigen Setulae ab. Mithilfe von Strömungsmodellen simulierten sie anschließend, wie sich die Luft über die Haut bewegt und welchen Einfluss die Härchen im Nanomaßstab darauf haben.
Zunächst vermuteten die Forschenden, dass die Härchen auch einen gegenteiligen Effekt haben können. Durch die vergrößerte Hautoberfläche hätte mehr Wasser verdunsten und die Echsen noch schneller austrocknen können. Die Simulationen zeigten jedoch, dass die Anordnung der Setulae einen anderen Effekt haben kann: Dem Modell zufolge halten die Härchen Luft in ihren Zwischenräumen fest. Dadurch könnten die Setulae die Haut abschirmen und den Wasserverlust verringern.
„Die Struktur im Nanomaßstab erzeugt eine Grenzschicht. Das bedeutet, dass die Wassermoleküle, die von der Hautoberfläche in die Luft gelangen, in dem begrenzten Raum viele Male zurückprallen und einige von ihnen wieder zurückkehren“, sagt Gorb.
Die Modellierung liefert damit einen möglichen Mechanismus, wie die Hautstrukturen den Wasserverlust verringern könnten. Ob dieser Effekt tatsächlich auf der Haut lebender Geckos auftritt, müssen Experimente zeigen. Dafür will das Team in einem nächsten Schritt künstlich hergestellte Haut oder von Geckos abgestreifte Haut untersuchen. Außerdem möchten die Forschenden den Einfluss von Lipiden genauer erforschen, die in die Hautstruktur eingebettet sind und die Oberfläche wasserabweisender machen.
Originalpublikation:
Alexander E. Filippov, Alexander Kovalev, Elena V. Gorb et al. (2026): „Surface protrusions of the microstructured lizard skin may reduce evaporation intensity: Numerical modelling approach“, Biointerphases 21: 041006; DOI: 10.1116/6.0005508

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