1. Zooreise 2026 – Tag 1: BayrischChina und das Altmühltal

Eichstätt

Die erste Zooreise in diesem Jahr, trotz wenig vielversprechenden Wetters…
Aber da muss man durch und auf das Wetter kann man keinen Einfluss nehmen, und im Nachhinein gesehen kann man sagen, dass uns das Wetter durchaus wohlgesonnen war. Es war kalt und hat geregnet, aber dem Regen sind wir immer gut aus dem Weg gegangen. Gegen die Kälte kann man wenig tun, außer sich warm anziehen…
Unser erstes Übernachtungsziel war Heidelberg, mal wieder… und auf dem Weg dorthin gab es natürlich auch ein paar Zwischenstopps, obwohl auch viel Improvisation dabei war.

Geplant waren das Informationszentrum Altmühltal und die Museen auf der Wilibaldburg, sowie ein Spaziergang an der Stadtmauer von Dinkelsbühl. Aber es kam ein bisschen anders weil wir in Dietfurt spontan einer Stadtführung anschlossen.
Dietfurt am unsinnigen Donnerstag …. das ist Chinesenfasching in Bayrisch China und dementsprechend konnte man das schon bei der Stadtführung erkennen…
Dietfurt an der Altmühl liegt im heutigen Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz und blickt auf eine lange Siedlungsgeschichte zurück. Archäologische Funde belegen eine Besiedlung bereits in vorgeschichtlicher Zeit (unsere Stadtführerin sprach von archäologischer Verseuchung, aber so unrecht hat sie nicht, wirft man einen Blick auf das Altmültal so findet man da sehr viel an archäologischer und paläontologischer Durchseuchung … was die Gegend aber auch interessant macht). Im Mittelalter entwickelte sich der Ort zu einem regional bedeutenden Markt. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem 11. Jahrhundert. Aufgrund seiner Lage an wichtigen Handelswegen profitierte Dietfurt vom Warenverkehr entlang der Altmühl und wurde zu einem kleinen wirtschaftlichen Zentrum.
Im 14. Jahrhundert erhielt Dietfurt das Marktrecht, was Handel und Handwerk förderte. Mehrfach wurde der Ort von Kriegen, Bränden und Seuchen getroffen, besonders während des Dreißigjährigen Krieges, der große Zerstörungen hinterließ. Dennoch gelang immer wieder ein Wiederaufbau. Im 19. Jahrhundert brachte die Eingliederung in das Königreich Bayern neue Verwaltungsstrukturen und wirtschaftliche Impulse.

Ein entscheidender Wandel erfolgte im 20. Jahrhundert mit dem Bau des Main-Donau-Kanals. Dieser stärkte die Infrastruktur und machte Dietfurt zu einem wichtigen Standort für Schifffahrt und Tourismus. Heute verbindet die Stadt historische Bausubstanz mit moderner Entwicklung.
Der Chinesenfasching in Dietfurt an der Altmühl ist eine der ungewöhnlichsten Faschingstraditionen Deutschlands und hat den Ort weit über Bayern hinaus bekannt gemacht. Jedes Jahr am Unsinnigen Donnerstag verwandelt sich die Stadt symbolisch in „Bayrisch-China“. Tausende Besucher kommen, um den großen Umzug und das bunte Spektakel zu erleben.
Der Ursprung der Tradition liegt vermutlich im 19. Jahrhundert. Einer lokalen Legende nach sollen Dietfurter Bürger bei einer Steuerzählung ihre Stadttore geschlossen und sich „versteckt“ haben. Die Behörden bezeichneten die Bewohner daraufhin scherzhaft als „Chinesen“, weil man sich das damalige China als abgeschottetes Reich vorstellte. Aus dieser spöttischen Bezeichnung entwickelte sich im Laufe der Zeit eine humorvolle Identität, die die Dietfurter selbstbewusst annahmen und in Faschingsform weiterpflegten.
Heute inszeniert sich Dietfurt während des Faschings als fantasievolle Mischung aus bayerischer und chinesischer Symbolik. Es gibt einen „Kaiser“ (oder eine Kaiserin, oder, wie derzeit ein Kaiserpaar), ein kaiserliches Gefolge, Drachenfiguren, Lampions und aufwendig gestaltete Kostüme. Der Höhepunkt ist der große Umzug mit satirischen Wagen, Musikgruppen und Tanzformationen. Dabei werden lokale und politische Themen humorvoll kommentiert – ganz im Geist des traditionellen Faschings.
Wichtig ist: Der Chinesenfasching versteht sich als karnevalistische Persiflage mit langer lokaler Geschichte, nicht als authentische Darstellung chinesischer Kultur. In den letzten Jahren wird sensibel darüber diskutiert, wie Tradition und kultureller Respekt in Einklang gebracht werden können. Die Veranstalter bemühen sich um einen bewussten Umgang mit Symbolen.
Trotz dieser Debatten bleibt der Chinesenfasching ein zentraler Bestandteil der Dietfurter Identität. Für viele Einheimische ist er Ausdruck von Gemeinschaft, Selbstironie und jahrhundertealter Faschingsfreude – eine Tradition, die Geschichte, Humor und lokale Verbundenheit auf einzigartige Weise verbindet.

Zum Umzug sind wir nicht geblieben, zwischen Ende der Führung und Umzugsbeginn hätten wir noch drei Stunden verbringen müssen… und wer weiß ob wir später, wenn wir die Stadt verlassen hätten, noch einen Parkplatz bekommen…. da es aber später in anderen Teilen des Altmühltals geregnet hat, gehe ich davon aus, dass das in Dietfurt nicht anders war … also keine schlechte Entscheidung statt dem Chinesenfaschingstrubel nach Eichstätt zu fahren. Erst ins Informationszentrum und dann in die Burg…. nachdem das Informationszentrum aber Mittagspause hatte waren wir erst in der Burg und dann in der Willibaldsburg, beziehungsweise dessen Museen.
Aber … der Chinesenfasching wird auch im nächsten Jahr sein und vielleicht sollte man sich einfach einen Tag Zeit nehmen und nur nach Dietfurt fahren, um sich ein Bild des Faschingsumzugs zu machen …
Das haben wir verpasst:

Aber das ist Zukunft … die Willlibaldsburg ist Gegenwart (obwohl mein Besuch in der Vergangenheit war, nachdem meine Reiseberichte nicht zeitnah erscheinen)-

Willibaldsburg

Die Ursprünge der Willibaldsburg reichen bis ins 14. Jahrhundert zurück, als sie als befestigte Residenz der Eichstätter Fürstbischöfe errichtet wurde. Benannt ist sie nach dem heiligen Willibald, dem ersten Bischof von Eichstätt.
Im 16. Jahrhundert wurde die Burg zu einer modernen Renaissancefestung ausgebaut. Besonders unter Fürstbischof Martin von Schaumberg erhielt sie mächtige Bastionen und dicke Mauern, die den damaligen militärischen Anforderungen entsprachen. Während des Dreißigjährigen Krieges spielte die Anlage eine strategische Rolle und diente als Zufluchtsort.
Im Laufe der Zeit verlor die Willibaldsburg ihre militärische Bedeutung und wurde teilweise dem Verfall überlassen. Erst im 20. Jahrhundert begann eine umfassende Sicherung und Restaurierung. Heute beherbergt die Burg bedeutende Sammlungen, darunter das Jura-Museum mit Fossilien aus der Region sowie kunsthistorische Ausstellungen. Das Jura-Museum wurde 1976 als staatlich verwaltetes Museum in Trägerschaft des Bischöflichen Seminars St. Willibald Eichstätt eröffnet und feiert 2026 sein 50jähriges Bestehen. Im Laufe des Jahres wird es einige Veranstaltungen geben, viel davon haben wir bei unserem Besuch noch nicht gemerkt … das Jahr hat aber auch erst begonnen.
Besonders interessant fand ich eine Sonderausstellung zu einem neu entdeckten, noch unbeschriebenen Raubsaurier aus der Umgebung. Jedenfalls nachdem ich die Ankündigung auf der Website gesehen habe. Die entsprechende Pocket-Ausstellung war eher enttäuschend:
Neuer Raubsaurier aus Ellingen
Donnerstag, 29. Januar 2026 – Sonntag, 3. Mai 2026
Pocket- Exhibition: Forschung sichtbar und erlebbar machen
Ein großer Raubsaurier kehrt in seine Heimat zurück. Das Jura-Museum zeigt bis 03. Mai 2026 eine Pocket Exhibition über einen Fund, der fast 50 Jahre unerkannt in der Bayerischen Staatssammlung für Geologie und Paläontologie lag. Wie vielseitig die Forschung daran ist, zeigt diese Ausstellung. Interaktive Stationen ermöglichen es, Knochenfragmente zu untersuchen und Einblicke in die Lebenswelt des Sauriers zu gewinnen. Es wird veranschaulicht, wie Fossilien analysiert und erforscht werden.

Eine zweite Sonderausstellung befasst sich mit der Photosynthese:
PhotoSynthesis – Art meets Science
Mittwoch, 12. November 2025 – Sonntag, 12. April 2026
Das Jura-Museum in Eichstätt zeigt ab dem 12.November 2025 die Sonderausstellung PhotoSynthesis – Art meets Science
Die neue Sonderausstellung im Jura-Museum stellt die Kunstwerke-Serie PhotoSynthesis von Evgenius Syn & SYN Art Group in einen Dialog mit der Naturwissenschaft. Die fantastischen Kunstwerke sprechen von der Natur und zeigen ihre universelle Harmonie und Schönheit. Farben und Symmetrie spielen hier eine ebenso große Rolle wie in der Natur selber. PhotoSynthesis ist die Grundlage des Lebens auf der Erde. Sie musste sich entwickeln, und ihre Evolution wird durch Fossilien belegt. Sie zeigen, wie diese Evolution unsere Erde einmalig machte. PhotoSynthesis hat das Leben auf der Erde seit ihrer Entstehung geprägt. Erleben Sie im Jura-Museum wie Kunst, Natur und Wissenschaft im Gespräch PhotoSynthesis neu entdecken lassen und gleichzeitig eine universelle Wahrheit offenbaren: Harmonie ist eine universelle Sprache, die uns mit der Welt um uns herum verbindet.
Die Ausstellung bietet für jede:n etwas: Zu den wunderschönen Kunstwerken, in die man sich hinein vertiefen kann, liefern ergänzende Exponate erstaunliche und spannende Informationen. In der dunklen Jahreszeit ist diese Ausstellung ein leuchtender Ausblick auf den Frühling.

Das war allerdings auch nicht so mein Fall …

Notre Dame du Sacré Cœur und Eingang des Informationszentrum Altmühltal

Weiter ins Naturparkinformationszentrum Altmühltal im Kloster Herz Jesu (auch „Notre Dame du Sacré Cœur“)
Es handelt sich um ein ehemaliges Frauenkloster der Augustiner Chorfrauen B.M.V. des Ordens der regulierten Chorfrauen des hl. Augustinus in Eichstätt in Bayern.
Es wurde 1711 unter Fürstbischof Johann Anton I. Knebel von Katzenelnbogen von seiner Nichte Maria Anna Charlotte Knebel von Katzenelnbogen (* 1685; † 1755) gegründet. Diese hatte als Kind einige Zeit im Pensionat der Mainzer Congrégration de Notre Dame zugebracht. Sie (seit 1710 Freiin) wurde die dritte Oberin des Klosters und stand ihm 1716–30 und noch einmal 1733–55 vor.
Am 6. Juli 1712 erfolgte die Grundsteinlegung zum Klosterbau, der in den Jahren danach nur zögerlich vorankam. 1716 erfolgte der Einzug in das unfertige Haus am Graben.
Die Klosterkirche, eine der hervorragendsten baukünstlerischen Leistungen der Barockzeit im bayerischen Raum, wurde 1719–22 von Gabriel de Gabrieli als Zentralbau mit konvexer Fassade und Kuppel errichtet, von Franz de Gabrieli stuckiert und von Johann Georg Bergmüller freskiert. Mit der Konsekration der Kirche am 3. Juni 1723 war die Gründungsphase des Klosters abgeschlossen. 1730 dürfte der Konvent mit 33 Personen, darunter 22 Chorfrauen, die höchste Mitgliederzahl erreicht haben.
Die Klosterfrauen betrieben gemäß Ordensauftrag von Anfang an zwei Schulen. In der „äußeren Schule“ unterrichteten sie Stadtschülerinnen (1713: über 120), in der „inneren“, dem „Pensionat“, das an das Kloster unmittelbar angebunden war, die „Pensionärinnen/Kostfräulein“ (1731: über 60; 1777: 36; 1806: 27), die aus Bayern, Franken, Schwaben und Österreich, aber auch aus dem Hochstift selber kamen und mehrheitlich Adelige waren. 1724 bauten die Nonnen für die Stadtmädchen in der Nähe des Klosters ein neues Schulhaus (heute 2. Evangelisches Pfarrhaus), 1727 an das Kloster einen Pensionatsflügel. Der Unterricht in der äußeren Schule umfasste Gebet und geistliche Lieder, Katechismus, Lesen, Schreiben, Rechnen und Handarbeiten, in der inneren Schule deutsche und französische Sprache, Katechismus, Heilige Schrift, religiöse Lieder, ein wenig Geographie und Arithmetik und auch hier Handarbeiten. Ähnlich wie im Eichstätter Jesuitenkolleg führte man Theaterstücke auf.
In der Umwälzungszeit der Säkularisation 1802–08 wurde das Stift als einziges Eichstätter Kloster wegen der beiden Schulen nicht aufgehoben. Allerdings durften keine Novizinnen mehr aufgenommen werden, und die Schulen erhielten staatliche Vorgesetzte. Erst am 22. Oktober 1809 verfügte König Maximilian I. Joseph die Auflösung der Congrégation de Notre Dame. Die Schwestern zogen in ein vom Bischof zur Verfügung gestelltes Haus um; die letzte starb 1868.
1810/11 wurde der geringe klösterliche Grundbesitz, die äußere Schule und die Klostergebäude verkauft. Die Seitenaltäre wurden an die Wallfahrtskirche St. Sebastian in Arnsberg verkauft. Dort stehen sie heute noch. Ab 1814 diente die Kirche als Magazin. 1912–20 unterhielt die Stadt darin ein Museum. In den Jahren 1984 bis 1988 wurde die ehemalige Klosterkirche saniert. Zwischen 1989 und 1991 wurde der südliche Flügel durch Stadtbaumeister Andreas Mühlbauer und Mitarbeiter Siegfried Dengler zusammen mit den Bauingenieuren Martinka + Grad und Lichtplaner Walter Bamberger umgebaut und zu einem Informationszentrum für den Naturpark Altmühltal umgestaltet. Bauleitung hatte Prechtl und Seibold.
In den Garten des Zentrums sind wir nicht gegangen …. irgendwie nicht reizvoll bei Regen und wenn nichts blüht. Reizvoll allerdings ist es wenn man das Kloster für sich alleine hat (hatten wir) und man sich die Deckenkuppel gemütlich bei klassischer Musik ansehen kann (haben wir). Kann man aber nur machen, wenn man alleine ist. Nur Einschlafen sollte man nicht (sind wir auch nicht).
Und dann ging es nach Heidelberg wo wir (Überraschung! Überraschung!) in Moe’s Roadhouse.

Dietfurt
EichstättDas Jura-Museum auf dem Blog
10 Orte im Altmühltal, die man (nicht) unbedingt gesehen haben muss (für diejenigen, die einen Besuch im Altmühltal in Betracht ziehen)

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