Der Kakapo in Brehms Tierleben

Kakapo (Brehms Tierleben)

Der Kakapo oder Eulenpapagei (Stringops habroptilus, Strigops und Strigopis habroptilus), Vertreter einer gleichnamigen Sippe (Stringops) und beziehentlich Unterfamilie (Stringopinae), gehört zu den größten Papageien überhaupt und kommt wegen seines dichten Federkleides fast einem Uhu an Größe gleich.
Beim Männchen ist die ganze Oberseite lebhaft olivengrün, jede Feder auf dem braunschwarzen Wurzeltheile durch breite olivengelbliche Querbinden und Schaftflecken gezeichnet, unterseits grünlich olivengelb, jede Feder mit verdeckten, auf der Schaftmitte unterbrochenen, schmalen, dunkelbraunen Querbinden geziert. Der eulenartig ausgebreitete Gesichtsschleier, welcher die Stirne mit bedeckt und die Ohrgegend in sich einschließt, sowie das Kinn sind lebhaft blaß strohgelb, nur in der Ohrgegend hell olivenbräunlich verwaschen. Die Schwingen haben an der Innenfahne nächst den Schäften dunkel schwarzbraune, an der Außenfahne olivengelbbraune Färbung und zeigen hier schwarze Marmelflecke. Die olivengelbbraunen Steuerfedern sind auf der Innen- und Außenfahne schwarz gemarmelt, die unteren Schwanzdecken fast einfarbig olivengrün. Der Schnabel ist hell hornweiß, der Fuß hell horngraubraun. Beim Weibchen ist die grüne Färbung der Oberseite dunkler, die Federn sind an der Wurzel breiter braunschwarz und tragen hier olivengelbliche Schaftflecke und vereinzelte olivengelbliche Querflecke. Der Gesichtsschleier ist olivenbräunlich, indem die Federn nur sehr schmale, helle Schaftstriche besitzen. So beschreibt Finsch ein prachtvolles Pärchen dieser merkwürdigen Vögel. Genaue Maße finde ich in den mir zugänglichen Werken nicht angegeben.

Trotzdem Neuseeland uns schon lange bekannt war, blieb es doch erst der neueren Forschung vorbehalten, den Kakapo oder »Tarapo«, wie die Maoris den Eulenpapagei nennen, zu entdecken, und der neuesten, auch über seine Lebensweise Kunde zu gewinnen. Bekannt wurde der merkwürdige Vogel zuerst durch die grünen Federn, welche den Eingeborenen als Schmuck dienten oder aber durch seine Köpfe, welche zu gleichem Zwecke Verwendung fanden. Aufenthalt und Lebensweise wirkten zusammen, um ihn der Beobachtung zu entziehen, und so kam es, daß erst im Jahre 1845 der erste Balg nach Europa gelangte. In den inzwischen verlaufenen dreißig Jahren haben wir den Kakapo ziemlich genau kennen gelernt, zugleich aber auch die Befürchtung aussprechen hören, daß er binnen kurzem wohl das Schicksal der Dronte theilen und ausgerottet werden möge. Auf Neuseeland beschränkt und gegenwärtig nur noch in entlegenen Alpenthälern der Südinsel häufig, auf der Nordinsel dagegen schon fast gänzlich vernichtet, scheint der Vogel allerdings Grund zu dieser Befürchtung zu geben; doch theilt diese der beste Kenner desselben. Dr. Julius Haast, glücklicherweise nicht. »Wer, wie ich, mit der Natur Neuseelands bekannt ist, muß einsehen, daß es noch tausende von Geviertmeilen unbewohnten Landes gibt, welche für Jahrhunderte hin außer für den Forscher unbetreten bleiben werden, und in denen der merkwürdige Vogel noch für lange Zeit ungestört sein Wesen forttreiben kann. Die Hoffnungen für das Fortbestehen der Art werden um so größer, wenn wir bedenken, daß der Kakapo vom Ufer des Meeres an bis in eine Höhe von sechzehnhundert Meter über dasselbe vorkommt. Sollte er also selbst in den niedrig gelegenen Strecken ausgerottet oder vertrieben werden, so bieten ihm die oft nur mit den größten Schwierigkeiten zu erreichenden Gebirgshöhen sicheren Aufenthalt.«

Außer Haast sind es namentlich Lyall und George Grey, welche uns über die Lebensweise des Kakapo berichten, und ihre Angaben sind es, welche ich hier zusammenstelle.

»Obgleich man annimmt«, sagt der erstere, »daß der Kakapo noch gelegentlich in den hohen Gebirgen des Inneren der Nordinsel Neuseeland angetroffen wird, war doch die einzige Oertlichkeit, wo wir diesen Vogel während der Umschiffung und Untersuchung der Küsten Neuseelands fanden, das Südwestende der Mittelinsel. Dort an der tiefen Fjorden, welche in jenen Theil der Insel einschneiden, begegnet man ihm noch in beträchtlicher Anzahl. Er bewohnt hier die trockenen Abhänge der Hügel oder flache Stellen nahe dem Ufer der Flüsse, wo die Bäume hoch und die Waldungen einigermaßen frei von Farnkraut oder Unterholz sind. Der erste Platz, an welchem wir ihn erhielten, war ein etwa zwölfhundert Meter über der Meeresfläche liegender Hügel; doch trafen wir ihn auch und zwar gemeinschaftlich lebend auf flachen Stellen in der Nähe der Flußmündungen unfern des Meeres an.«

»Höchst auffallend«, bestätigt und ergänzt Haast »ist es, daß der Kakapo, das Thal des Makaroraflus ses, welcher den See Wanaka bildet, ausgenommen, niemals auf der Ostseite der Alpen sich findet, obgleich auch da große Wälder vorkommen. Es scheint, daß er, auf die Westseite der Hauptkette beschränkt, nur den niederen, bewaldeten Paß überschreitet, welcher von den Quellen des Haastflusses zu jenen des Makarora führt, und, die Mündung dieses Flusses in den See Wanaka erreichend, wahrscheinlich in dem Mangel an Wäldern für sein Vordringen eine Grenze findet. Er ist im Thale des letztgenannten Flusses und im Makarorawald sehr häufig, obwohl daselbst zahlreiche Holzfäller arbeiten. Am Rande dieses Waldes gelagert, hörten wir unaufhörlich seinen Ruf; aber keiner der Arbeiter vermuthete die Nähe eines so großen Vogels, obgleich der auffallende, gellende Ruf ihre Aufmerksamkeit oft erregt hatte. Weniger zahlreich kommt er im Wilkinthale vor (wo ich, nebenbei bemerkt, die Spuren wilder Hunde fand). Im Hunterthale, nur durch eine nicht sehr hohe Bergkette und einige niedere Sättel getrennt, ist keine Spur von ihm zu bemerken, obgleich ihm die großen Buchenwälder einen günstigen Aufenthalt bieten würden.« »An solchen Orten«, fährt Lyall fort, »konnte man seine Spuren bemerken. Sie sind ungefähr dreißig Centimeter weit, regelmäßig niedergedrückt bis zum Rande, welcher fünf bis sieben Centimeter tief bis in das Moos hineinreicht, und kreuzen einander gewöhnlich in rechten Winkeln. Dabei sind sie so eigenthümlich, daß sie denen, welche von Menschen herrühren, oft täuschend ähneln, und anfänglich glaubten wir wirklich, es müßten Eingeborene in der Nähe gewesen sein.

Der Kakapo lebt in Höhlen unter dem Gewurzel der Bäume, wird auch wohl unter der Wölbung überhängender Felsen bemerkt. Da die Wurzeln vieler Baumarten Neuseelands sich theilweise über den Boden erheben, sind Höhlungen unter ihnen sehr gewöhnlich; es schien uns aber, als wären diese da, wo wir den Kakapo trafen, zum Theil erweitert worden, obgleich wir uns vergeblich nach ausgescharrter Erde umsahen.« Haast kommt zu derselben Ansicht: »Obgleich alle die verschiedenen Aufenthalte, welche ich untersuchte, natürliche Höhlen waren, so fand ich doch eine, welche künstlich gegraben war. Am nördlichen, durch Auswaschung der Ablagerungen zwei bis drei Meter hohen Ufer des Haastflusses nächst der Mündung des Clark waren nahe unter der Oberfläche mehrere runde Löcher, durch welche der Hund nicht eindringen konnte. Alsbald schnüffelte er an der Oberfläche und begann an einer Stelle den Boden aufzukratzen, wo er gerade das Ende der Höhle traf und auch bald den Vogel hervorzog. Die Höhle war bestimmt künstlich gebildet, so daß es wohl glaublich ist, der Vogel besitze die Fähigkeit zu graben.« Häufig haben die Höhlen zwei Oeffnungen; zuweilen waren die Bäume über ihnen eine Strecke hinauf hohl.

Bei Tage erblickt man den Kakapo nicht anders, als wenn man ihn aus seiner Höhle treibt. »Wir sahen uns«, bemerkt Lyall, »nur mit Hülfe von Hunden im Stande, ihn aufzufinden. Vor Einführung der Hunde, als der Vogel noch häufig war in den bewohnten Theilen der Inseln, pflegten ihn die Eingeborenen bei Nacht mit Fackeln zu fangen. Gegenwärtig ist eine Rasse halbwilder Hunde, welche in den nördlichen Gegenden dieser Insel haust, dem Kakapo beständig auf den Fersen und er dort beinahe ganz ausgerottet. Man sagt, daß die Verbreitung dieser Hunde zunächst noch durch einen Fluß begrenzt sei, und daß die gänzliche Ausrottung des Vogels zu fürchten stehe, wenn es ersteren gelänge, den Fluß zu überschreiten; denn obgleich er Krallen und Schnabel sehr empfindlich zu gebrauchen weiß und erklecklichen Widerstand leistet, muß er seinen vierfüßigen Feinden doch erliegen und ihm da, wo diese sich finden, früher oder später das Schicksal der Dronte werden.«

»Die Maoris versicherten mich«, sagt Haast, »der Kakapo sei ein sehr tapferer Vogel, welcher mit den Hunden öfter mit Erfolg kämpfe; allein dies ist nicht zu glauben, falls man nicht annehmen will, daß ihre Hunde sehr schwach gewesen seien; denn bei meinem gab es nie einen ernsthaften Kampf. Anfangs wurde der Hund allerdings von Schnabel und Klauen des Vogels arg mitgenommen; doch lernte er bald, sein Bild rasch zu bewältigen, indem er es immer gleich durch den Schädel biß.

Man war bisher der Ansicht, daß der Kakapo eine nächtliche Lebensweise habe; aber ich glaube, diese Ansicht dürfte durch meine Beobachtungen wohl dahin abgeändert werden, daß dies nicht ausschließlich der Fall ist. Denn obwohl man seinen Ruf gewöhnlich eine Stunde nach Sonnenuntergang, wann die dichte Laubdecke große Dunkelheit schafft, ringsum vernimmt, und er alsdann herumzuschweifen beginnt (wobei er, angezogen vom Lichte, unserem Zelte nahe kam, und von unserem Hunde gefangen wurde), so fanden wir ihn doch zweimal auch während des Tages fressend und sehr achtsam auf eine nahende Gefahr. Das erste Mal war es eines Nachmittags bei bewölktem Himmel im lichten Walde, als wir von der Westküste zurückkehrten, daß wir einen Kakapo auf einem umgestürztem Baume unweit des Flusses Haast bemerkten. Als wir in die Nähe kamen, verschwand er schnell, wurde jedoch vom Hunde gefangen. Das zweite Mal sahen wir einen ebenfalls noch am hellen Tage, als wir in einer tiefen Felsenschlucht gingen, auf einem Fuchsienbaum drei Meter über dem Boden sitzend, dessen Beeren fressend. Als er uns bemerkte, stürzte er wie geschossen zu Boden und verschwand unter den umherliegenden großen Felsblöcken. Das überraschendste für uns war, daß der Vogel keinen Gebrauch von seinen Flügeln machte, ja sie nicht einmal öffnete, um seinen Sturz zu mildern. Um zu erkunden, ob er denn gar nicht fliegen oder doch flattern werde, wenn er verfolgt wird, ließ ich einen ohne Schaden vom Hunde gefangenen Kakapo auf einen großen, freien, kiesigen Platz setzen, wo er hinreichend Raum hatte, um sich mittels der Schwingen zu erheben, wenn er überhaupt zu diesem Zwecke eines größeren Raumes bedurfte. Ich war jedoch überrascht, daß er nur dem nächsten Dickichte zulief, und zwar schneller, als ich in Anbetracht seiner Zehen und plumpen Gestalt erwartet hatte, und daß er in seinen Bewegungen den Hühnervögeln ähnelte. Ich stand seitlich von ihm, und mir schien, er halte die Flügel vollkommen geschlossen am Leibe; allein jene meiner Gefährten, welche hinter ihm standen, bemerkten, daß sie etwas geöffnet waren, jedoch nicht bewegt wurden, also wohl ohne Zweifel mehr dazu dienten, das Gleichgewicht zu erhalten, als seinen Lauf zu beschleunigen. Er zieht auch, obwohl sein Bau nicht zum Laufen geeignet erscheint, ziemlich weit, wie wir an den Spuren sehen konnten, die oft über eine halbe Meile über Sand und Geröll bis ans Flußufer führten.« Lyall hat den Vogel jedoch fliegen sehen, wenn auch bloß über unbedeutenden Strecken hin weg. »Bei unseren Jagden«, sagt er, »sahen wir den Kakapo nur dann fliegen, wenn er in einem hohlen Baume emporkletterte, um weiter oben einen Ausweg zu suchen. Von hier aus flog er regelmäßig nach tieferstehenden Bäumen herab, arbeitete sich an diesen aber und zwar kletternd mit Hülfe des Schwanzes rasch wieder empor. Die Flügelbewegung war sehr unbedeutend, kaum, daß man sie wahrnehmen konnte.

Das Geschrei des Kakapo ist ein heiseres Krächzen, welches in ein mißtöniges Kreischen übergeht, wenn der Vogel erregt oder hungrig ist. Die Maoris behaupten, daß der Lärm, welchen die Vögel verursachen, zuweilen betäubend werden könne, weil sie sich während des Winters in großen Gesellschaften zusammenhalten und bei ihrer ersten Zusammenkunft oder beim Auseinandergehen lebhaft begrüßen sollen.

Die Magen der von uns erlegten Kakapos enthielten eine blaßgrüne, mitunter fast weiße gleichartige Masse ohne Spur von Fasern. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Nahrung zum Theil in Wurzeln, theils aber auch in den Blättern und zarteren Sprößlingen verschiedener Pflanzen besteht. Wir bemerkten, daß an einer Oertlichkeit, wo die Vögel sehr zahlreich waren, alle jungen Triebe einer an den Ufern des Flusses wachsenden Schotenpflanze abgezupft waren, und erfuhren von unserem Steuermanne, welcher hier viele Jahre behufs des Walfischfanges verkehrt hatte, daß der Kakapo der Thäter sei; auch fanden wir dessen Schnabel fast immer mit verhärtetem Schmutze bedeckt.« Haast konnte die Nahrung noch genauer bestimmen. »Der Kakapo«, berichtet er, »scheint Flußwasser sehr zu benöthigen, um die breiigen Pflanzenmassen in seinem Kropfe damit zu mischen. Wir fanden den Kropf, mit Ausnahme von zwei Stücken, welche Beeren gefressen hatten, stets mit fein zertheiltem Moose gefüllt, und davon so ausgedehnt und schwer, daß er viele Unzen wog. Der Vogel erscheint auch viel kleiner, wenn der Kropf ausgeleert wird. Die Menge dieses wenig nahrhaften Futters, mit dem er sich vollstopfen muß, dürfte seine Bestimmung, auf der Erde zu leben, erklären, und ihn befähigen, in jenen Wildnissen fortzukommen, wo keine andere Art seiner Familie lebt.

Eine andere Eigenthümlichkeit, vielleicht ebenfalls Folge dieser Planzenkost, ist, daß er statt des öligen, weichen Fettes, wie es andere Vögel unter der Haut haben, viel festes, weißes Fett besitzt und auch sein Fleisch weit derber und besser ist, als das der anderen Papageienarten, und einen ausgezeichneten Geschmack hat. Man wird mir wohl vergeben, wenn ich bemerke, daß dieser Vogel eine köstliche Speise ist für die in diesen Wildnissen herumstreifenden Leute, und ich kann es sehr wohl begreifen, daß der alte Maori von der Westküste schon mit den Lippen schmatzt, wenn man nur vom Kakapo spricht.«

Ueber die Fortpflanzung gibt Lyall folgendes an: »Während der letzten Hälfte des Februar und der ersten des März, welche Zeit wir inmitten der Wohnplätze des Kakapo verweilten, fand ich in vielen seiner Höhlen Junge, oft nur eins und nie mehr als deren zwei. In einem Falle fand ich neben dem Jungen auch ein faules Ei. Gewöhnlich, jedoch nicht immer, wurde ein alter Vogel zugleich mit den Jungen in der Höhle angetroffen. Ein eigentliches Nest ist nicht vorhanden; der Kakapo scharrt sich nur eine seichte Höhlung in der trockenen Masse des vermoderten Holzes. Das Ei ist reinweiß, einem Taubenei an Größe ungefähr gleichkommend. Die Jungen, welche wir fanden, waren sehr verschiedenen Alters, einige fast ganz ausgefiedert, andere noch mit Dunen bedeckt.

Viele Junge wurden uns lebend an Bord des Schiffes gebracht. Die meisten von ihnen starben nach wenigen Tagen, wahrscheinlich infolge ungenügender Pflege, einige hielten einen oder mehrere Monate aus. Gewöhnlich verkrüppelten schon nach wenigen Wochen der Gefangenschaft die Beine, muthmaßlich wegen ihres zu engen Käfigs oder aus Mangel an gehöriger Nahrung. Man fütterte sie hauptsächlich mit eingeweichtem Brode und gekochten Kartoffeln. Wenn wir sie frei im Garten umherlaufen ließen, fraßen sie Kohl und Gras und knabberten an jedem grünen Blatte, welches ihnen in den Weg kam. Ein Kakapo, welchen ich glücklich bis auf sechshundert englische Meilen der britischen Küste nahe brachte, fraß während unseres Aufenthaltes in Sidney die Blätter einer Banksie und mehrerer Eukalypten, schien aber auch Nüsse und Mandeln zu lieben, und lebte während der letzten Hälfte unserer Heimfahrt fast ausschließlich von brasilianischen Erdnüssen. Zu verschiedenen Zeiten wurde dieser Vogel von Krämpfen befallen. Dann genoß er zwei bis drei Tage lang nichts, schrie wüthend und hackte mit dem Schnabel zu, wenn jemand ihn zu berühren versuchte. Ueberhaupt war wenig Verlaß auf ihn; denn oft biß er gerade dann sehr heftig, wenn man dies am wenigsten erwarten konnte. In der glücklichen Stimmung schien er zu sein, wenn man ihn morgens früh zuerst aus dem Käfige nahm. Er beschäftigte sich dann, sobald man ihn aufs Verdeck gesetzt hatte, mit dem ersten besten Gegenstande, oft mit meinen Beinkleidern oder Stiefeln. Letztere liebte er sehr, hockte auf ihnen nieder, schlug mit den Flügeln und gab alle Zeichen behaglichen Vergnügens von sich. Dann erhob er sich, rieb sich mit den Seiten an ihnen, rollte mit dem Rücken darauf herum und bewegte dabei aufs lebhafteste seine Füße. Durch einen unglücklichen Zufall kam er ums Leben. Ein anderer dieser Vögel, welchen Kapitän Stokes ans Land gesetzt und der Sorge von Major Murrey überantwortet hatte, durfte frei im Garten umherlaufen. Er zeigte große Zuneigung für die Gesellschaft von Kindern und folgte ihnen wie ein Hund auf Schritt und Tritt.«

Außer Lyall berichten Grey und neuerdings Sale über das Gefangenleben des Eulenpapageis. »Der Kakapo«, sagt erstgenannter, »ist ein gutmüthiger und kluger Vogel und fast warme Zuneigung zu denjenigen, welche ihm gutes erweisen. Er bekundet dieselbe, indem er an seinen Freunden umherklettert und sich an ihnen reibt, ist auch in hohem Grade gesellig und spiellustig. In der That würde er, wenn er nicht so viel Schmutz verursachte, einen besseren Gesellschafter abgeben als irgend ein anderer der mir bekannten Vögel; denn die Art, seine Zuneigung durch Spielen und Liebkosen zu zeigen, ist mehr die eines Hundes als eines Vogels.« Sale, welcher im Jahre 1870 den ersten lebenden Kakapo nach England brachte, schließt sich vorstehenden Bemerkungen im wesentlichen an. »Wärend der ganzen Zeit, in welcher ich den Vogel besaß,« sagt er, »ließ er nicht das geringste Zeichen von Unmuth bemerken, war vielmehr unverändert heiter oder gut aufgelegt und geneigt, jede ihm gespendete Aufmerksamkeit dankbar entgegenzunehmen. Bemerkenswerth ist seine Spiellust. Er kommt aus einer Ecke des Zimmers herbei, ergreift meine Hand mit Klauen und Schnabel, wälzt sich, die Hand festhaltend, wie ein Kätzchen auf dem Boden und eilt zurück, um sich zu einem neuen Angriffe einladen zu lassen. Sein Spiel wird zuweilen ein wenig derb; aber die geringste Zurechtweisung besänftigt ihn wieder. Er ist ein entschieden launiger Gesell. Zuweilen habe ich mich damit ergötzt, einen Hund oder eine Katze dicht vor seinen Käfig zu bringen: er tanzte mit ausgebreiteten Flügeln vor- und rückwärts, als ob er zornig scheinen wolle, und bezeigte, wenn sein ungewohnter Anblick die Thiere einschüchterte, durch ausgelassene Bewegungen und Stellungen Freude über den erzielten Erfolg. Eine seiner Eigenheiten besteht darin, daß er beim Umhergehenden Kopf umdreht und den Schnabel in die Höhe hält, als beabsichtige er, sich zu überzeugen, wie die Dinge umgekehrt aussähen. Die höchste Gunst, welche er mir erweisen kann, ist die, in meine Hand sich zu kauern, seine Federn aufzublähen und mit den herabhängenden Flügeln die Hand abwechselnd zu schlagen. Schüttelt er dann noch seinen Kopf, so befindet er sich im höchsten Zustande der Wonne. Ich glaube nicht, daß man Recht hat, ihn zu zeihen, daß er viel Schmutz verursache, denn er ist in dieser Beziehung gewiß nicht schlimmer als irgend ein anderer Papagei. Ueberrascht war ich, zu hören, daß er während der Zeit, welche er im Thiergarten zu Regents-Park verbrachte, sich selten am Tage zeigte. Nach meinen Erfahrungen war das Gegentheil der Fall. Er war für gewöhnlich zwar nicht so laut und lebhaft wie des Nachts, aber doch munter genug.«

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