Ausgestorbene Nagetiere der Neuzeit

Von der Bühler-Ratte (Coryphomys buehleri) sind bislang nur subfossile Bruchstücke bekannt, die in Kalksteinhöhlen im indonesischen Westtimor entdeckt wurden. Es war ein großer Vertreter der Altweltmäuse mit einem auffälligen Muster auf den Molaren. Es war eng mit der ebenfalls ausgestorbenen Art Spelaeomys florensis, die auf Flores lebte, verwandt.
Über den Zeitpunkt oder die Ursachen des Aussterbens der Bühler-Ratte gibt es keine genauen Angaben.

Coryphomys musseri lebte im Pleisto- und Holozän auf Timor. Coryphomys musseri erreichte wohl ein Gewicht in der Größenordnung von sechs Kilogramm und war möglicherweise eine Waldbewohnerin, die sich von Früchten und Blättern ernährte. Überreste der Art wurden in prähistorischen Feuerstätten aus verschiedenen Regionen Timors gefunden und 2010 von Ken Aplin und Kristofer Helgen als neue Art der Gattung Coryphomys beschrieben. Benannt ist die Art nach dem amerikanischen Zoologen Guy Musser, der Jahrzehnte lang über Riesenratten forschte.
Coryphomys musseri war, wie auch ihre Schwesterart C. buehleri, eine relativ große Vertreterin der Altweltmäuse. Die Dimensionen ihrer Knochen entsprechen denen rezenter Arten, die etwa ein bis zwei Kilogramm wiegen. Typisch für die Gattung ist die Kombination von leicht geneigten, moderat hypsodonten Backenzahnkronen, deutlich ausgebildeten anterozentralen Cuspiden am Molar m1, deutlich von den Zentralhöckern abgesetzten lingualen Haupthöckern t1 und t2 der oberen Molaren, ein deutlicher Höcker t7, der sich auf den Molaren M1 und M2 mit dem Höcker t8 vereinigt.

Die Bramble-Cay-Mosaikschwanzratte (Melomys rubicola) wurde 2016 als erste Säugetierart, die dem Klimawandel zum Opfer gefallen war, für ausgestorben erklärt. Sie gehörte zu den am stärksten isolierten Säugetierarten der Welt und war auf der kleinen Insel Bramble Cay in der Torres Strait im äußersten Norden des Great Barrier Reef endemisch.
Die Bramble-Cay-Mosaikschwanzratte erreichte eine Kopf-Rumpf-Länge von 140 bis 160 mm, eine Schwanzlänge von 145 bis 180 mm und Gewicht von 100 g. Die Zitzenformel betrug 2/0 = 4. Die Oberseite war einfarbig kastanienbraun oder hell graubraun und geht an den Flanken in ein Gelbbraun über. Die Unterseite war weiß, einschließlich der Füße, der Wangen und des Unterkiefers. Der Schwanz war lang und dünn, die Ohren waren klein. Die Bramble-Cay-Mosaikschwanzratte ähnelte der Cape-York-Mosaikschwanzratte (Melomys capensis). Sie unterschied sich von dieser durch unterschiedliche Blutproteine und morphologisch durch den beträchtlich raueren Schwanz, der durch erhabene Schuppen gekennzeichnet war.
Die Verbreitung der Bramble-Cay-Mosaikschwanzratte war auf Bramble Cay beschränkt, eine Koralleninsel mit 5 ha Gesamtfläche, wovon etwa 2,2 ha mit Vegetation bedeckt sind. Trotz intensiver Suche wurde sie nie auf anderen Inseln entdeckt. Sie war die einzige Säugetierart auf der Insel und lebte im dichten Gras in Gesellschaft von zahlreichen Seevögeln und Meeresschildkröten.
Über die Lebensweise der Ratte ist wenig bekannt. Sie war nachtaktiv und suchte tagsüber Schutz in Bauten. Die Ernährung war vegetarisch, sie ging in der Kraut- und Strandvegetation auf Nahrungssuche.
Im Jahr 2008 klassifizierte IUCN die Bramble-Cay-Mosaikschwarzratte in die Kategorie „vom Aussterben bedroht“ (critically endangered) und ging von einem Bestand von weniger als hundert Exemplaren aus, wovon etwa 50 geschlechtsreife Alttiere waren. Diese Schätzung basierte auf einer Suchexpedition zwischen den Jahren 2002 und 2004, wo die letzten Exemplare beobachtet wurden.
Bei einer Suchexpedition im Jahr 2011 konnte kein Exemplar mehr nachgewiesen werden. 2012 wurde die Bramble-Cay-Mosaikschwanzratte in die Kategorie „vom Aussterben bedroht“ mit dem Zusatz „möglicherweise ausgestorben“ in den Environment Protection and Biodiversity Conservation Act aufgenommen. Als Hauptgefährdung wurde die Erosion der Insel angenommen. Eine mögliche Naturkatastrophe, wie ein heftiger Sturm, könnte den gesamten geeigneten Lebensraum der Art zerstören. Invasive Pflanzen, die Einfuhr von Beutegreifern sowie die Ausbreitung von Seuchen stellen ebenfalls eine beträchtliche Gefährdung dar. Da die Untersuchung während der Hauptbrutsaison der Meeresschildkröten stattfand, wurde im Frühjahr 2014 eine weitere Suchaktion unternommen, die erneut erfolglos blieb.
Im Juni 2016 wurde die Bramble-Cay-Mosaikschwarzratte von der IUCN Red List als ausgestorbene Säugetierart eingestuft. Sie ist damit die erste Säugetierart, die als durch den anthropogenen Klimawandel derart eingestuft wurde und tatsächlich auch ausgestorben ist. Ein besonders hoher Anstieg des Meeresspiegels im Bereich der Torres Strait um 6 mm pro Jahr seit 1993, insgesamt 10,2 cm allein in der Zeit von 1993 bis 2010, und veränderte Wetterverhältnisse, etwa verstärkte zyklonischer Aktivität, vernichteten 97 % des Lebensraums der Tiere innerhalb von nur 10 Jahren und führte zu einer wiederholten Überflutung der Insel. Die Vegetation ging dramatisch zurück, nur zwei von vorher mehr als elf Pflanzenarten wurden 2014 noch auf der Insel aufgefunden. Die Regierung von Queensland hat dazu aufgefordert, andere Orte auf eine mögliche Population zu untersuchen, sieht diese Suche aber als nahezu aussichtslos an.
Im Februar 2019 wurde die Bramble-Cay-Mosaikschwarzratte vom australischen Umweltministerium in die Liste der ausgestorbenen Säugetiere nach dem Environment Protection and Biodiversity Conservation Act aufgenommen.

Die Pemberton-Hirschmaus (Peromyscus pembertoni), auch als Pemberton-Maus oder Pemberton-Weißfußmaus bezeichnet, erreichte eine Kopf-Rumpf-Länge von 106 mm und eine Schwanzlänge von 104 mm. Die Hinterfußlänge betrug 24 mm. Die Oberseite war hell zimtfarben bis ocker-sandfarben und am Rücken mit feinen dunklen Linien meliert. Der Kopf war heller als der Rücken. Die Unterseite war weiß. Der Schwanz war zweifarbig, mit einer braunen Oberseite und einer weißen Unterseite.
Die Pemberton-Hirschmaus war endemisch auf der Pazifikinsel Isla San Pedro Nolasco im Golf von Kalifornien. Neben Peromyscus boylii glasselli war die Pemberton-Hirschmaus das einzige weitere Säugetier auf der Insel, die eine Fläche von 3,2 km² hat und ungefähr 10 km westlich vor der Küste des mexikanischen Bundesstaates Sonora liegt. Dominierende Pflanzentaxa auf der Isla San Pedro Nolasco sind Bursera microphylla, Echinocereus websterianus, Euphorbia magdalenae, Fouquieria diguetii, Jatropha cuneata, Mammillaria multidigitata, Mammillaria tayloriorum, Melochia tomentosa, Opuntia fulgida var. fulgida, Pachycereus pringlei, Pedilanthus macrocarpus, Simmondsia chinensis und Stenocereus thurberi. Über die Lebensweise der Pemberton-Hirschmaus ist nur wenig bekannt.
Die Pemberton-Hirschmaus ist nur von zwölf Exemplaren bekannt, die der US-amerikanische Zoologe Dr. William Henry Burt vom California Institute of Technology im Dezember 1931 aufsammelte. Bei nachfolgenden Expeditionen (zuletzt 1997) wurde das Taxon nicht mehr nachgewiesen. Die Gründe für das Verschwinden der Pemberton-Hirschmaus sind weitgehend unbekannt. Hypothesen gehen jedoch in die Richtung, dass Peromyscus boylii glasselli besser um die Nahrungsquellen konkurrieren konnte und die Pemberton-Hirschmaus nach und nach aus ihrem Lebensraum verdrängt hat. Benannt ist die Art nach John Roy Pemberton (1884–1968), einem Ornithologen und Geschäftsmann, der Burts Forschungsarbeit im Golf von Kalifornien finanzierte.

Die Puebla-Hirschmaus (Peromyscus mekisturus) war im mexikanischen Bundesstaat Puebla endemisch und ist nur von zwei Exemplaren bekannt.
Beim Holotypus, einem Weibchen, beträgt die Kopf-Rumpf-Länge 249 mm, die Schwanzlänge 155 mm und die Hinterfußlänge 24 mm. Das zweite Exemplar ist ein Männchen, bei dem die Kopf-Rumpf-Länge 222 mm, die Schwanzlänge 135 mm, die Hinterfußlänge 22 mm und die Ohrenlänge 17 mm beträgt. Die Oberseite ist vorne grau, geht allmählich in ein Oliv-rötlichgelb über und ist am Steiß blass rötlichgelb. Der Rücken ist etwas mit schwarzen Haaren bedeckt, jedoch gibt es keinen dunklen Rückenbereich. Die Nase ist grau mit einem kleinen weißlichen Fleck an der äußersten Spitze. Um die Augen verläuft ein dunkler Ring. Die Unterseite ist gelbbraun-weißlich, die Brustregion gelbbraun und Kinn, Lippen sowie Schnauzenseiten sind weißlich. Die Handgelenke sind dunkel, die Vorderfüße weiß. Die Vorderseite der Knöchel und die oberen zwei Drittel des Mittelfußes sind dunkel. Der Rest der Hinterpfoten, die Zehen und die Knöchelseiten sind weiß. Der Schwanz ist an der Oberseite dunkel und undeutlich heller an der Unterseite. Beim Schädel ist das Rostrum kurz und schmal. Das Jochbein ist quadratisch und breitet sich nach vorne hin aus. Die Außenseiten laufen nach vorne hin stark zusammen. Das Stirnbein verengt sich zwischen den Augenhöhlen. Ein Überaugenwulst wie bei anderen Peromyscus-Arten fehlt. Der Hirnschädel ist breit und ziemlich flach. Das Inkabein ist schmal. Die Paukenblase ist klein.
Der Holotypus wurde im März 1894 von Edward William Nelson und Edward Alphonso Goldman in 2560 m Höhe bei Chalchicomula (Ciudad Serdán) im mexikanischen Bundesstaat Puebla gesammelt. Das zweite Exemplar wurde 1947 von Emmet Thurman Hooper (1911–1992) in 1700 m Höhe bei Tehuacán im Bundesstaat Puebla gefangen. Die IUCN listet die Puebla-Hirschmaus in der Kategorie „vom Aussterben bedroht“ (critically endangered) mit dem Zusatz „möglicherweise ausgestorben“ (possibly extinct). Vermutlich beträgt die Fläche des Verbreitungsgebiets weniger als 100 km². Der Lebensraum ist stark fragmentiert und durch landwirtschaftliche Aktivitäten akut beeinträchtigt.

Zunigas Dunkle Reisratte (Melanomys zunigae) kommt oder kam in der Provinz Lima in Peru vor. Benannt ist es nach dem peruanischen Zoologen Enrique Zuñiga, der 1942 die Typusexemplare gesammelt hatte.
Die Gesamtlänge beträgt 206 bis 241 mm, die Schwanzlänge 81 bis 105 mm und die Hinterfußlänge 23 bis 28 mm. Der Schwanz ist deutlich kürzer als der Kopf und der Rumpf. Der Rücken ist graubraun, heller an den Seiten und die einzelnen Haare haben entweder eine dunkle Basis und eine braune Spitze oder sie sind von der Basis bis zur Spitze völlig grauschwarz. Der Bauch ist braun mit hindurchschimmernden grauen Haaren. Die Füße und der Schwanz sind braun.
1942 fing der peruanische Zoologe Enrique Zuñiga in den Lomas de Atocongo und am Cerro San Jerónimo in 600 bis 800 m Höhe acht Exemplare dieser Reisrattenart, die Colin Campbell Sanborn 1949 als Typusmaterial für die wissenschaftliche Erstbeschreibung dienten. Nach sporadischen Expeditionen wurde zwischen Juli 2005 und Oktober 2006 eine intensive Suchaktion durchgeführt, bei denen jedoch kein Exemplar mehr nachgewiesen werden konnte. Ferner liegt ein unbestätigter Bericht aus dem Jahr 1990 von den Lomas de Lachay vor. 1996 wurde dieses Taxon in die Kategorie „nicht gefährdet“ (least concern) in die Rote Liste der gefährdeten Arten der IUCN aufgenommen. 2008 wurde dieser Status in „vom Aussterben bedroht“ mit dem Zusatz „möglicherweise ausgestorben“ (critically endangered (possibly extinct)) geändert, da es seit 1949 keinen sicheren Nachweis mehr gegeben hat. Die terra typica an den Lomas de Atocongo und am Cerro San Jerónimo, zwei Bergregionen in der Nähe der peruanischen Hauptstadt Lima, ist durch die Überweidung durch Ziegen und durch Bergbauaktivitäten stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Der sehr spezifische Lebensraum dieser Art ist fast vollständig durch menschliche Aktivitäten verändert worden.

Dieser Beitrag wurde unter Ausgestorben veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.