8. Zooreise 2026 – Tag 7: (Tote) Menschen, Tiere, Schiefe Burgen und … der Berufsverkehr in Prag

Heute stand nur ein Zoo auf dem Programm, der Zoo in Chleby, aber das heißt nicht, dass der Tag nicht vollgepackt war. Nur eben nicht mit Zoos.
Geplant waren auch Besuche in Kutna Hora, im Beinhaus von Sedlitz und der Kathedrale, der Burgruine von Jungbunzlau und dem Aussichtsturm Petrin in Prag. Zwischenzeitlich habe ich noch mit einem anderen Zoo in der Prager Umgebung und dem Krokodilzoo in Prag geliebäugelt, aber ein Zeitproblem hatten wir nicht … den Prager Berufsverkehr darf man nicht unterschätzen.
Auch ein Besuch des Fernsehturms wurde überlegt, aber bevor wir wieder in Prag waren mussten wir die Stadt erst einmal verlassen.
Unser erstes Ziel war das Beinhaus von Sedlitz.

Das Beinhaus Sedlec (tschechisch: Kostnice Sedlec) ist ein Ossarium in Sedlec (deutsch Sedletz), einem Ortsteil von Kutná Hora (Kuttenberg), etwa 70 km östlich von Prag. Es befindet sich im Untergeschoss der Allerheiligenkirche (tschechisch: Hřbitovní kostel Všech svatých) auf dem Sedletzer Friedhof. Berühmtheit erlangten Kirche und Beinhaus durch die Aufbewahrung von rund 40.000 menschlichen Skeletten, wovon die Knochen von etwa 10.000 Menschen künstlerisch verarbeitet wurden, um Dekorationen und Einrichtungsgegenstände für das Kirchengebäude zu formen.
Sehr beeindruckend und irgendwie unwirklich. Leider ist das Fotografieren verboten. Aber auch verständlich in der heutigen Zeit wenn alle ihre Selfies machen wollen.

Der Legende nach wurde Heinrich, ein Abt des Zisterzienser-Klosters Sedlec, um 1278 von König Ottokar II. Přemysl von Böhmen mit einer Botschaft nach Jerusalem entsandt. Auf seiner Rückreise brachte der Abt eine Handvoll Erde vom Kalvarienberg mit und verteilte diese über den Klosterfriedhof, der dadurch zu heiligem Boden erklärt wurde.
Daraufhin entwickelte sich der Friedhof zu einem begehrten Bestattungsort in Mitteleuropa, auf dem nicht nur Menschen aus der Umgebung von Sedlec und aus Böhmen, sondern auch aus Polen, Bayern und den Niederlanden bestattet wurden. Aufgrund der Pestepidemien in der Mitte des 14. Jahrhunderts (hierdurch zählte der Friedhof bereits etwa 30.000 Tote) und der Hussitenkriege im 15. Jahrhundert, die mehrere tausend Opfer forderten, musste der Friedhof ständig erweitert werden. Das Gelände erfuhr seine größte Ausdehnung mit zirka 3,5 ha. Viele der Toten wurden in Massengräbern verscharrt.
Im frühen 15. Jahrhundert wurde im Zentrum des Friedhofs ein zweigeschossiges Kirchengebäude im gotischen Stil errichtet. Im Verlauf der Bauarbeiten wurden die Überreste der Toten exhumiert und im Untergeschoss des Kirchengebäudes eingelagert, das seither als Beinhaus genutzt wurde. Da der Friedhof verkleinert werden sollte, wurde die Exhumierung der Toten auch nach dem Bau der Kirche fortgesetzt. Dieser Auftrag soll laut Überlieferung ab etwa 1511 von einem halbblinden Zisterziensermönch ausgeführt worden sein, der die Gebeine systematisch im Ossarium niederlegte. Insgesamt wurden die Überreste von rund 40.000 Menschen zusammengetragen.
Zwischen 1703 und 1710 baute Johann Blasius Santini-Aichl den Eingangsbereich und einen Teil des Obergeschosses der Kirche im böhmischen Spätbarockstil um. Nach den Josephinischen Reformen wurde die Fürstenfamilie Schwarzenberg auf das Kirchengebäude aufmerksam und kaufte es im 19. Jahrhundert auf. 1870 beauftragte sie den Holzschnitzer František Rint aus Skalitz mit der Innenausstattung des Ossariums auf eher ungewöhnliche Art und Weise: Nicht Holz diente Rint als Baumaterial, sondern die im Beinhaus eingelagerten Knochen.
František Rint schuf das gesamte Inventar mithilfe menschlicher Knochen. Hierfür benötigte er die Gebeine von rund 10.000 Menschen. Unweit der Eingangstür führt eine Treppe in das Untergeschoss des Kirchengebäudes. Auf beiden Seiten des Treppenabgangs stehen zwei fast menschengroße Abendmahlskelche, ein Symbol der Hussiten. Rechts, neben einem der Kelche, befindet sich ein aus Knochen und Schädeln geformtes Jesus-Monogramm.
In der Raummitte des Untergeschosses hängt ein achtarmiger Lüster, der nahezu sämtliche Knochensorten des menschlichen Körpers enthält. Unterhalb des Lüsters befinden sich vier Fialen, bestückt mit jeweils 22 Schädeln. Das Gewölbe wurde mit mehreren Girlanden aus Schädeln und Oberarmknochen dekoriert; ähnliche Konstrukte finden sich als Wandschmuck und insbesondere an den Gurtbögen wieder.
Auf der linken Raumseite hängt das ebenfalls komplett aus Knochen gebildete Wappen der Familie Schwarzenberg. Es zeigt unter anderem einen Raben, der – symbolisch und in Anlehnung an die Kämpfe mit den Osmanen im 16. Jahrhundert – einem Schädel (in diesem Fall einem auf dem Schlachtfeld gefallenen Kämpfer) das linke Auge aushackt.
Der Hauptbestand der Gebeine wurde jedoch in den Nebenräumen konisch angehäuft, insgesamt vier gigantische Knochenberge zieren die Seitenschiffe des Souterrains. In den Nischen links und rechts neben dem Hauptaltar stehen zwei Monstranzen. An manchen Schädeln, besonders an denen, die in der Nähe der Nebenaltäre lagern, sind deutliche Spuren der Gefechte während der Hussitenkriege zu erkennen (Dreschflegel, Fausthammer).
Rint selbst hinterließ seinen Namen – aus Knochen geformt – an einer Wand neben dem Treppenaufgang.

Danach besuchten wir die Kathedrale. Für das Beinhaus gibt es Tickets mit Zeitfenster, diese enthalten neben der Besichtigung des Beinhauses, für das man 30 Minuten hat, was absolut ausreichend ist, will man nicht jeden einzelnen Schädel begutachten, auch einen Besuch der Kathedrale, ohne Zeitfenster.
Die Kirche Mariä Himmelfahrt (kostel Nanebevzetí P. Marie) wurde zwischen 1280 und 1320 im gotischen Stil durch die Zisterzienser-Bauhütte erbaut. Im Dreißigjährigen Krieg zerstört, wurde sie von 1699 bis 1707 auf Veranlassung des Abtes Heinrich Snopek durch die Architekten Paul Ignaz Bayer und Giovanni Santini-Aichel wiederhergestellt. Dieser Denkmalkomplex gehört zu den bedeutendsten frühen Kirchenbauwerken in Böhmen. Die Kirche wurde auf Erlass von König Wenzel II. im Stil des französischen Kathedralentyps errichtet. Besonders erwähnenswert ist die gotische Monstranz (ca. 1390), die auf einen Entwurf aus der Prager Bauhütte von Peter Parler zurückgeht.

Beutelwolf (Zoo Chleby)

Danach ging es nach Chleby. Der letzte und bisher einzige Besuch war schon einige Zeit her (2013, und schon damals war der Verkehr in Prag ein Thema, auch wenn ich das verdrängt hatte), inzwischen ist der Zoo größer geworden. Es gibt zwei Teile, den alten und den neuen Zoo … nur … manche Tiere haben auch im neuen Zooteil kein besseres Leben … vor allem die Vögel im Terrarium … dass der alte Zoo auch in die Jahre gekommen ist, verwundert nicht. Schade für die Tiere, schade für das allgemeine Zooimage. Und dabei hat der Zoo einige interessante Arten zu bieten. Rotschenklige Kleideraffen (seit 2016) zum Beispiel erwarte ich in einem Zoo wie Chleby nicht. Ein bisschen schade fand ich, dass auch die Darstellungen der ausgestorbenen Tiere, die ich damals als gute Idee sah, etwas heruntergekommen ist. Nur der Beutelwolf hat noch eine Beschriftung, die aber nur teilweise lesbar ist. Ich sehe darüber hinweg dass es sowieso in tschechisch ist, aber der normale Besucher des Zoos ist dieser Sprache mächtig. Bei den anderen Tieren muss man wissen was sie sind, sonst sind Blaubock, Quagga und Co. nur irgendwelche Tiere. Dafür gibt es im neuen Zoo Metalskulpturen der aktuell gehaltenen Tiere … wäre schön, wenn man sich stattdesen der ausgestorbenen Tiere angenommenhätte …aber das ist nur meine eigene bescheidene Meinung.

Burg Michalovice

Burg Michalovice

Danach ging es weiter nach Jungbunzlau. Dorthin wollte ich schon immer, zumindest seit ich den Namen bei GoogleMaps entdeckt habe. Auf tschechisch heißt der Ort Mladá Boleslav, aber bei Google wird er als Jungbunzlau angegeben… und irgendwie finde ich den Namen witzig. Ob es dort viel zu sehen gibt, weiß ich nicht, abgesehen von einer Ruine mit schiefem Turm (obwohl ich inzwischen mehr weiß … und Jungbunzlau unter anderem auch ein Skodamuseum, ein Luftfahrtmuseum und Gebäude aus der Renaissance in der Altstadt aufweist).
Die staatliche tschechische Denkmaldokumentation nennt die Markwartinger (Markvartici) als Gründer der Burg gegen Ende des Jahrhunderts. Einen wichtigen terminus ante quem liefert 1281: Damals erscheint Jan z Michalovic (Johann von Michalowitz) erstmals mit dem Herkunftsnamen „von Michalovice“. Die Burg muss zu diesem Zeitpunkt also bereits bestanden haben; teilweise wird ihre Errichtung um 1270 angenommen.
Die Markwartinger gehörten zu den bedeutenden Adelsgeschlechtern Nordböhmens und verfügten über ausgedehnten Besitz im Gebiet der Jizera. Der Michalovicer Zweig machte die Burg zu seinem Stammsitz. Die Herren von Michalovice gewannen später auch erheblichen Einfluss auf das benachbarte Mladá Boleslav.
Es handelte sich um eine typische hochmittelalterliche Bergfriedburg. Die Position war geschickt gewählt: Ein steiler Sporn bot natürlichen Schutz durch die Hänge zum Jizera-Tal.
Die Anlage bestand aus zwei wesentlichen Bereichen. Vor der Kernburg lag eine eigenständig befestigte Vorburg. Ein tiefer, in den Felsen geschnittener Halsgraben trennte sie von der eigentlichen Burg. Über eine Brücke gelangte man durch einen schmalen Zwingerbereich in die Kernanlage. Diese war zusätzlich von einer äußeren Befestigung beziehungsweise einem breiten Zwinger umgeben.
Im Inneren standen der Palas und weitere Wohngebäude. Archäologisch beziehungsweise bauhistorisch lassen sich am Palas sogar mindestens vier Bauphasen erkennen. Außerdem hat sich ein in den Felsen eingetiefter Kellerraum erhalten. Archäologisches Register Tschechien
Das Wahrzeichen ist aber der massive runde Bergfried.
Ursprünglich diente die Putna vor allem als Wehr- und Rückzugsturm. Der Zugang befand sich erhöht; höhere Geschosse waren über Treppen innerhalb beziehungsweise entlang des starken Mauerwerks erreichbar.
Der Turm steht extrem schief.
Die traditionelle Erklärung dafür ist eine besonders kuriose Episode des 19. Jahrhunderts. Schatzsucher glaubten, unter dem Turm sei ein Schatz verborgen, und untergruben das Bauwerk. Dabei sackte eine Seite erheblich ab. Zusätzlich werden Veränderungen des Untergrunds und Arbeiten an der unterhalb verlaufenden Eisenbahn als mögliche Faktoren genannt.
Die Neigung ist keineswegs nur optisch auffällig. Eine 2026 vorgenommene geodätische Messung ergab 7,315°. Die Stadt Mladá Boleslav ließ den Turm vermessen, weil ein möglicher Rekordeintrag geprüft wird. Zum Vergleich: Der berühmte Turm von Pisa weist nach seinen Stabilisierungsarbeiten eine Neigung von knapp 4° auf. Die Behauptung, die Putna sei damit die „schiefste unbeabsichtigt geneigte Konstruktion der Welt“, sollte allerdings bis zu einer formalen Anerkennung als Rekordanspruch verstanden werden.
Und tatsächlich gab es einen Schatz
Besonders amüsant an der Schatzsuchergeschichte ist: Unter dem Turm lag tatsächlich ein Schatz.
Bei Sicherungsarbeiten 1935 wurde unter der Putna ein Beutel mit 470 Silbermünzen entdeckt, die in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges datiert werden. Die Schatzsucher des 19. Jahrhunderts hatten also nicht völlig grundlos gegraben – nur offenbar an der entscheidenden Stelle keinen Erfolg gehabt.
Ursprünglich diente die Putna vor allem als Wehr- und Rückzugsturm. Der Zugang befand sich erhöht; höhere Geschosse waren über Treppen innerhalb beziehungsweise entlang des starken Mauerwerks erreichbar. Apsida
Heute fällt sofort etwas anderes auf:

Burg Michalovice

Der Turm steht extrem schief.
Die traditionelle Erklärung dafür ist eine besonders kuriose Episode des 19. Jahrhunderts. Schatzsucher glaubten, unter dem Turm sei ein Schatz verborgen, und untergruben das Bauwerk. Dabei sackte eine Seite erheblich ab. Zusätzlich werden Veränderungen des Untergrunds und Arbeiten an der unterhalb verlaufenden Eisenbahn als mögliche Faktoren genannt. Touristinfo Mladá Boleslav
Die Neigung ist keineswegs nur optisch auffällig. Eine 2026 vorgenommene geodätische Messung ergab 7,315°. Die Stadt Mladá Boleslav ließ den Turm vermessen, weil ein möglicher Rekordeintrag geprüft wird. Zum Vergleich: Der berühmte Turm von Pisa weist nach seinen Stabilisierungsarbeiten eine Neigung von knapp 4° auf. Die Behauptung, die Putna sei damit die „schiefste unbeabsichtigt geneigte Konstruktion der Welt“, sollte allerdings bis zu einer formalen Anerkennung als Rekordanspruch verstanden werden. Mladá Boleslav
Und tatsächlich gab es einen Schatz
Besonders amüsant an der Schatzsuchergeschichte ist: Unter dem Turm lag tatsächlich ein Schatz.
Bei Sicherungsarbeiten 1935 wurde unter der Putna ein Beutel mit 470 Silbermünzen entdeckt, die in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges datiert werden. Die Schatzsucher des 19. Jahrhunderts hatten also nicht völlig grundlos gegraben – nur offenbar an der entscheidenden Stelle keinen Erfolg gehabt.

Fernsehturm Prag

Das nächste Ziel war dann der Fernsehturm in Prag.
Der Prager Fernsehturm oder Fernsehturm Žižkov (Žižkovská televizní věž, auch Žižkovský vysílač) im Prager Stadtteil Žižkov ist ein öffentlich zugänglicher Fernsehturm, dessen Eintritt für deutsche Verhältnisse okay ist, für tschechische aber schon etwas heftig. Zumindest wenn man diverse Zoobesuche (außer dem Prager Zoo) zum Vergleich herzieht…
Mit dem Aufzug fährt man zur Aussichtsplattform, die einen guten Überblick über ganz Prag gibt. Ich könnte jetzt sagen, dass man bis nach Troja schauen kann, aber … okay ich habe es getan… ob das wirklich ein Witz ist … und ob ich es auflösen sollte?
Die im Jahr 2000 an den Säulen des Turms angebrachten stilisierten Plastiken von herumkrabbelnden Kleinkindern stammen vom tschechischen Bildhauer David Černý. Zusätzlich werden die Säulen bei Nacht markant in den Landesfarben Tschechiens weiß, rot und blau angestrahlt. Nachts haben wir den Fernsehturm aber noch nicht gesehen.

Blick vom Prager Fernsehturm

Es war wohl auch gut dass wir den Fernsehturm angeschaut haben, bzw. die Aussicht vom Observatory genossen haben. Den Aussichtsturm Petrin haben wir nämlich nicht gefunden, da habe ich wohl falsche Daten ins Navi eingegeben. Statt in der Nähe des Aussichtsturms landeten wir in einer Wohnsiedlung, meilenweit kein Turm zu sehen. Nachdem wir die richtige Adresse gefunden hatten und fast eine Stunde gebraucht hätten, haben wir uns für die Rückkehr ins Hotel entschieden, was auch fast eine Stunde gedauert hat. Prager Berufsverkehr…
Gegessen haben wir im Restaurant Zlatý Klas, das sich gegenüber des Hotels befindet und in dem man, entgegen kursierender Gerüchte, auch mit Karte zahlen kann.

Beinhaus von Sedlitz
Zoo Chleby
Fernsehturm

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